Es gibt noch viel zu tun
Ein Jahr vor dem Startschuss zur Euro 2012 plagen Polen und die Ukraine große Probleme - doch Europas Fußball-Dachverband sieht die beiden Gastgeber auf einem guten Weg und hofft auf eine gelungene EM-Premiere in Osteuropa.
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„Ich wünschte, die Vorbereitungen würden ein wenig weiter fortgeschritten sein. Aber wir können im Moment damit leben“, erklärte UEFA-Turnierdirektor Martin Kallen. Das EM-Turnier wird am 8. Juni 2012 in Warschau angepfiffen, am 1. Juli erfolgt der Schlusspfiff in Kiew. Bis dahin ist noch einiges zu tun.
„Hat sich Polen übernommen?“
In Polen bereiten randalierende Hooligans, fehlende Autobahnen und Verzögerungen im Stadionbau den Organisatoren ordentlich Kopfzerbrechen. Seit Wochen schreckt eine Hiobsbotschaft nach der anderen die Öffentlichkeit auf. „Hat sich Polen mit der Euro 2012 übernommen?“, fragte die Zeitung „Polska“ Anfang der Woche auf der Titelseite und drückte das aus, was die meisten Polen denken.

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Die Stadien sind teilweise noch Großbaustellen.
So kann der Bau des neuen Nationalstadions in Warschau nicht wie geplant im Juli abgeschlossen werden. Die Fertigstellung der Arena, in der das Eröffnungsspiel steigen soll, verzögert sich wahrscheinlich um fünf Monate. „Alle Arbeiten an dieser Investition sollen bis zum 30. November abgeschlossen werden“, sagte der polnische Regierungschef Donald Tusk am Mittwoch nach einem Besuch der Baustelle. Dieser Termin sei glaubwürdig. Ursprünglich sollten die Bauarbeiten Ende Juni abgeschlossen sein. Verzögerungen gibt es auch in Gdansk. In Poznan, wo das Stadion seit Herbst steht, will wiederum das Gras auf dem Spielfeld nicht wachsen.
Durchhalteparolen der Regierung
Regierungsvertreter versuchen die Gemüter zu beruhigen. „Die Euro 2012 ist nicht gefährdet“, versicherte Marcin Herra von der Firma PL2012, die im Auftrag der Regierung die Vorbereitungen koordiniert. Von „kleinen Fehlern“ spricht Sportminister Adam Giersz. Unterdessen veröffentlichte die Oberste Kontrollkammer des Landes einen wenig erbaulichen Bericht über die Vorbereitungen. Dort wird zwar von „Fortschritt“ gesprochen, doch das Ausmaß der Verzögerungen der EM-Investitionen könnte den reibungslosen Verlauf des Turniers gefährden.
Der größte Verzug wurde im Straßenbau festgestellt. Ein Geldstreit behindert die Arbeit der zwei wichtigen Autobahnabschnitte zwischen Lodz und Warschau. Eine chinesische Firma bezahlt seit Wochen die polnischen Subunternehmen nicht mehr. Infrastrukturminister Cezary Grabarczyk stellte ein Ultimatum: Bis Donnerstag soll die Firma einen Notplan vorlegen, sonst droht die Regierung mit Vertragsauflösung und hohen Strafen.

Reuters/Peter Andrews
Zumindest nach außen gibt man sich zuversichtlich.
Sicherheit die „größte Herausforderung“
Noch verheerender für das Image Polens sind die gewaltbereiten Fans. Krawalle bei Spielen und antisemitische sowie rassistische Parolen und Transparente sind keine Seltenheit. Polens Verbandspräsident Grzegorz Lato bezeichnete deshalb den Kampf gegen Hooligans und gewaltbereite Fans als oberstes Ziel. „Unsere größte Herausforderung ist die Sicherheit“, sagte Lato am Mittwoch in Warschau. Im Eilverfahren hat die Regierung inzwischen ein Gesetzespaket vorbereitet, mit dem sie das Gewaltproblem in den Griff bekommen will.
Verzögerungen auch in der Ukraine
In der Ukraine sorgen indes politisches Gerangel um Geld und Einfluss sowie Verzögerungen und Kostenexplosionen für Fragezeichen in den EM-Vorbereitungen. Doch Vizeregierungschef Boris Kolesnikow gab sich dieser Tage optimistisch: „Die Projekte sind zu 75 bis 85 Prozent fertig.“ Für das Prestigeobjekt gilt das nicht: Die Arbeiten am Olympiastadion in Kiew sind weit im Verzug. Eigentlich sollte die Arena am 24. August 2011 eröffnet werden. Im Gespräch ist nun Oktober, es könnte aber auch November werden.
Medien prangern zudem eine immense Kostenexplosion an. Rechnete 2008 die damalige Regierung noch mit insgesamt drei Milliarden Euro, so wird das Turnier die ukrainischen Steuerzahler jetzt zehn Milliarden Euro kosten. Allein das Stadion in Kiew schlägt mit etwa 400 Millionen zu Buche. In Donezk sind wiederum die Kosten für den Flughafen außer Kontrolle geraten: Statt mit 333 wird nun mit rund 500 Millionen Euro gerechnet.
ÖFB-Testspiel gefährdet
Vor allem in der Westukraine scheint von den versprochenen Geldern nichts angekommen zu sein. In Lwiw wackelt deshalb auch ein Auftritt des österreichischen Nationalteams. Da das Stadion noch weit von der Fertigstellung entfernt ist, könnte ein geplantes Länderspiel gegen die ÖFB-Auswahl am 15. November verschoben oder gar abgesagt werden. Der Termin ist für den Fall ausgemacht, wenn Österreich in der Qualifikation den zweiten Gruppenplatz und damit auch das Play off verpasst. „Möglicherweise wird das Spiel gegen Österreich verlegt. Aber das Stadion wird für das Turnier bereit sein“, beruhigte Kallen.
Fans im Studentenheim
Auch an der Infrastruktur hapert es: Trotz aller Warnungen der UEFA sind in der Ukraine bisher kaum Hotels im mittleren und unteren Preissegment entstanden. Daher sollen EM-Touristen aus der Ukraine und aus Russland in Studentenunterkünften übernachten. Diese stammen allerdings noch aus der Ära des sowjetischen Kreml-Chefs Leonid Breschnew.
Die UEFA lassen diese Probleme (vorerst) kalt. Generalsekretär Gianni Infantino räumte ein, dass sowohl in der Ukraine als auch in Polen „noch viel zu tun“ sei. „Aber wir haben absolut keinen Zweifel: Polen wird bereit sein, die Ukraine wird bereit sein“, sagte der UEFA-Generalsekretär im Kulturpalast von Warschau anlässlich der „One year to go“-Pressekonferenz. Selbst wenn „eine Autobahn nicht komplett fertig“ oder „ein Stadion etwas später als geplant“ eröffnet werde, „beunruhigt uns das nicht“.
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