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„Dicke Bäuche und nichts im Hirn“

Die Ausschreitungen im Wiener Derby am Sonntag haben auch international hohe Wellen geschlagen und für Österreichs Fußball eine verheerende Optik hinterlassen. „Dicke Bäuche und nichts im Hirn“, schrieb etwa die deutsche „Bild“ über den Platzsturm der Rapid-Hooligans. Und der Schweizer „Blick“ berichtete von „Bildern wie im Krieg“.

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Die vom Bundesliga-Strafsenat am Montag verhängte Strafverifizierung sowie weitere vorerst vertagte Maßnahmen wie Geldstrafe und Platzsperre stellen für Rapid bei weitem nicht den Gesamtschaden dar. Ein enormer Imageverlust und das Ende des Mythos „St. Hanappi“ drohen - auch weil man das Gewaltpotenzial und die Entwicklungen der letzten Zeit unterschätzt hatte. „Das ist eine Situation, mit der wir noch nicht umgehen können“, musste Clubservice-Leiter Andreas Marek nach der Derby-Schande eingestehen. „Im Moment weiß ich nicht genau, wie es weitergehen soll.“

Teilweise vermummte Rapid-Fans stürmen den Platz

dapd/Andreas Schaad

Unglaubliche Szenen beim Derby im Hanappi-Stadion

Aggression und Frust entluden sich

Jahrelang hatte sich Rapid mit den „besten Fans der Welt“ und auch mit der besten Fanarbeit gerühmt. „Wenn so etwas passiert, kann es aber nicht die beste gewesen sein“, so Marek. Obwohl radikale Teile der Rapid-Fans in den letzten Monaten und Jahren in regelmäßigen Abständen für gewaltsame Zwischenfälle gesorgt hatten, sei man von den Geschehnissen überrascht gewesen. „Heute ist etwas passiert, was wir uns nie vorgestellt hätten, dass es passiert“, sagte Marek nach dem in der Woche vor dem Derby in Internetforen angekündigten Platzsturm - mehr dazu in tvthek.ORF.at.

Rapid-Stadionsprecher Andi Marek verkündet via Mikrofon den Spielabbruch

GEPA/M. Hoermandinger

Marek verkündet den Abbruch.

Einige der auf das Spielfeld gelaufenen Hooligans sind Marek aus einer Arbeit auch persönlich bekannt. „Da geht es um unheimlich frustrierte Leute.“ Dass man sich teilweise zu Fan-nah und kompromissbereit zeigte, gibt Marek unumwunden zu. Von einem völligen Versagen der Rapid-Fanpolitik wollte der Niederösterreicher aber nichts wissen. „Jetzt kommen alle und sagen, dass wir zu viel durchgehen lassen“, so Marek. „Aber es ist leicht, auf jemanden hinzutreten, wenn er auf dem Boden liegt.“ Was Rapid in keinem Fall erspart bleibt, ist die harte Bestrafung der für den Abbruch verantwortlichen Hooligans.

Austria kennt Fanproblematik nur zu gut

„Sie werden das Hanappi-Stadion nicht mehr von innen sehen“, kündigte Präsident Rudolf Edlinger an. Man müsse aber auch bedenken, dass „95 Prozent der Westtribüne oben geblieben sind“. Vermummte hätten mit Fantum nichts zu tun, für Edlinger war es der „schlimmste Tag“ seiner Amtszeit. „Finanziell wird es verkraftbar sein“, so der Rapid-Boss über die zu erwartende Strafe und den Einnahmenverlust bei Geisterspielen. „Imagemäßig ist es ein längerfristiger Schaden.“ Davon kann die Austria ein Lied singen. Radikale Fangruppen auf der Osttribüne der Generali-Arena bekam man in den letzten Monaten halbwegs in den Griff.

„Leider kann so etwas auch bei der Austria immer wieder passieren“, gab Austria-Wirtschaftsvorstand Markus Kraetschmer zu. „Wir müssen alle schauen, dass wir das in den Griff bekommen.“ Nach dem gerade noch verhinderten Abbruch in der Europa League 2009 gegen Bilbao, als Austria-Fans ebenfalls den Platz stürmten, habe man hart durchgegriffen. „Wir haben die Rädelsführer entfernt“, sagte Kraetschmer im „Kurier“ (Montag-Ausgabe). „Es war schwer, aber es hat funktioniert.“

Ordner und Polizisten stehen vor randalierenden Fans

APA/Herbert P. Oczeret

Polizeikette vor Rapid-Sektor verhinderte Konfrontation mit Austria-Anhängern

„Bekannte Störenfriede“ müssen draußen bleiben

Auch für Austria-Sportvorstand Thomas Parits, der gemeinsam mit Kraetschmer vor dem Hanappi-Stadion mit Bier überschüttet wurde, waren die Ausschreitungen eine Katastrophe für den Fußball. „Ich habe so etwas noch nie gesehen“, sagte er. „Wie weit können Fans gehen? Ich hatte Angst um die Spieler und dass es noch zu ärgeren Sachen kommt, wenn wir weiterspielen.“ Kraetschmer ermutigte Rapid ebenfalls, hart gegen die Randalierer vorzugehen. Und Polizeieinsatzleiter Oberst Fritz Schwarz verwies deutlich auf die Verantwortung des Clubs: „Es gibt bekannte Störenfriede. Diese Leute nicht ins Stadion zu lassen, dafür muss Rapid sorgen.“

Solange bei einem Hochsicherheitsspiel wie dem Wiener Derby unter einem Ordnerleibchen das T-Shirt mit der Aufschrift „Tod und Hass dem FAK“ zum Vorschein kommt, sind lückenlose Eingangskontrollen und mehr Sicherheit auf den Tribünen unwahrscheinlich. Vollstreckung von Stadionverboten, Ahndung von Becher- und Feuerzeugwürfen und von Verstößen gegen das Verbot von Pyrotechnik müssen auf eine völlig neue Basis gestellt werden. In England arbeitet man seit mehr als 20 Jahren erfolgreich an der Ausgrenzung der letzten gewaltbereiten Hooligans, in Österreich ist der Weg dorthin noch sehr weit.

Harald Hofstetter, ORF.at

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