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„Keine Schlupflöcher übrig lassen“

Im Dezember 2009, als der internationale Wettskandal auch Österreich erreicht hatte, wurde - aufbauend auf einem bereits bestehenden Frühwarnsystem - unter der Schirmherrschaft des ÖFB eine Task-Force gegen Manipulation und Wettbetrug ins Leben gerufen. Der Schulterschluss von Verband, Bundesliga, Buchmacherverband und Ligasponsor tipp3 ist nach Ansicht aller Beteiligten mehr gefordert denn je.

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Im Europäischen Parlament präsentierte man im Rahmen der Veranstaltung „Integrität im Sport - Antworten auf das Problem von Wettmanipulationen“ das österreichische Modell. „Um die Thematik auf eine europäische Ebene zu heben“, erklärte tipp3-Vorstandsvorsitzender Philip Newald, einer der Vortragenden in Brüssel. Eine Negativspirale wie im Radsport durch die Dopingproblematik müsse im Fußball verhindert werden. Im Gespräch mit ORF.at zeigte sich Newald zuversichtlich, dass man in Österreich im Kampf gegen Wettbetrug „gut aufgestellt“ ist.

ORF.at: Welches Ziel hatte der gemeinsame Auftritt von BSO, Bundesliga und tipp3 im Europäischen Parlament?

Philip Newald: Auf keinen Fall wollen wir Europa damit etwas beibringen. Aber wir sind in Österreich gut aufgestellt und wissen zumindest, wohin die Reise gehen soll. Für Österreich spricht in diesem Fall die überschaubare Größe, die ein gemeinsames, akkordiertes Vorgehen erleichtert. Bei uns kennen sich alle Verantwortlichen persönlich und teilweise schon sehr lange. Es gibt in dieser heiklen Thematik einen sichtbaren Zusammenhalt.

ORF.at: Tipp3 ist ein wesentlicher Teil eines Frühwarnsystems, das bei verdächtigem Wettverhalten Alarm schlägt. Auch FIFA und UEFA haben solche Systeme installiert ...

Newald: Das Warnsystem von tipp3 hat die Aufgabe, in Abstimmung mit dem Buchmacherverband, der Liga und dem ÖFB die Wetten, die bei österreichischen Buchmachern abgegeben werden, zu monitoren, also zu überwachen. Es gibt auch internationale Frühwarnsysteme wie das FIFA EWS (Early Warning System) und das UEFA BFDS (Betting Fraud Detection System). Dazu gibt es private Unternehmen, die sich auf die Überwachung spezialisiert haben.

ORF.at: Woran hapert es bei diesen Systemen?

Newald: Sie müssen nachgeschärft werden, auch sind die asiatischen Wettmärkte nicht ausreichend eingebunden. Alle zur Verfügung stehenden Warnsysteme, die Behörden, Verbände und Ligen müssen vernetzt werden. Wir dürfen keine Schlupflöcher übrig lassen, weil die sofort ausgenutzt werden. Das kriminelle Gegenüber hat das Tempo verschärft, und das müssen wir auch.

ORF.at: Was kann man sich unter Schlupflöchern vorstellen?

Newald: Die können sowohl zeitlicher als auch organisatorischer Natur sein. Das Schlimmste wäre, nur so zu tun, als ob man etwas überwachen würde. Das wäre wie mit einer Viererkette zu spielen, ohne es zu beherrschen. Da ist es besser, überhaupt nicht Viererkette zu spielen. Echte Profis müssen Warnsysteme und Auffälligkeiten am Wettmarkt richtig interpretieren, weil es immer mehrere Ursachen dafür geben kann.

ORF.at: Kann man den Kampf gegen Wettbetrug gewinnen?

Newald: Es kann nur funktionieren, wenn international gemeinsam vorgegangen und an einem Strang gezogen wird. Das ganze ist de facto ein weltweites Problem. Und das österreichische Modell könnte für dieses gemeinsame Vorgehen ein Beispiel, eine Basis sein, von der weg gearbeitet wird. Wir wollten zeigen, wo wir in Österreich stehen.

ORF.at: Angesichts der jüngsten Skandale und Verdächtigungen scheint für den Fußball einiges auf dem Spiel zu stehen ...

Newald: Sowohl der Fußball als auch die Wettanbieter brauchen einen sauberen Sport. Sonst könnte eine Negativspirale einsetzen wie im Radsport mit der Dopingproblematik. Zuschauer, Medien und Sponsoren könnten sehr schnell das Interesse verlieren. Wir sind uns dieser Verantwortung bewusst und nehmen sie wahr.

ORF.at: Gerade Wetten wie auf den ersten Eckball oder die erste Gelbe Karte öffnen Manipulationen doch Tür und Tor. Wie soll man das verhindern können?

Newald: Was die Wettangebote betrifft, muss man zumindest differenzieren, ob sie überhaupt sportliche Inhalte haben oder nicht. Livewetten zum Beispiel grundsätzlich zu verbieten, was manche fordern, wäre aber weit übertrieben. Beim Wetten macht es ja auch einen großen Reiz aus, auf die Entwicklung eines Spiels reagieren zu können, sofern sie sportlicher Natur sind.

Das Gespräch führte Harald Hofstetter, ORF.at

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