Konzert der Großen ohne Sturm
Für Sturm Graz hat sich am Mittwoch der Traum vom Einzug in die Gruppenphase der Champions League nicht erfüllt. Österreichs Meister unterlag im Heimspiel BATE Borisow 0:2 (0:1) und schied damit nach dem 1:1 in Minsk im Play-off aus. Die Steirer verpassten damit nicht nur die Chance, als erster ÖFB-Club seit 2005/06 im Konzert der Großen mitzuspielen, sondern auch 7,2 Millionen Euro für die Vereinskassa.
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Die Treffer für den weißrussischen Serienmeister erzielten in der mit 15.100 Zuschauern ausverkauften UPC-Arena Aleksandr Wolodko (36.) und Marko Simic (69.). Während Borisow mit einem Weitschuss und nach einer Standardsituation erfolgreich waren, blieb Sturm zu ineffizient. Das Team von Coach Franco Foda lieferte zwar eine engagierte Leistung ab, konnte aber ohne den verletzten Torjäger Roman Kienast zu wenig Durchschlagskraft entwickeln. Für die Grazer geht die internationale Saison nun in der Gruppenphase der Europa League weiter, für die am Freitag die Auslosung erfolgt.
Bukva statt des verletzten Kienast im Sturm
Größte Aufstellungsfrage vor der Partie war bei Sturm vor allem, wer Kienast im Angriff ersetzen sollte. Foda hatte darauf eine überraschende Antwort parat, denn neben Imre Szabics setzte er als hängende zweite Spitze auf Haris Bukva und gab damit dem jungen Mittelfeldspieler den Vorzug gegenüber den Routiniers Samir Muratovic und Mario Haas. Patrick Wolf spielte auf der rechten Außenbahn, Andreas Hölzl kam über links, ansonsten trat Sturm mit der identen Startelf wie bei der Auswärtspartie in Minsk an.
Hölzl vergibt Führung
Bei tropischen 26 Grad Celsius bei Spielbeginn hätten sich wohl viele Fans die Bewässerungsanlage des Rasens sehnlichst auf der Tribüne gewünscht. Auf die erste heiße Aktion im Spiel mussten sich die Zuschauer bis zur 9. Minute gedulden, doch da wurde es im Borisow-Strafraum so richtig brenzlig. Hölzl eroberte den Ball, zog alleine auf das Tor, scheiterte aber mit einem schwachen Versuch an Aleksandr Gutor. Kurz darauf entschärfte der Goalie einen Schuss (10.).
Auf der Gegenseite konnte sich Sturm-Tormann Christian Gratzei gegen Artjom Kontsewoj (12.) auszeichnen und bewahrte sein Team vor einem frühen Rückstand. Ansonsten entwickelte sich eine ausgeglichene, vor allem von Borisow sehr rustikal geführte Partie, in der sich keine der beiden Mannschaften einen spielerischen Vorteil erarbeiten konnte. Ein leichtes Chancenplus, wenngleich nicht unbedingt gefährlich, hatte allerdings der weißrussische Serienmeister.

GEPA/Christian Walgram
Sturm-Trainer Franco Foda traute seinen Augen nicht
Kalte Dusche nach Weitschuss
Sturm kam indes bis zur 30. Minute kaum nennenswert vor das gegnerische Tor und kassierte prompt die kalte Dusche. Wolodko riskierte aus gut und gern 25 Metern einen Weitschuss, der zwischen Gratzei und der Stange zur Führung der Gäste im Tor einschlug (36.). Wenig später hatten die Grazer Glück, nicht noch höher in Rückstand zu geraten. Nach perfekter Vorarbeit von Kontsewoj konnte Witali Rodjonow wenige Zentimeter vor dem Tor die halbhohe Hereingabe nicht verwerten (37.).
Vor der Pause wurde Szabics, der danach noch mit einem Schuss scheiterte, in aussichtsreicher Position zu Recht wegen Abseits zurückgepfiffen (39.). Ansonsten wirkte der schwedische Schiedsrichter Jonas Eriksson einschließlich seiner Assistenten nicht unbedingt sattelfest und sorgte mit seinen Entscheidungen für Unmut auf den Rängen.
Sturm drängt mit „Joker“ Haas
Nach der Pause brachte Foda für den eher blass gebliebenen Bukva Haas und setzte damit auf die CL-Erfahrung und den Torriecher des Routiniers. Sturm bekam ein spielerisches Übergewicht, die dicken Chancen auf den wichtigen Ausgleich blieben aber vorerst weiter Mangelware. Auf der Gegenseite verlud Pawel Nechajtschik Milan Dudic mit einem Haken, jagte den Schuss aber auf die Tribüne (55.). Für Sturm fiel ein Versuch von Haas (57.) abermals zu leicht aus.
Österreichs Meister mühte sich weiter redlich und lieferte eine couragierte Leistung. Nach einer Stunde versuchte Foda mit dem jungen Kainz statt Wolf weiteren frischen Wind zu bringen. In der 61. Minute brachte Haas eine scharfe Hereingabe zur Mitte, Szabics übernahm von der Strafraumgrenze direkt, fand mit dem zu zentralen Schuss jedoch abermals in Borisow-Goalie Gutor seinen Meister. Danach erwischte Hölzl eine Flanke nur mit dem Scheitel statt mit der Stirn (64.).
Entscheidung nach Standardsituation
Für die Grazer begann in der UPC-Arena die Spieluhr lauter zu ticken, die Zeit verging, ohne dass der zumindest die Verlängerung bringende Ausgleich gelang. Borisow hatte sich zu diesem Zeitpunkt längst auf Konter verlegt. Die Vorentscheidung fiel dann zugunsten der Weißrussen nach einer Standardsituation. Verteidiger Simic kam nach einer Freistoßflanke ungehindert zum Ball und köpfte aus kurzer Distanz unhaltbar für Gratzei zum 2:0 ein (69.).

GEPA/M. Oberlaender
Am Ende jubelte der weißrussische Meister über den Einzug in die CL
Die Millionen, die der Einzug in die Königsklasse gebracht hätte, waren damit so gut wie in der Vereinskassa von Borisow, denn Sturm brauchte nun drei Treffer für den Aufstieg - nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Die Grazer ließen sich zwar nicht gänzlich hängen, die Weißrussen ließen aber auch nicht mehr viel anbrennen und stürmten nach dem Schlusspfiff den Rasen. Für die Grazer blieb indes an diesem Abend nur die Enttäuschung über den geplatzten Traum.
Christian Wagner, ORF.at aus Graz
Champions League, Play-off, Rückspiel
Mittwoch:
Sturm Graz - BATE Borisow 0:2 (0:1)
UPC-Arena, 15.100 Zuschauer, SR Eriksson (SWE)
Tore:
0:1 (36.) A. Wolodko
0:2 (69.) Simic
Sturm Graz: Gratzei - Standfest, Dudic, Burgstaller, Popchadse - Wolf (60./Kainz), Weber, Säumel, Hölzl (74./Muratovic) - Bukva (46./Haas) - Szabics
Borisow: Gutor - Baga, Filipenko, Simic, Jurewitsch - Olechnowitsch, A. Wolodko - Kontsewoj (67./Gordejtschuk), Bressan (59./Rudik), Nechajtschik - Rodjonow (78./Bordatschew)
Gelbe Karten: Standfest, Wolf bzw. A. Wolodko, Simic, Rodjonow, Baga
Die Besten: Szabics, Säumel bzw. A. Wolodko, Olechnowitsch, Simic
Hinspiel: 1:1 - Borisow mit dem Gesamtscore von 3:1 in der Gruppenphase der Champions League
Sturm spielt in der Gruppenphase der Europa League (Auslosung am Freitag/13.00 Uhr).
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