Absagen für Kolumbien drohen
Andreas Heraf ist derzeit kaum um seinen Job zu beneiden. Einerseits qualifizierte sich der U20-Teamchef mit seiner Auswahl für die WM-Endrunde in Kolumbien (29. Juli bis 20. August), andererseits muss er in den Stunden vor der Kaderbekanntgabe einen Spießrutenlauf durchstehen. Da die Clubs keine Abstellungspflicht trifft, muss Heraf um die Freigaben kämpfen wie einst als Mittelfeldabräumer bei Rapid.
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So erscheint ein WM-Antreten von David Alaba, den der U20-Coach nach jedem Spiel in den höchsten Tönen lobt, nach seiner Rückkehr zum Stammclub Bayern München immer unwahrscheinlicher. Sportdirektor Christian Nerlinger sendete keine positive Signale aus, der im Frühjahr an Hoffenheim ausgeliehene Alaba muss wohl auf die Reise nach Kolumbien verzichten. „Wenn ich Alaba bekomme, reiß ich mir vor Freude einen Hax’n aus. Wenn nicht, kommt eben ein anderer, und es wird auch gehen“, bemüht sich Heraf, das Thema zu relativieren.
Basel baut auf Dragovic
Der wahrscheinliche Ausfall des Mittelfeldspielers, der auch für Standardsituationen ein überaus wichtiger Mann wäre, trifft Heraf aber ebenso hart wie der drohende Verzicht auf Defensivspieler Aleksandar Dragovic. Beim FC Basel dürfte man nämlich nicht daran interessiert sein, drei Wochen lang auf einen Stammspieler zu verzichten. Dass die FIFA eine U20-WM für Juli ansetzt und den Vereinen dennoch alle Freiheiten lässt, erschwert Herafs Verhandlungen dementsprechend.

GEPA/Felix Roittner
Andreas Heraf nennt am Mittwoch das endgültige Aufgebot für Kolumbien.
Der FC Basel, der als Schweizer Meister nicht in die Champions-League-Qualifikation muss, will seine Entscheidung bezüglich Dragovic erst am Mittwoch bekanntgeben. Zumindest über die erhofften Freigaben bzw. befürchteten Absagen für die Stuttgart-Legionäre Raphael Holzhauser, Kevin Stöger und Alexander Aschauer dürfte Heraf aber schon früher Bescheid wissen. Der 43-jährige ÖFB-Coach reiste am Dienstag ins Schwabenland, um mit VfB-Trainer Bruno Labbadia und Sportchef Fredi Bobic zu diskutieren. Was Aschauer betrifft, gibt es auch gute Chancen.
Mittelfeldregisseur Holzhauser dagegen muss schon seit Wochen um die WM bangen. Immer wieder hatten regionale Zeitungen berichtet, dass Stuttgart den 17-Jährigen nicht abstellen werde. Ob Landsmann Stöger die Auswahl verstärken kann, steht überhaupt noch in den Sternen. Geklärt, wenn auch nicht im Sinne von Heraf ist das Tauziehen um Flügelspieler Georg Teigl von Red Bull Salzburg. Sportdirektor Heinz Hochhauser besteht darauf, dass der Youngster die Vorbereitung und ersten Runden mit den Profis absolviert. Daniel Offenbacher und Marco Meilinger sind weitere „Jungbullen“, um die Heraf ringen muss.
Austria-Coach Daxbacher unterstützt ÖFB-Team
In Wien wartet schließlich noch eine delikate Aufgabe auf den U20-Trainer, der in der WM eine große Chance sieht, den Marktwert der Spieler zu erhöhen. Dass Heraf die Verantwortlichen der Austria davon überzeugen kann, ihm Defensiv-Allrounder Emir Dilaver zur Verfügung zu stellen, erscheint aber wahrscheinlich. Trotz des Transfers von Julian Baumgartlinger nach Mainz und der Verletzung von Alexander Grünwald (Bändereinriss linken Knöchel) darf man beim ÖFB mit der Austria-Freigabe für Dilaver rechnen.
„Ich weiß, dass er sehr gerne nach Kolumbien fahren möchte und Heraf ihn auch braucht, weil er schon einige Absagen erhalten hat. Es sieht so aus, dass wir ihn wahrscheinlich fahren lassen“, sagte Austria-Trainer Karl Daxbacher am Dienstag. Musik in den Ohren von Heraf, für den die Arbeit nach den zähen Personalverhandlungen ja erst richtig losgeht.
Harald Hofstetter, ORF.at
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