Anwalt informiert Stevens vor Training
Die Ära von Huub Stevens und Dietmar Beiersdorfer bei Red Bull Salzburg ist zu Ende. Der österreichische Meister gab am Freitagnachmittag die einvernehmliche Trennung vom niederländischen Cheftrainer und dem deutschen Sportdirektor bekannt. Die neuen starken Männer bei den „Bullen“ sind der Niederländer Ricardo Moniz als Chefcoach und der Kroate Niko Kovac als Assistenztrainer.
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„Ich war sehr, sehr überrascht“, meinte Stevens später in einem Telefongespräch in der niederländischen Fernsehsendung „Voetbal International“. „Ich habe die Besprechung für das Spiel gegen den LASK gemacht und den Spielern die Aufstellung gesagt. Gerade wollte ich mit dem Training beginnen“, berichtete Stevens. In diesem Augenblick sei ein Clubanwalt an ihn herangetreten und habe ihm die Entscheidung über die Entlassung mitgeteilt. „Innerhalb von fünf Minuten war alles erledigt“, sagte Stevens.

GEPA/Felix Roittner
Ricardo Moniz soll den Salzburgern schon im Saisonfinish Beine machen.
Hinter Ansprüchen zurück
Sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene waren die „Bullen“ in dieser Saison wieder weit von ihren Zielen entfernt. Der dünnhäutige und schroffe Umgang von Meistertrainer Stevens mit Kritik und den Medien dürfte seinen vorzeitigen Abgang nicht unbedingt verlangsamt haben. Beiersdorfer könnten Fehlschläge in der Transferpolitik und die verpassten sportlichen Ansprüche den Job gekostet haben. Der meist glücklose Stürmer Joaquin Boghossian aus Uruguay ist nur ein Beispiel für die diskussionswürdigen Einkäufe des Deutschen.
Als einer der Kandidaten für die Nachfolge von Beiersdorfer wird Alfred Hörtnagl gehandelt. Hörtnagl war am vergangenen Freitag als Rapid-Sportdirektor zurückgetreten. Die Salzburg-Profis reagierten auf die Ablöse des Führungsduos jedenfalls überrascht. „Das hat wirklich keiner erwartet“, kommentierte Simon Cziommer die Personalentscheidungen von Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz. „Das gehört eben zum Geschäft dazu“, sagte Stürmer Roman Wallner im ORF-Interview.
Gemischte Gefühle bei Moniz
„Ich habe großen Respekt vor Stevens als Person und vor seiner Leistung. Deshalb trete ich die Aufgabe auch mit gemischten Gefühlen an“, erklärte Moniz in einer ersten Stellungnahme. „Aber es gibt eine emotionale und eine professionelle Ebene, die professionelle hat jetzt Vorrang“, meinte der 46-Jährige, der im Juli 2010 als Verantwortlicher für die Jugendarbeit vom Hamburger SV zu Red Bull Soccer geholt worden war.
Das Ziel von Moniz, der als Kumpeltyp gilt, ist klar: „Wir wollen aus den letzten neun Runden das Maximum herausholen und so weit wie möglich nach vorne.“ Moniz war in seiner Trainerkarriere erst einmal Chefcoach, von April bis Juni 2010 hatte er kurzzeitig interimistisch die HSV-Geschicke gelenkt. Ansonsten war er bei PSV Eindhoven, Grasshoppers Zürich und Tottenham Hotspur als Nachwuchs-, Technik- und Kotrainer im Einsatz.
Beiersdorfer-Abgang noch überraschender
Nachdem Stevens am Freitag von der Entscheidung erfahren hatte, betrat er gemeinsam mit Moniz und Kovac den Trainingsplatz und stellte dem Team seine Nachfolger vor. Für die Öffentlichkeit hatte Stevens vorerst keinen Kommentar über, sein Vertrag wäre bis Sommer 2012 gelaufen. Deutlich überraschender als die Trennung von Stevens kam jene von Beiersdorfer. Der Deutsche war von Mateschitz mit enormer Verantwortung ausgestattet worden, Beiersdorfer wachte als Fußballchef über die Red-Bull-Standorte New York, Sao Paulo, Ghana, Leipzig und Salzburg.
Kovac, langjähriger Kapitän des kroatischen Nationalteams, stieg damit vom Trainer der Salzburger Juniors zum „Ko“ der ersten Mannschaft auf. Der 39-jährige gebürtige Berliner ist schon seit 2006 Mitglied der Red-Bull-Familie, bis 2009 war er als defensiver Mittelfeldspieler der Salzburger aktiv. Unmittelbar danach war er Juniors-Coach geworden.
Champions League blieb Traum
Stevens war vor Beginn des Spieljahrs 2009/10 als Nachfolger seines Landsmanns Co Adriaanse zu den Salzburgern gestoßen. National brachte die Debütsaison mit dem Meistertitel den erhofften und erwarteten Erfolg. International scheiterten die Salzburger aber - fast schon traditionell - am großen Ziel Champions-League-Gruppenphase. In der vierten und letzten Qualifikationsrunde war gegen Maccabi Haifa Endstation.
Nach dem Umstieg in die Europa League sorgten die Salzburger im Herbst 2009 dann doch noch für ein wenig Furore. In der Gruppenphase gewannen sie alle sechs Partien gegen Villarreal, Lazio Rom und Lewski Sofia, in der ersten K.-o.-Runde war dann aber gegen Standard Lüttich Schluss. In der laufenden Saison blieb die Champions League ebenfalls ein unerfüllter Traum von Red-Bull-Boss Mateschitz. Wieder blieb man in der letzten Qualirunde gegen einen Club aus Israel auf der Strecke, diesmal gegen Hapoel Tel Aviv.
Neun Niederlagen in 63 Ligaspielen
In der Europa League schied Salzburg gegen Manchester City, Juventus Turin und Lech Posen als Gruppenletzter aus. Im heimischen Cup blamierte man sich in der zweiten Runde gegen den Regionalligisten Blau-Weiß Linz (1:3), in der Liga kamen die Favoriten ebenfalls nie richtig in Schwung. Stevens absolvierte 63 Bundesliga-Partien als Salzburger Cheftrainer. Bei 33 Siegen und 21 Remis setzte es neun Niederlagen (99:47 Tore). Daheim musste Salzburg unter Stevens in 31 Spielen nur zwei Niederlagen (gegen die Austria und Kapfenberg) hinnehmen.
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