Abruptes Aus einer wilden Ehe
Das Ende der viereinhalbjährigen Ära Peter Pacults in Hütteldorf ist am 11. April abrupt gekommen und so turbulent verlaufen wie viele Phasen in der ereignisreichen Amtszeit des umstrittenen Rapid-Trainers. Rapid-Präsident Rudolf Edlinger erklärte in einer Pressekonferenz, warum es zu dem „massiven Vertrauensbruch“ mit Pacult gekommen war.
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Heimische und deutsche Medien hatten Tage zuvor bereits berichtet, dass Pacult ab Sommer Betreuer beim deutschen Viertligisten RasenBallsport Leipzig (RB Leipzig), dem Club von Red Bull in Deutschland, werden sollte. Pacult war beim Wiener Nobelheurigen Pfarrwirt in Wien an einem Tisch u. a. mit Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz gesessen.

ORF.at/Christian Öser
Rapid-Präsident Edlinger erklärte vor Journalisten die Entlassung Pacults.
Pacult machte Rückzieher
Nach der 0:2-Heimniederlage am 9. April gegen Sturm Graz hatte der scheidende Coach die Gerüchte noch dementiert und lediglich von einer „Weinverkostung“ gesprochen. Die Clubführung hatte dieser Darstellung zunächst Glauben geschenkt und am Sonntag verkündet, dass Pacult Trainer bleibe. An den Gerüchten über einen möglichen Wechsel zu RB Leipzig sei „absolut nichts dran“, so Rapid in einer Aussendung. Der Club werde daher die Sache nicht weiter kommentieren.
Dann kam jedoch alles anders, wie Edlinger bei einer Pressekonferenz erklärte. Pacult habe einen nicht näher genannten Clubmitarbeiter angerufen und bestritten, die Aussagen über Leipzig in der von Rapid veröffentlichten Art gemacht zu haben. „Er hat dagegen massiven Einwand erhoben“, so der Rapid-Präsident. Edlinger selbst erreichte ein Anruf von Pacult nur auf der Sprachbox.
„Gedeihliche Arbeit nicht mehr möglich“
Da Pacult nun offensichtlich einen Rückzieher seiner ursprünglichen Angaben machte, bot sich für den Rapid-Präsidenten ein gültiger „Umkehrschluss“ an. Für Edlinger war das die Bestätigung, dass es die „Gespräche sehr wohl gegeben hat“. Das Vertrauen war tief erschüttert. Bereits zwei Tage zuvor hatte sich Pacult eine Entgleisung geleistet, als er öffentlich gegen den scheidenden Sportdirektor Alfred Hörtnagl aufgetreten war.
Im Laufe des 10. April beriet sich Edlinger telefonisch mit seinen Präsidiumskollegen und fasste den Entschluss, Pacult zu entlassen. „Es war klar, dass unter derartigen Voraussetzungen eine gedeihliche Arbeit nicht mehr möglich ist. Wir stehen in einer entscheidenden Phase der Saison, da ist volle Konzentration gefordert.“
Auf Tauchstation
Doch nach Angaben von Edlinger verschärfte sich die Situation rund um Pacult noch. Statt die Angelegenheit aufzuklären, war der ehemalige Stürmer nicht mehr für Rapid-Funktionäre zu erreichen. Pacult habe nicht zurückgerufen, und es habe auch sonst keinen Kontakt mehr gegeben, so Edlinger. Pacult erschien auch nicht zum Training am Montag, den 11. April um 9.30 Uhr. Das Nicht-Erscheinen zum Training sei jedoch laut dem Rapid-Chef nicht der Grund für die fristlose Entlassung.
Statt des Trainings erfuhren die Spieler in der Kabine von Generalmanager Werner Kuhn von der Entlassung des gesamten Betreuerstabs, dem auch Leopold Rotter (Assistenztrainer), Manfred Kohlbacher (Tormanntrainer) und Christian Canestrini (Fitnesscoach) angehörten.
„Hätten Vertrag freundschaftlich lösen können“
Dass die viereinhalbjährige Zusammenarbeit mit einem derartigen Getöse zu Ende ging, wäre laut Edlinger nicht notwendig gewesen. „Wenn er zu uns gekommen wäre, hätten wir den Vertrag auch freundschaftlich lösen können.“ Pacults Vertrag wäre noch bis Sommer 2012 gelaufen.
Die sportliche Talfahrt sei nicht für den Trainerwechsel verantwortlich gewesen. „In erster Linie waren es die sich zuspitzenden Probleme, die das Vertrauen, das ich in den Trainer haben muss, massiv erschüttert haben“, sagte Edlinger. Das dadurch zerrüttete Verhältnis sei „nicht mehr kittbar“.
Rapid scheitert, Pacult geht zu Leipzig
Zoran Barisic übernahm interimistisch das Traineramt, konnte aber nach anfänglichen Erfolgen die angestrebten Ziele Rapids nicht erreichen. In der Meisterschaft blieb nur Rang fünf, im ÖFB-Cup war im Semifinale gegen Ried Endstation. Am 4. Mai wurde Pacult offiziell als neuer Leipzig-Trainer vorgestellt.
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