„Jedes Spiel ist ein Schlüsselspiel“
In Kolumbiens wichtigstem Tourismuszentrum Cartagena de Indias erfolgt für Österreichs U20-Auswahl am Freitag (Ortszeit) der mit Spannung erwartete WM-Auftakt. Damit das zweitgrößte FIFA-Turnier aber nicht nur zum Ausflug wird, hoffen die ÖFB-Nachwuchskicker im Estadio Olimpico Jaime Moron Leon gegen Panama (0.30 Uhr, live in ORF eins) auf einen optimalen Turnierstart.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Mit einem Sieg gleich zu Beginn wäre bereits ein wichtiger Schritt in Richtung Achtelfinale gemacht, wie auch Teamchef Andreas Heraf weiß. „Bei der WM ist jedes Spiel ein Schlüsselspiel, aber das erste noch ein bisschen mehr“, sagte der Wiener, dessen Personalpläne seit der Ankunft in Südamerika durch Ausfälle, Blessuren und Erkrankungen durchkreuzt werden. „Ich habe schon einiges im Kopf, aber das wird tagtäglich über den Haufen geworfen“, klagte der 43-Jährige.
Stürmer Marco Djuricin fällt wegen eines Muskelfaserrisses für die komplette WM aus, einige andere Spieler wie Andreas Weimann, Christian Klem, Philip Petermann und Lukas Rotpuller mussten immer wieder Pausen einlegen. Zusätzlich gesellte sich zum praktisch gesamten ÖFB-Tross ein Magen-Darm-Problem, was an die Substanz geht. „Deswegen habe ich sogar kurz überlegt, ein anderes System zu spielen. Aber jetzt denke ich schon, dass wir bei unserem 4-3-3 bleiben werden“, erklärte Heraf.
U20-WM in Kolumbien Gruppe E
Samstag, Beginn 0.30 Uhr/MESZ
Live in ORF eins und im Livestream
Österreich - Panama
Cartagena, Estadio Olimpico Jaime Moron Leon, SR Arias (PAR)
Mögliche Aufstellung:
Österreich: Riegler - Farkas, Schimpelsberger, Rath, Dilaver - Kainz, Stöger, Gucher - Klem, Weimann, Schütz
Gegner mit vielen Gesichtern
Mit welchem System die Panamaer aufkreuzen werden, gibt dem Ex-ÖFB-Teamspieler allerdings Rätsel auf. „Ich weiß über jeden ihrer Spieler praktisch alles, aber es ist schwierig, ihre Spielanlage zu erraten, weil sie in den Testspielen viele Gesichter gezeigt haben. Manchmal haben sie extrem offensiv agiert, manchmal haben sie sich hinten reingestellt“, erklärt Herauf den Grund für seine missliche Lage.
Zusätzlich zur taktischen Sprunghaftigkeit gesellten sich auch deutliche Leistungsschwankungen. „Einmal haben sie herausragend gespielt, das andere Mal ist ein Fehlpass nach dem anderen gekommen. Manchmal waren sie taktisch top, dann wieder haben sie komplett die Ordnung verloren. Aber so weit müssen wir sie erst bringen“, meinte Heraf über die Mittelamerikaner.
Eine „Rakete“ und ein „Brutalo“
Besonderen Respekt flößen dem Nationaltrainer Panamas Mittelstürmer Cecilio Waterman („eine Rakete“), Regisseur Eric Davis („sehr viel Übersicht und gefährlich in der Ausführung von Standards“) und Innenverteidiger Harold Cummings („brutal hart in den Zweikämpfen“) ein. Die Mannschaft des Gegners sei „körperlich robust und schnell“.
Dass sich auch die Mittelamerikaner selbst ihrer Vorzüge bewusst sind, bekommen die Österreicher regelmäßig im gemeinsamen Hotel in Cartagena zu spüren. „Sie strahlen ein riesiges Selbstvertrauen aus. Von den Brasilianern erwarten wir sowieso, dass sie uns unterschätzen, aber es könnte auch sein, dass uns Panama nicht ernst nimmt, und das wäre nicht schlecht für uns“, so Heraf.
Panama seit 2005 im Aufschwung
Dabei war Österreichs erster Gegner bis vor wenigen Jahren auf der Fußball-Landkarte selbst ein weißer Fleck. Auf A-Team-Ebene galt Panama in der WM-Qualifikation und im Gold-Cup als Sparringpartner, und wenn einmal die Qualifikation für eine Nachwuchs-Weltmeisterschaft erreicht wurde, präsentierten sich die Mittelamerikaner als verlässlicher Punktelieferant.

AP/Orlin Wagner
In Luis Mejia hat die U20 von Panama einen Goalie mit Gold-Cup-Erfahrung
Das änderte sich jedoch ab 2005, als Panama im CONCACAF-Kontinental-Turnier bis ins Finale vordrang und dort gegen die USA nur wegen einer Nervenschwäche im Elferschießen den Kürzeren zog. 2007 und 2009 reichte es immerhin bis zum Viertelfinale, vor wenigen Wochen scheiterten die Panamaer mit vier aktuellen U20-Kickern erst im Halbfinale und jubelten außerdem über den Achtelfinal-Einzug bei der U17-WM in Mexiko.
Panama will „für Aufsehen sorgen“
Aufgrund dieser Erfolge ist auch Zuversicht eingekehrt. „Diese Mannschaft kann Geschichte schreiben, sie ist sehr engagiert und weiß, was sie will. Das wird man in Kolumbien sehen. Wir wollen in diesem Turnier für Aufsehen sorgen“, erklärte U20-Goalie Luis Mejia. Ein Sieg über Österreich hätte trotzdem historische Ausmaße: In ihren bisherigen neun U20-WM-Partien setzte es für „La Marea Roja“ bei einem Remis gleich acht Niederlagen.
Bei der WM 2007 kam das Aus in einer Gruppe mit den späteren Finalisten Argentinien (0:6) und Tschechien (1:2). Nun aber scheinen Panamas Zeiten als Prügelknabe auch im U20-Bereich vorbei zu sein. Zur Generalprobe spielten die Amerikaner vor eigenem Publikum von 18. bis 22. Juli ein Turnier mit vier WM-Teilnehmern, in dem sie gegen den CONCACAF-Meister Mexiko 1:1 spielten, gegen Afrika-Champion Nigeria ein 0:0 erkämpften und Portugal 2:0 besiegten.
Links: