„Jetzt haben sie die Revolution“
Der bei Rapid fristlos entlassene Peter Pacult hat am Sonntag im Rahmen der DTM auf dem neuen Red-Bull-Ring in Spielberg als Beifahrer mehrere Runden in einem 800 PS starken NASCAR-Toyota absolviert. Auch nach seinem Ausflug auf der Rennstrecke gab der 51-jährige Wiener Gas.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Pacult, der vor kurzem als Trainer des deutschen Reginalligaclubs (vierte Liga) und Red-Bull-Ablegers RasenBallsport Leipzig präsentiert worden war, plauderte mit Journalisten zwanglos über seine Fußball-Vergangenheit und die Zukunft beim neuen Arbeitgeber Red Bull, aber auch über seinen unrühmlichen Abgang bei Rapid.

APA/EXPA/Sandro Zangrando
Für Peter Pacult war der Einstieg ins Red-Bull-Imperium mühsam.
Rapid mit Trainer Pacult sicher besser
Pacult betonte dabei erneut, dass er sich nichts zuschulden kommen habe lassen, und machte keinen Hehl aus seiner Überzeugung, dass Rapid unter seiner Führung im Meisterschaftsfinale wohl besser dagestanden wäre. Der Europacup-Startplatz sei „in Reichweite“ gewesen, und er hätte dieses Ziel wohl auch erreicht.
Der Platzsturm von 300 Rapid-Anhängern im 297. Derby gegen die Austria sei seiner Meinung nach lediglich eine Folge der schlechten Performance der Mannschaft gewesen.
„Verpisst“ statt Verantwortung
Pacult kritisierte zudem die Rapid-Spieler deutlich und warf manchen vor, sich „verpisst“ statt Verantwortung übernommen zu haben. Auch der drohende Arbeitskampf mit den Hütteldorfern ärgert Pacult. „Ich finde es nicht gut, wenn Herr Edlinger (Rapid-Präsident, Anm.) und Herr Kuhn (Rapid-Manager, Anm.) mit Giftpfeilen herumschießen, dazu diese haltlosen Drohungen, was sie nicht alles noch in der Hand gegen mich hätten“, so der Wiener zur APA.
Der Wirbel im Verein nach seiner Entlassung und dem Derby-Abbruch seien nur die logische Folge, für die die Clubführung mitverantwortlich sei. „Durch die andere Art, von der sie geglaubt haben, dass sie ihnen den großen Erfolg bringen wird, haben sie jetzt das Theater. Jetzt haben sie die Revolution“, so Pacult.
Klage gegen Ex-Club
Zwischen Pacult und seinem früheren Arbeitgeber SK Rapid Wien dürfte es außerdem zu einem Nachspiel vor Gericht kommen. Werner Tomanek, der Rechtsanwalt des Wieners, bestätigte, dass er für seinen Mandanten eine Klage gegen Österreichs Rekordmeister einreicht. „Die Klageschrift geht heute weg“, sagte der Anwalt Ende Mai.
Pacults Vertrag mit den Hütteldorfern wäre noch bis Juni 2012 gelaufen. Die Grün-Weißen trennten sich von dem 51-Jährigen aber am 11. April wegen „massiven Vertrauensbruchs“ fristlos, weil er mit Red-Bull-Eigner Dietrich Mateschitz angeblich über ein Engagement beim deutschen Viertligisten RB Leipzig verhandelt haben soll.
Streitwert mindestens 100.000 Euro
Jetzt geht es um viel Geld. „Über Summen äußere ich mich nicht“, sagte der Anwalt. Wie die Tageszeitung „Österreich“ schrieb, soll es um mindestens 100.000 Euro gehen.
Demnach stünden Pacult drei Entgelte plus ein aliquoter Anteil aus weiteren Forderungen zu. „Rapid hat zwei Fristen ungenützt verstreichen lassen. Da es weder eine Stellungnahme, geschweige denn eine Zahlung gab, wird die Klage eingereicht“, sagte der Pacult-Anwalt.
„Gemeine“ Geschichten
„Mir wurde immer etwas unterstellt. Daraus wurde eine Story gedreht, die ich mir gegenüber gemein gefunden habe. Es war so, dass ich den Herrn Mateschitz bei diesem Treffen beim Heurigen zum ersten Mal gesehen und kennengelernt habe“, beteuerte der Wiener. Red Bull sei erst an ihn herangetreten, als er von den Hütteldorfern bereits entlassen worden war. „Erst danach hat es Kontakt gegeben.“
Pacult war bei Rapid nie unumstritten, was weniger an den harten Trainingsmethoden, sondern vor allem an der geringen Kommunikation zwischen Mannschaft und Trainer lag. Dem Erfolg tat das angespannte Verhältnis aber lange keinen Abbruch. Pacult übernahm im September 2006 eine am Boden liegende Mannschaft, führte sie im Mai 2007 auf Endrang vier und machte sie ein Jahr später sogar zum Meister.
Volles Stadion, volle Kassen
Im August 2009 und 2010 erreichten die Hütteldorfer jeweils die Gruppenphase der Europa League. Geschafft wurde das durch Erfolge über Aston Villa, womit Pacult das Kunststück gelang, erstmals einen österreichischen Club zu einem Europacup-Aufstieg gegen ein englisches Team zu führen.
Die insgesamt sechs Europa-League-Heimspiele bescherten Rapid zwar mit Ausnahme eines 3:0 über den Hamburger SV keine sportlichen Erfolge, aber sechsmal ein ausverkauftes Happel-Stadion. Durch diese Einnahmen sowie durch die millionenschweren Verkäufe von Ümit Korkmaz, Erwin Hoffer, Stefan Maierhofer oder Nikica Jelavic wurde Rapid in Pacults Zeit vom Sanierungsfall zu einem finanziell gesunden Club.
Auf seine Aufgabe mit Leipzig, das über kurz oder lang in die Bundesliga aufsteigen soll, freut sich Pacult nun sehr. „Ich hoffe, ich kann die Erwartungen erfüllen und werde Red Bull nicht enttäuschen“, sagte ein gut gelaunter Pacult im Medienzentrum der neuen Rennstrecke.
Links: