„Steht einfach nicht mehr dafür“
Oliver Glasner weiß, wann es genug ist. Nach seiner schweren Kopfverletzung hat das Urgestein des SV Josko Ried Dienstag seinen Rücktritt erklärt. „Ich habe im Krankenhaus in Kopenhagen schon darüber nachgedacht. Die Entscheidung habe ich dann im Krankenhaus in Ried getroffen. Die Ärzte haben mir abgeraten, wieder zu spielen“, erklärte Glasner, der am Sonntag 37 Jahre wird.
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Der in Salzburg geborene Verteidiger war schon 1995 beim erstmaligen Aufstieg der Rieder in die Bundesliga dabei, stand mit Ausnahme eines kurzen Intermezzos beim LASK (2003/04) seit 1992 in Ried unter Vertrag und bestritt über 500 Spiele für die Innviertler.
„Ich habe mir gedacht, dass es einfach nicht mehr dafür steht, für ein halbes Jahr Fußball irgendetwas zu riskieren. Das wäre meiner Familie und auch mir gegenüber sehr fahrlässig gewesen. Ich war sonst immer sehr ehrgeizig, ich habe jetzt aber abgeschlossen, und es ist der richtige Zeitpunkt“, erklärte Glasner über die Entscheidung.

GEPA/Felix Roittner
Oliver Glasner muss nach 514 Spielen für Ried seine Karriere beenden
Folgenschwerer Zusammenstoß
Glasner hatte sich am 31. Juli im Ligaspiel auswärts gegen Rapid (0:0) durch einen Zusammenstoß mit Mario Sonnleitner eine Schnittverletzung über dem Auge und eine Gehirnerschütterung zugezogen. Trotzdem war er dann mit der Mannschaft nach Kopenhagen zum Qualifikationsspiel der Europa League gegen Bröndby mitgereist, hatte das Abschlusstraining am 4. August mitgemacht und Kopfbälle geübt.
Nach dem Training hatte sich Glasner entschieden, nicht zu spielen. „Dann bin ich duschen gegangen und habe starke Kopfschmerzen bekommen“, erzählte Glasner. Zimmerkollege Thomas Gebauer hatte daraufhin den Teamarzt gerufen. „Von da an weiß ich nichts mehr. Leichte Erinnerungen habe ich an das erste Krankenhaus in Kopenhagen. Ich habe noch kurz meine Frau angerufen und ihr gesagt, dass ich in eine Spezialklinik überstellt werde. Dann weiß ich bis nach der Operation gar nichts mehr“, so Glasner über seine Erinnerungslücken.
Der unbedingte Wille fehlte
In Kopenhagen wurde eine Gehirnblutung diagnostiziert und ein neurochirurgischer Eingriff vorgenommen. Am 12. August durfte Glasner von Kopenhagen nach Ried heimkehren, wo er im Krankenhaus weiter behandelt wurde. Ried-Mannschaftsarzt Norbert Freund war mit den Genesungsfortschritten von Glasner zufrieden. An eine Fortsetzung der Karriere war aber nicht zu denken. „Es war für mich die erste Verletzung, bei der ich nicht mehr diesen unbedingten Willen verspürte, wieder zurückkommen zu müssen“, sagte der 36-Jährige, der 410-mal in der heimischen Bundesliga gespielt hat.
Laut eigenen Angaben ist Glasner „eigentlich wieder völlig hergestellt“, leichte Gedächtnis- und Konzentrationsschwächen seien gemäß den behandelnden Ärzten nach so einer Operation normal. Am Mittwoch wird Glasner sogar schon wieder in ein Flugzeug klettern. „Ich werde mit der Mannschaft nach Eindhoven zum Rückspiel fliegen. Mir ist das sehr wichtig, dass ich da dabei sein kann. Von den Ärzten habe ich dafür grünes Licht bekommen, es spricht nichts dagegen.“
Glasner will Ried treu bleiben
Für Glasner und Rieds Manager Stefan Reiter steht fest, dass die bestehende Zusammenarbeit weitergehen wird. Zuletzt war Glasner nicht nur als Kapitän der Kampfmannschaft, sondern auch als ehrenamtlicher Funktionär in der Nachwuchsakademie tätig gewesen. „Ich will jetzt einmal ganz gesund werden. Diese Zeit will ich mir jetzt nehmen. Mit Stefan Reiter habe ich vereinbart, dass wir uns im Herbst dann einmal zusammensetzen und nachdenken, in welcher Form ich weiter im Verein tätig sein könnte. Ab Jänner würde ich gerne in irgendeiner Funktion für den Verein arbeiten“, sagte Glasner.
„Wir verlieren mit ihm nicht nur einen großen Sportsmann, sondern auch einen wunderbaren Menschen, der im schnelllebigen Profifußballgeschäft immer Größe gezeigt hat. Oliver ist in jeder Hinsicht ein Vorbild“, so Reiter, der sich sicher ist, dass Glasner 2012 beim 100-Jahre-Jubiläum ein heißer Kandidat für die Wahl zum Rieder Kicker des Jahrhunderts sein wird.
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