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„Kein Grund, die Wahl zu verschieben“

Im größten Skandal seiner 107-jährigen Geschichte hat der Fußball-Weltverband (FIFA) am Sonntag personelle Konsequenzen gezogen und die beiden Exekutivkomiteemitglieder Mohammed bin Hammam und Jack Warner wegen des Verdachts der Korruption vorläufig suspendiert. FIFA-Präsident Joseph Blatter wurde hingegen von der Ethikkommission entlastet.

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Der 75-jährige Schweizer kann damit auf dem Kongress am Mittwoch in Zürich - ohne Gegenkandidaten - für eine vierte Amtszeit kandidieren. „Es gibt keinen Grund, die Wahl zu verschieben“, sagte FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke nach der Sitzung der Ethikkommission in der FIFA-Zentrale in Zürich. „Die Anschuldigungen gegen Herrn Blatter wurden nicht aufrechterhalten.“

Blatter bedauert

„Die Ethikkommission der FIFA hat ihre Urteile gefällt. Dazu möchte ich mich nicht äußern“, so der Präsident in einer schriftlichen Stellungnahme. „Nur so viel: Ich bedauere, was in den letzten Tagen und Wochen geschehen ist. Das Image der FIFA hat sehr darunter gelitten, zum Leidwesen der FIFA selbst und aller Fußballfans.“

Bin Hammam und Warner sollen gegen den Ethikcode der FIFA verstoßen haben, indem sie beim Treffen der Karibischen Fußball-Union (CFU) am 10. und 11. Mai versucht haben sollen, für die Wahl Bin Hammams zum FIFA-Präsidenten Stimmen zu kaufen. Der Katarer hatte in der Nacht auf Sonntag seine Kandidatur überraschend zurückgezogen.

Bin Hammam: Kein Fair Play

Am späten Sonntagabend meldete sich Bin Hammam zu Wort. „Ich bin sehr enttäuscht, wie der Stand des Verfahrens auf der Pressekonferenz dargestellt wurde. Ich erwarte, dass das so weitergehen wird“, schrieb er in seinem Blog. „Das ist nicht das, was ich unter Fair Play verstehe. Ich behalte mir alle Rechte vor.“ Bin Hammam betonte, dass die Beweise nicht für eine Verurteilung ausgereicht hätten, deshalb hätte er auch nicht verbannt werden können.

FIFA-Präsident Joseph Blatter mit Mohammed bin Hammam

APA/EPA/Ahmad Yusni

Die einstigen Weggefährten gehen getrennte Wege.

Er griff in diesem Zusammenhang vor allem Generalsekretär Valcke an. „Ich hatte immer den Eindruck, dass die Ethikkommission ein absolut unabhängiges Gremium sei. Aber in der Pressekonferenz heute haben wir gesehen, dass der Generalsekretär verdeutlicht hat, dass er derjenige ist, der dieses Komitee beeinflusst“, erklärte er.

„Blatter muss gestoppt werden“

Auch Warner, der bei der Sitzung der Ethikkommission im Gegensatz zu Bin Hammam und Blatter nicht persönlich anwesend war, sparte nicht mit Kritik. „Blatter muss gestoppt werden“, erklärte der langjährige Weggefährte des Schweizers. „Sie (die Mitglieder der Kommission, Anm.) sind mit einem Vorsatz gekommen und haben nicht zugehört. Sie wurden von Blatter ausgesucht, um eine Aufgabe zu erfüllen, und haben genau das getan.“

Was wusste der Präsident?

Blatter selbst war von Bin Hammam beschuldigt worden, von dem Korruptionsvorwurf gewusst, ihn aber nicht angezeigt zu haben. Nach Angaben von Generalsekretär Valcke hat der Verband von Puerto Rico in einer E-Mail bestätigt, „dass wir am 10. und 11. Mai Geschenke und 40.000 Dollar erhalten haben“. Die Suspendierung gilt zunächst einmal für 30 Tage, in denen „den beiden jegliche Fußballtätigkeit untersagt“ ist, wie die FIFA erklärte. Also kann Bin Hammam auch nicht an der Wahl am Mittwoch teilnehmen.

Die Ethikkommission sperrte zudem die zwei CFU-Offiziellen Debbie Minguell und Jason Sylvester provisorisch. In den kommenden Wochen will die Kommission auch mit Hilfe externer Experten weitere Fakten und Beweise sammeln und dann endgültig in der Sache entscheiden.

Platini wartet ab

Auf Blatter selbst dürften trotz des „Freispruchs“ nun einige turbulente Tage zukommen, gab es zuletzt doch schon mehrmals Forderungen nach einer Verschiebung der Wahl. Allerdings müssten 75 Prozent der Verbände dafür stimmen, was ziemlich unwahrscheinlich ist. Aber auch die Ankündigung Warners, es werde in den nächsten Tagen einen „Fußball-Tsunami“ geben, lässt nicht unbedingt Gutes für den Schweizer erwarten. Fraglich bleibt freilich, wie sehr Warner gewillt ist, dabei möglicherweise auch sich selbst „anzupatzen“.

Nutznießer der Schlammschlacht könnte UEFA-Boss Michel Platini sein, der eine sofortige Kandidatur für das höchste Amt im Weltfußball für „ausgeschlossen“ erklärte. Als nächster starker Mann bei der FIFA wäre der Franzose dann aber wohl schon ein Thema.

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