Themenüberblick

Amateure planen Überraschung

Der Countdown zur Weltmeisterschaft im American Football geht für das österreichische Nationalteam in die finale Phase. Am Freitag eröffnete Titelverteidiger USA mit einem klaren 61:0-Sieg in Innsbruck gegen Australien den Kampf um Gold. Für Österreich wird es erst am Samstag (15.00 Uhr, live in ORF Sport Plus) ernst. Das Nationalteam fordert in Graz Japan - und das topmotiviert.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

„Wir sind bereit, die Welt einzureißen“, so Quarterback Christoph Gross. Das große Ziel ist das WM-Finale am 16. Juli im Wiener Ernst-Happel-Stadion. Ein harter Weg für Österreichs Nationalteam, das als reine Amateurmannschaft zu den Titelkämpfen antritt.

„Es sind Idealisten, die viel Kraft, Energie, Urlaub und ihr eigenes Geld in den Sport investieren“, so Michael Eschlböck, seines Zeichens Präsident des American Football Bundes Österreich (AFBÖ). Obwohl Österreich auf Clubebene mit den Swarco Raiders Tirol den Europacup-Sieger stellt und seit Jahren die Topnation ist, verdienen die Spieler keinen Cent.

Idealist als Schlüsselfigur

Auch die Schlüsselfigur im österreichischen Angriff lebt nicht vom Sport. Quarterback Gross investiert zwar bis zu fünf Stunden täglich in seine Leidenschaft, aber nur aus reinem Idealismus. Im Hauptberuf ist der 22-jährige Burgenländer Student für Sportgerätetechnik an der FH Technikum Wien. Sein Training und seine Einsätze im Nationalteam und bei den Raiffeisen Vikings Vienna absolviert Gross in seiner Freizeit.

Christoph Gross (AUT) im Portrait

GEPA/Christian Ort

Quarterback Gross steht bei der Heim-WM im Mittelpunkt.

„Der Spaß am Sport ist für mich mehr wert als Geld“, sieht Gross seine Situation dennoch locker. Der große Traum des 22-Jährigen ist das Finale im Ernst-Happel-Stadion. „Das Jahr 2011 ist das sportliche Highlight meiner Karriere“, so Gross, der seit der Saison 2009 die Nummer eins auf der Spielmacherposition bei den Vikings ist. Auch aus dem Nationalteam ist „Criss Cross“, so sein Spitzname, nicht mehr wegzudenken.

„Keinen besseren Quarterback“

Gross führte das Team voriges Jahr bei der Europameisterschaft in Deutschland auf den dritten Platz. Mit den Vikings gewann der Burgenländer 2009 als erster österreichischer Quarterback den Meistertitel. Teamchef Rick Rhoades hält auf den 1,88 Meter großen und 96 kg schweren Modellathleten daher auch große Stücke. „Vom Charakter und von der Einstellung her gibt es keinen besseren Quarterback auf der ganzen Welt“, so Rhoades.

Gross selbst bleibt angesichts solcher Vergleiche lieber bescheiden. Der 22-Jährige, der als Vorbild gerne NFL-Star Donovan McNabb nennt, sieht sich lieber als Teil des Ganzen. „Wir sind ein Team. Und wir versuchen, das beste Team zu werden, das möglich ist“, sagt der Quarterback. Dass auf seinen Schultern als Spielmacher die meiste Verantwortung lastet, lässt sich Gross zumindest nach außen hin nicht anmerken: „Ich spüre den Rückhalt, den ich bei meinen Mitspielern habe.“

Geld verdirbt Charakter

Dass Gross und seine Kollegen auch im Falle einer WM-Überraschung in Form einer Medaille wohl auf keine fürstliche Prämie hoffen dürfen, tut der Motivation für das Heimturnier keinen Abbruch. Vor allem, da von Seiten des Verbandes viel versucht wurde, damit dem Nationalteam zumindest ein professionelles Umfeld geboten werden kann. „Wir sind an die Grenze des Amateurtums gestoßen“, so Präsident Eschlböck.

„Die Motivation, besser zu werden, ist ohnehin mehr wert als Geld“, sieht Eschlböck die österreichischen Amateure trotzdem in einer guten Position. Auch um sich für Ausbildungsmöglichkeiten in großen Footballländern wie den USA oder Kanada zu empfehlen. Eschlböck: „Die WM ist eine Chance, sich zu präsentieren.“ Ein Sieg gegen Japan wäre der erste große Schritt - nicht nur Richtung Finale, sondern endgültig ins Rampenlicht der österreichischen Sportszene.

Links: