0:3-Abfuhr in Barranquilla
Das Wunder von Barranquilla ist ausgeblieben: Österreich verlor das zweite Gruppenspiel bei der U20-WM in Kolumbien gegen Brasilien am Montagabend (Ortszeit) klar mit 0:3. Der vierfache U20-Weltmeister ließ dem ÖFB-Team, das wie zum Auftakt gegen Panama ohne Tor blieb, keine Chance und setzte sich dank der Treffer von Henrique (37.), Philippe Coutinho (52. / Elfmeter) und Willian (63.) verdient durch.
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In der Nacht auf Freitag kommt es für die Mannschaft von ÖFB-Trainer Andreas Heraf in der Gruppe E damit zu einem „Finale“ gegen Ägypten. Um den Einzug ins Achtelfinale zu schaffen, müssen die Österreicher in Cartagena unbedingt gewinnen. Die Ägypter schlugen Panama am Montag nämlich 1:0 und haben vorerst das klar bessere Torverhältnis. Die vier besten Drittplatzierten der sechs Vorrundengruppen steigen hinter den jeweiligen Top Zwei ebenfalls in die nächste Runde auf.
Österreicher beginnen vielversprechend
Vor 10.000 Zuschauern im Estadio Metropolitano Roberto Melendez legte Österreich mit einer 3-3-3-1-Formation einen selbstbewussten Start hin. Der Mattersburger Patrick Farkas, der gegen Panama noch auf der rechten Abwehrseite gespielt hatte und diesmal links stürmte, verfehlte eine Hereingabe von Andreas Weimann in der neunten Minute knapp. Augenblicke später tauchte Aston-Villa-Legionär Weimann vor Goalie Gabriel auf, erwies sich aber im Abschluss - wie gegen Panama - wenig effektiv.

AP/Fernando Llano
ÖFB-Kapitän Schimpelsberger stemmte sich vergeblich gegen die Niederlage
Die ÖFB-Auswahl, in der Heraf im Vergleich zum 0:0 gegen Panama mit Windbichler, Klem und Ziegl drei Neue in der Startelf gebracht hatte, spielte zunächst schnell und direkt nach vorne. Die Brasilianer präsentierten sich wenig überraschend ballsicher und kombinationsstark. Die erste große Chance hatten sie aber erst in der 20. Minute, als der gegen Panama überragende ÖFB-Keeper Samuel Radlinger gegen Henrique rettete. Augenblicke später strich ein verlängerter Eckball von Inter-Jungstar Philippe Coutinho an der langen Ecke vorbei, ehe auf der anderen Seite Weimann (24.) seinen nächsten großen Auftritt hatte.
Brasilien dreht auf
Nach einer Flanke von Christian Klem (Sturm Graz) brachte der mit Abstand gefährlichste Offensivmann der Österreicher einen druckvollen Kopfball an, verfehlte das Tor aber wieder knapp. Für die Südamerikaner schien das so etwas wie ein Weckruf gewesen zu sein, vor allem Stürmer Henrique drehte richtig auf. Nachdem Casemiro (26.) nach Pass von Coutinho eine Riesenchance vergeben und Klem (33.) auf der anderen Seite aus zehn Metern Entfernung knapp über die Latte geschossen hatte, erzielte der technisch bärenstarke und pfeilschnelle Angreifer von Sao Paulo das 1:0 (37.).
Vorangegangen war der mittlerweile verdienten Führung durch Henrique eine herrliche Kombination über vier Stationen, auch ÖFB-Torhüter Radlinger war mit dem abschließenden Querpass mustergültig ausgespielt worden. Im fulminanten Zwischenspurt der Brasilianer vor der Pause hatten die Österreicher noch mehrfach Glück. Zunächst strich ein Kopfball des groß aufspielenden Henrique (44.) am Tor vorbei, nachdem Radlinger an der Flanke vorbeigesegelt war. Dann hämmerte der Torschütze des 1:0 den Ball mit dem linken Fuß ans Lattenkreuz.
Favorit macht kurzen Prozess
Mit dem knappen Rückstand zur Pause war das ÖFB-Team also gut bedient, und nach dem Seitenwechsel ging es in der gleichen Tonart weiter. Weimann (50.) fand zwar nach schönem Pass von Michael Schimpelsberger die erste Torgelegenheit vor, aber in Gabriel aus spitzem Winkel erneut seinen Meister. Im Gegenzug drangen die Brasilianer wieder blitzschnell in den Strafraum ein, wo Radlinger dem durchgebrochenen Danilo (51.) die Beine wegzog. Der Brasilianer hatte zwar schon vor dem Kontakt abgehoben, US-Schiedsrichter Mark Geiger zögerte aber keine Sekunde und zeigte auf den Elfmeterpunkt.

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Inter-Jungstar Coutinho (rechts) war erneut die treibende Kraft bei Brasilien
Philippe Coutinho trat an und verwandelte den Strafstoß mit etwas Glück - Radlinger war mit den Fingerspitzen am Ball - in die linke untere Ecke zum vorentscheidenden 2:0 (52.). Die Brasilianer wollten aber offensichtlich auf Nummer sicher gehen, blieben gegen die bei extrem hoher Luftfeuchtigkeit schon demoralisierte ÖFB-Truppe am Drücker und machten vor dem Tor kurzen Prozess. Nach einer herrlichen Kombination über Oscar, Coutinho und Casemiro kam der Ball zu Willian, der Radlinger aus kurzer Distanz zum 3:0 (63.) bezwang.
Brasilianisches Schaulaufen im Finish
Die Partie war damit entschieden und der Rest geriet so zu einem Schaulaufen des klar überlegenen WM-Mitfavoriten. Der brasilianische Teamchef Ney Franco nutzte die Gelegenheit, um einige Wechsel vorzunehmen. Sein Gegenüber Heraf, der in der zweiten Hälfte zwar drei Spielerwechsel, aber keine Systemänderung vornahm, musste aus der Coachingzone zusehen, wie die Südamerikaner einen Angriff nach dem anderen scheinbar mühelos in Richtung ÖFB-Strafraum rollen ließen.
Dass es für die Österreicher kein Debakel setzte, lag eher daran, dass Brasilien im Abschluss teilweise zu lässig agierte. Die einzige Chance zum Ehrentreffer vergab der eingewechselte Richard Windbichler (85.) per Kopf. Nach einer bitteren Lehrstunde schlichen die Schützlinge von Heraf mit hängenden Köpfen vom Feld, bis zum Entscheidungsspiel gegen Ägypten muss sie der ÖFB-Teamchef wieder aufrichten.
Harald Hofstetter, ORF.at
U20-WM, Gruppe E:
Montag:
Brasilien - Österreich 3:0 (1:0)
Barranquilla, Estadio Metropolitano Roberto Melendez, 10.000 Zuschauer, SR Geiger (USA)
Torfolge:
1:0 (37.) Henrique
2:0 (52.) Philippe Coutinho (Elfmeter)
3:0 (63.) Willian
Brasilien: Gabriel - Danilo, Bruno Uvini, Juan - Casemiro, Fernando, Philippe Coutinho, Oscar, Alex Sandro (14./Gabriel Silva) - Willian (73./Dudu), Henrique (65./Negueba)
Österreich: Radlinger - Windbichler, Schimpelsberger, Kainz - Ziegl (58./Teigl), Kainz, Dilaver - Farkas, Gucher (46./Mitrovic), Klem - Weimann (68./Zulj)
Gelbe Karten: Juan bzw. Windbichler
Die Besten: Henrique, Willian, Casemiro, Philippe Coutinho bzw. Schimpelsberger
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