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Die Vorzüge in den Vordergrund rücken

In Kolumbien wird die am Freitag beginnende U20-WM als große Chance gesehen, um das Negativimage abzustreifen. In der Vergangenheit wurde das südamerikanische Land in der Weltöffentlichkeit zumeist mit Drogenkriminalität, bürgerkriegsähnlichen Zuständen und allen dazugehörigen gewalttätigen Begleiterscheinungen in Verbindung gebracht.

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Österreich hat deshalb auch eine partielle Reisewarnung für das Land des WM-Gastgebers ausgesprochen. „Vor Reisen in ländliche Gebiete (...) wird, vor allem bei Überlandfahrten, wegen Entführungsgefahr durch die Guerilla gewarnt“, schreibt das Außenministerium. Auch „bestimmte Viertel größerer Städte sollten unbedingt gemieden werden“, heißt es in Bezug auf Bogota, Cali und Medellin, wobei auch darauf hingewiesen wird, dass sich die allgemeine Sicherheitssituation verbessert habe.

2010 verzeichnete Kolumbien, das mit 45 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste südamerikanische Land nach Brasilien ist, ein Wirtschaftswachstum von 4,3 Prozent bei einer Inflationsrate von 2,3 Prozent. Obwohl die Kluft zwischen Arm und Reich noch immer enorm ist, soll der wirtschaftliche Aufschwung des Schwellenlandes durch eine erfolgreiche Organisation des zweitgrößten FIFA-Turniers in den Vordergrund gerückt werden.

Radamel Falcao Garcia (Kolumbien)

APA/EPA/Hector Rio

Hoffentlich ist Falcaos Begeisterung für seine Landsleute ansteckend

„Eine perfekte Gelegenheit“

Kolumbiens derzeitiger Ausnahmefußballer Radamel Falcao hofft auf eine Stärkung des nationalen Selbstwertgefühls durch die Weltmeisterschaft. „Viele Jahre lang sind aus Kolumbien nur negative Nachrichten nach außen gedrungen. Die vielen guten Dinge, die wir zu bieten haben, finden keinen Widerhall in der internationalen Gemeinschaft. Jetzt haben wir die perfekte Gelegenheit, daran etwas zu ändern und der Welt zu zeigen, was für ein einmaliges Land Kolumbien ist und was für fantastische Menschen dort leben.“

In diesem Zusammenhang versprach der Torjäger, der in der vergangenen Saison mit dem FC Porto das Triple aus Meisterschaft, Cup und Europa-League-Sieg schaffte, ein Turnier der Superlative. „Kolumbien freut sich, im Blickpunkt zu stehen. Die ganze Welt wird die menschlichen Qualitäten der Kolumbianer kennenlernen. Die Stadien werden voll sein, und die Fans werden für eine großartige Stimmung sorgen“, erklärte Falcao.

WM 1986 an Mexiko abgetreten

Ursprünglich als Veranstalter der WM 1986 vorgesehen, gab Kolumbien die Ausrichtung an Mexiko ab, weil man die FIFA-Auflagen nicht erfüllte. Diese Blamage soll mit der bevorstehenden U20-Endrunde endgültig vergessen sein. „Mir scheint, dass die Organisatoren und die Regierung alles getan haben, um die Menschen zu motivieren, hervorragende Stadien zu bauen und die Weltmeisterschaft zu einer einzigartigen Veranstaltung zu machen“, sagte Falcao.

Damit die Euphorie rund um das Turnier so lange wie möglich bestehen bleibt, ist ein erfolgreiches Abschneiden der Gastgeber dringend notwendig. Diesbezüglich muss man sich aber laut Falcao wenig Sorgen machen. „Mit unserer guten Mannschaft können wir durchaus um den Titel mitkämpfen, wenn die Leistungen beständiger werden und das Glück dazukommt.“

Bescheidene Erfolge auf A-Team-Ebene

An den Leistungen ihrer A-Auswahl sollte sich Kolumbiens U20-Team aber kein Beispiel nehmen. Nur einmal - 2001 als Gastgeber - gewann man die Copa America, zu einer WM-Endrunde schaffte es Kolumbien lediglich 1962, 1990, 1994 und 1998. Nur 1990 überstand man die Gruppenphase, ehe im Achtelfinale gegen Kamerun Endstation war, weil sich der legendäre Goalie Rene Higuita bei einem seiner waghalsigen Dribblings von Roger Milla den Ball abluchsen ließ.

Higuita war gemeinsam mit dem Mittelfeldstrategen Carlos Valderrama die schillerndste Persönlichkeit des kolumbianischen Fußballs, der mit dem Duo vor rund 20 Jahren seine bescheidene Hochblüte erlebte. Zur erweiterten Weltelite zählte damals auch die kolumbianische Liga, in der einige Kicker viel Geld kassierten. Zu verdanken hatten sie das allerdings vor allem den großen Drogenkartellen - seit deren weitgehender Zerschlagung sind die Clubkassen ebenso leer wie die meisten Stadien.

Skandale, Chaos und Mord

Dazu sorgen die Clubs für jede Menge Skandale, etwa wegen Unregelmäßigkeiten in der Buchführung und Rückständen bei der Auszahlung von Spielgehältern, aber auch wegen der fehlenden Abführung von Sozialversicherungsbeiträgen. Davon betroffen war u. a. Ex-Profi Diego Cortes, der 2006 mit Deportivo Pasto Meister wurde. Wenige Monate später war er nach einem Unfall querschnittsgelähmt und hatte keinen Anspruch auf Invaliditätsrente, weil Pasto und davor Deportes Quindio keine Beiträge für ihn einbezahlt hatten.

Auch noch in trauriger Erinnerung ist die Ermordung von Teamspieler Andres Escobar. Der Abwehrspieler schoss bei der WM 1994 gegen Gastgeber USA im zweiten Gruppenspiel ein Eigentor, Kolumbien verlor 1:2 und schied in weiterer Folge aus. Wenige Tage später wurde der damals 27-Jährige vor einer Bar in Medellin mit sechs Schüssen getötet. Der Täter Humberto Munoz Castro handelte entweder als enttäuschter Fan oder als Auftragsmörder der kolumbianischen Wettmafia.

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