Verständnis für Absagen
Bei der Fußball-Europameisterschaft 2008 trat Österreich laut dem damaligen Trainer Josef Hickersberger nicht mit den „besten“, sondern den „richtigen“ Spielern an. Österreichs Eishockey-Team muss bei der kommenden Weltmeisterschaft ebenfalls auf einige der Besten verzichten, zum Teil wegen persönlicher Präferenzen.
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So sagten Verteidiger Thomas Pöck und Torhüter Bernd Brückler wegen familiärer Gründe ihre Teilnahme an der Weltmeisterschaft vom 29. April bis 15. Mai in Bratislava und Kosice ab. NHL-Shootingstar Michael Grabner bekam wegen einer Verletzung keine Freigabe der New York Islanders, die Goalies Reinhard Divis (Salzburg) und Bernhard Starkbaum (VSV) fielen ebenfalls dem Verletzungsteufel zum Opfer.
Trattnig mit klaren Worten
Die Absagen aus familiären Gründen sorgten unmittelbar nach Bekanntwerden für Unmut - besonders bei den Anhängern. Vor allem da von Spielerseite diverse Ausfälle immer wieder für das Verpassen des Klassenerhalts verantwortlich gemacht worden waren. „Ich spiele seit zwölf Jahren im Nationalteam und ich bin der Meinung, es ist eine Ehre für sein Land zu spielen“, meinte auch Matthias Trattnig im Gespräch mit ORF.at.

GEPA/Christian Ort
Trattnig nahm sich in Sachen Absagen kein Blatt vor den Mund.
Der 32-jährige Verteidiger von Meister Red Bull Salzburg kann jedoch die Absagen auch nachvollziehen. Grund sind für ihn jedoch nicht nur Kinder und Familie, sondern vor allem Schatten über dem Verhältnis zwischen Spielern und Österreichischem Eishockeyverband (ÖEHV). „Gewisse Grundvoraussetzungen, die uns beim Nationalteam geboten werden, entsprechen nicht dem Niveau, das von uns Spielern verlangt wird“, findet der gebürtige Grazer deutliche Worte, „das System im Umfeld war manchmal nicht auf A-Niveau.“
„Manchmal wie Sommer-Eishockey“
Und Trattnig bringt auch Beispiele, die er und seine Kollegen als Profi bei ihren Clubs mittlerweile gewohnt sind und die im Nationalteam - zumindest in den vergangenen Jahren - oftmals fehlten. „Wir haben zum Beispiel in Salzburg zwei bis drei Zeugwarte, zwei Physiotherapeuten, und du hast alle Grundvoraussetzungen“, so der Verteidiger, „im Team ist das lange vernachlässigt worden. Es war manchmal, wie wenn man zum Sommer-Eishockey kommt.“
Dass der Verband nicht über dieselben finanziellen Mittel wie das Salzburger Getränkeimperium von Dietrich Mateschitz verfügt, ist dem Verteidiger aber auch klar. „In Salzburg ist es vielleicht ein klein wenig übertrieben. Aber es hilft dir, wenn du dich als Spieler um nichts rundherum kümmern musst und dich voll und ganz auf Eishockey konzentrieren kannst“, erklärte Trattnig.
Zwar hat sich die Situation nach mehreren klärenden Gesprächen zwischen Spielern und Verband laut Trattnig verbessert, für einige seiner Kollegen wirken aber manche Ungereimtheiten von früher bis heute nach. Trattnig: „In den vergangenen sieben oder acht Jahren hatten manche Spieler das Gefühl, sie werden verarscht. Wow, Nationalteam ist so toll, und es ist eine Riesenhetz - das ist im Moment sicher nicht der Fall.“ Daher geht für manche Teamspieler die Familie vor.
Team kein Sprungbrett mehr
Dazu kommt für Trattnig auch der Umstand, dass eine WM längst nicht mehr jene Möglichkeit bietet, sich ausländischen Clubs zu präsentieren. In Zeiten eines Thomas Vanek, Grabner und Andreas Nödl ist Österreich auf der Eishockey-Landkarte besser bekannt. Dazu kommt ein immer härterer Kampf um gute Verträge. „Früher war das Nationalteam ein Sprungbrett. Jetzt, wenn man als etablierter Spieler keinen Vertrag hat, überlegt man sich schon, ob es das Verletzungsrisiko wert ist“, so der Verteidiger.
Trattnig, der erstmals bei einer Weltmeisterschaft nicht als Stürmer, sondern als Verteidiger auflaufen wird, hofft, dass das Nationalteam bald für seine Kollegen wieder interessanter wird. Vor allem wenn man vonseiten des Verbandes die Verbesserungen im Umfeld einer WM weiter vorantreibt. „Wenn man will, dass wir unsere Leistung bringen, dann muss das alles passen“, so der 32-Jährige, „gerade bei uns, wo wir immer um den Verbleib in der A-Gruppe kämpfen müssen.“
Apropos Verbleib in der A-Gruppe: Ist der Klassenerhalt mit den Absagen und dem etwas angespannten Verhältnis zwischen Spielern und Verband überhaupt zu schaffen? „Frankreich und Slowenien musst du schlagen, sonst hast du in der A-Gruppe sowieso nichts verloren“, stellte Trattnig mit Hinblick auf einen möglichen Gang in die Relegation klar. Aber: „Es wird halt schwierig. Uns fehlen fünf gute Spieler, und das macht im Eishockey einfach einen Riesenunterschied.“
Karl Huber, ORF.at
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