Niemand konnte Suizid erahnen
Claudia Heill ist am Donnerstag in den frühen Morgenstunden tot aufgefunden worden. Die Polizei geht von einem Suizid der früheren Judoka aus, die nur 29 Jahre alt wurde. Abschiedsbrief liege keiner vor, die Angehörigen können sich das alles nicht erklären, sagte eine Polizeisprecherin. Im Österreichischen Judoverband (ÖJV) ist die Bestürzung groß.
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Heill, die bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen die Silbermedaille gewonnen hatte, war dem Judo bis zuletzt verbunden. Ihr langjähriger Trainer Hubert Rohrauer fand keine Erklärung für das Geschehene. „Wir waren noch am Abend davor zusammen, niemand konnte die Kurzschlusshandlung von Claudia erahnen. Sie war eine Perfektionistin, hatte einen starken Willen“, sagte Rohrauer.
„Claudia war ein lebensfroher Mensch“
Die ehemalige Spitzensportlerin kam nach einem Sturz aus dem sechsten Stock eines Wohnhauses im dritten Wiener Gemeindebezirk zu Tode. Sie wurde in der Nacht auf Donnerstag um 3.15 Uhr gefunden. Für ÖJV-Präsident Hans Paul Kutschera kam der Suizid ohne Vorwarnung. „Claudia war ein lebensfroher Mensch, der viele Visionen hatte und ihr ganzes Leben dem Sport widmete. Unser Mitgefühl gilt ihrer Familie“, teilte Kutschera in einer Presseaussendung mit.

GEPA/Dominic Ebenbichler
Mit Olympiasilber feierte Heill 2004 ihren größten Erfolg.
Der ÖJV-Präsident bestätigte im Interview mit der „SportWoche“, dass Heill nach dem Ende ihrer aktiven Karriere vor zwei Jahren ein wenig sprunghaft gewesen sei. Die Wienerin, die neben ihrem Studium an der Fachhochschule für Sportwissenschaften in Wiener Neustadt zuletzt auch als Nachwuchstrainerin im Schulmodell Südstadt tätig war, sei leicht zu begeistern gewesen und im nächsten Moment recht demotiviert gewesen sein. Kutschera führte das aber „auf ihre jugendliche Dynamik“ zurück.
Weiteres Engagement beim ÖJV war geplant
„Manches konnte ihr einfach nicht schnell genug passieren. Da hat sie mitunter gesagt: ‚Da geht nix weiter, ich wende mich etwas anderem zu.‘“, meinte der ÖJV-Präsident in der „SportWoche“. Für die Heim-EM 2010 in Wien war Heill noch als Sonderbotschafterin und im Marketing des Organisationskomitees im Einsatz. Ein weiteres Engagement beim ÖJV war geplant. Die Wienerin wollte allerdings zuerst ihre Ausbildung beenden.
Heill legte auch ihre Trainerfunktion zurück, um sich ganz auf ihr Studium an der von Gunnar Prokop ins Leben gerufenen FH in Wr. Neustadt konzentrieren zu können. Österreichs Judosport habe „einen schweren Verlust erlitten, der Tod von Claudia reißt eine große Lücke auf. Wir werden Claudia stets in bester Erinnerung haben“, sagte Kutschera. Ihr früherer Teamkollege Ludwig Paischer reagierte fassungslos. „Ich kann es nicht glauben. Claudia war ein so lebensfroher, freundlicher Mensch. Ich werde sie vermissen“, sagte der Salzburger.
„Sie war eine Ausnahmeathletin“
Auch beim Österreichischen Olympischen Komitee (ÖOC) zeigte man sich bestürzt. „Die olympische Familie verliert nicht nur eine erfolgreiche Olympiaathletin, sondern auch einen Menschen, der über viele Jahre durch sein öffentliches Auftreten und Wirken für die Jugend in Österreich ein Vorbild gewesen ist“, sagte ÖOC-Präsident Karl Stoss in einer Aussendung. „Ihr Erfolg von Athen ist die erste und bis dato einzige Medaille einer österreichischen Judoka bei Olympischen Spielen. Sie war eine Ausnahmeathletin und Idol des heimischen Judosports.“
„Claudia Heill war nicht nur eine große österreichische Sportlerin und damit ein Vorbild für die Jugend, ich habe sie auch als lieben und herzlichen Menschen kennengelernt“, teilte Sportminister Norbert Darabos mit. „Ich kann es noch nicht fassen, dass Claudia Heill nicht mehr unter uns weilt. Unsere Anteilnahme gilt in dieser schweren Stunde ihrer Familie.“
Tiefe Betroffenheit beim BSO
Auch bei der Österreichischen Bundes-Sportorganisation (BSO) herrscht tiefe Betroffenheit. „Das Ableben von Claudia Heill, die als Vorbild und Ikone des Spitzensports galt, wird vor allem in der Sportfamilie bedauert. Das Mitgefühl und die Anteilnahme gelten nun im Besonderen ihren Angehörigen, die diesen schmerzlichen Verlust ertragen müssen“, teilte BSO-Präsident Peter Wittmann, in einer Aussendung mit.
Der Präsident des Allgemeinen Sportverbands Österreichs (ASVÖ), Siegfried Robatscher, trauert um eine „eindrucksvolle Persönlichkeit. Der ASVÖ konnte sie am Anfang ihrer spitzensportlichen Karriere unterstützen. Zielstrebig verfolgte sie ihre Ziele und hat diese mit ihrem unermüdlichen Einsatz erreicht. Unser Mitgefühl gilt in diesem Augenblick ganz ihrer Familie. Claudia Heill, eine tolle Persönlichkeit und eine großartige Sportlerin, wird uns fehlen“, hieß es in einer ASVÖ-Aussendung.
Olympiasilber war Heills größter Erfolg
Ihren größten Erfolg feierte Heill 2004 bei den Olympischen Spielen in Athen, Heill gewann in der Klasse bis 63 kg die Silbermedaille. 2008 wurde sie bei den Olympischen Spielen in Peking Fünfte. Bei Weltmeisterschaften erreichte Heill 2001 in München den fünften Platz, 2007 wurde sie in Rio de Janeiro immerhin Siebente. Bei Europameisterschaften konnte die Wienerin insgesamt fünf Medaillen gewinnen, in Paris 2001 und Rotterdam 2005 jeweils Silber. Bei der Militärweltmeisterschaft 2006 in Vinkovci holte sie die Goldmedaille.
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