„Man macht es uns nicht leicht“
Am Rande des Conference-Viertelfinales in der NHL zwischen Buffalo und Philadelphia hat Sabres-Stürmer Thomas Vanek den österreichischen Verband scharf kritisiert. Seinem ÖEHV-Teamkollegen Matthias Trattnig, der am Mittwoch bei einer Pressekonferenz das unprofessionelle Umfeld der Nationalmannschaft vor und bei der WM angeprangert hatte, stärkte Vanek auf seiner Website den Rücken.
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„Ich kann ihm leider nur völlig recht geben“, meinte der Buffalo-Torjäger zu Trattnigs Aussagen, die der Verteidiger von Red Bull Salzburg im Gespräch mit ORF.at und anderen Medien geäußert hatte. „Ich selbst bin und war immer stolz, für Österreich zu spielen. Die Zustände im Verband machen es einem aber leider nicht immer einfach“, nahm sich Vanek in seiner Stellungnahme kein Blatt vor den Mund. „Man kommt sich da oft vor wie bei einem Sommer-Hockeycamp und nicht wie bei einem Nationalteam.“

GEPA/Wolfgang Jannach
Thomas Vanek bei seiner bisher letzten WM in der Schweiz 2009
„Es geht schon bei den Basics los“
Vor und während eines Turniers auf dem Niveau einer A-WM vermisst also nicht nur Trattnig Professionalität im ÖEHV. „Das hat nicht nur mit der Verpflegung zu tun, obwohl die auch eine sehr wichtige Rolle spielt, sondern geht schon bei Bascis wie einer gemeinsamen Kleidung los“, schrieb Vanek auf seiner Website. „Andere ‚kleine‘ Länder wie Italien oder Norwegen treten als einheitliches Team auf, und das fängt schon bei der gleichen Trainingsbekleidung an. Wir wärmen in unterschiedlichen Sweatern auf. Matthias und die anderen Salzburger in Bullen-Leiberln, Bernd Brückler in einem russischen T-Shirt, ich in einem Buffalo-Shirt.“
Das ist laut Vanek, der mit den Sabres am Mittwoch im zweiten Play-off-Heimspiel gegen die Flyers zum 2:2 ausglich, aber noch nicht das Schlimmste. „Wirklich schlimm ist es, dass es auch am Personal fehlt“, kritisierte der Goalgetter, der 2008 bei der B-WM in Innsbruck wesentlich zum Aufstieg beitrug und auch 2009 bei der A-WM in der Schweiz zum ÖEHV-Team gekommen war. „Ein Physiotherapeut und ein Zeugwart für eine Nationalmannschaft sind einfach zu wenig. Vor allem, wenn es so intensiv zugeht wie bei einer Weltmeisterschaft“, meinte Vanek.
Gespräche brachten nichts
„Bei so vielen Spielen in so kurzer Zeit bräuchten nach jeder Partie rund 15 Spieler einen Masseur, beim Team können aber nur drei oder vier Spieler behandelt werden. Und der Zeugwart kommt mit der Arbeit auch nicht nach“, berichtete der Steirer. „Von den Spielern wird ein professionelles Auftreten erwartet, aber das muss man sich auch vom Verband erwarten können. Wir wollen ja kommen und gut spielen, aber man macht es uns nicht wirklich leicht.“
Ein diesbezügliches Gespräch der Spieler mit ÖEHV-Präsident Dieter Kalt und Verbandskapitän Giuseppe Mion hatte laut Vanek nicht die erhoffte Wirkung. „Viel rausgekommen ist dabei nicht“, so Vanek. „Uns Spielern fehlt auch der Einblick in die Finanzen des Verbandes. Wir können nicht beurteilen, wo das Geld hinfließt, ob wirklich alles dorthin fließt, wohin es fließen sollte. Es ist aber bedenklich, wenn vergleichbare Nationen wie Norwegen so viel besser dastehen als wir.“
Noch keine Gedanken an WM
Ob Vanek im Falle eines Ausscheidens der Sabres in der ersten Play-off-Runde in die Slowakei zur WM reisen wird, könne er wirklich noch nicht sagen. „Denn ganz ehrlich habe ich mir darüber noch gar keine Gedanken gemacht. Derzeit gilt meine ganze Konzentration den Sabres und dem Aufstieg in die nächste Play-off-Runde“, betonte er. „Von dem bin ich überzeugt, und insofern sollte sich diese Frage heuer auch gar nicht stellen.“
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