„Sind nur dem Ball nachgelaufen“
Deutschland bildet mit Spanien, den Niederlanden und Brasilien derzeit die absolute Spitze im Weltfußball. Wer daran zweifelte, der wurde am Freitagabend in Gelsenkirchen eines Besseren belehrt. Österreich war für das Team von Joachim Löw beim 2:6 in der EM-Quali zwar kein ebenbürtiger Gegner. Die DFB-Elf spielte aber auch überragend, alleine die Vorstellung des deutschen Mittelfelddreiecks war großartig.
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Der 27-jährige Bastian Schweinsteiger, der bei Löw den „Abräumer“ gibt, sein Bayern-Clubkollege Toni Kroos (21) als Verbindungsmann und der nicht nur wegen seiner zwei Tore überragende Mesut Özil (22) von Real Madrid zerlegten die rot-weiß-rote Defensive in ihre Einzelteile. „Wir sind nur dem Ball nachgelaufen“, beschrieb David Alaba die ersten 30 Minuten mit drei Treffern der entfesselten Deutschen. „Da waren wir nicht auf dem Platz“, gab sich der Bayern-Legionär selbstkritisch. „Es war nicht unser Tag, wir hatten es gegen die Drei aber auch nicht leicht.“

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Die Österreicher hatten fast immer das Nachsehen
Auf verlorenem Posten
Alaba und Julian Baumgartlinger waren als Doppel-„Sechser“ zur Absicherung des defensiven Mittelfelds vorgesehen gewesen, fanden gegen die Angriffswucht der Gastgeber aber kein Mittel. Da dem magischen DFB-Dreigestirn damit unglaublich große Räume zur Verfügung standen, war die ÖFB-Viererkette den schnellen Angriffen mehr oder weniger hilflos ausgeliefert. Die Innenverteidiger Emanuel Pogatetz und Franz Schiemer (ÖFB-Comeback nach einem halben Jahr Verletzungspause) standen genauso auf verlorenem Posten wie Christian Fuchs und Florian Klein auf den Außenpositionen.
Vor allem Schalke-Profi Fuchs wurde vom zu offensiv orientierten Neo-Hannoveraner Daniel Royer auf der linken Seite aber oft im Stich gelassen. „Die Deutschen haben die Räume eiskalt ausgenutzt“, brachte es Stuttgart-Stürmer Martin Harnik, Schütze des zweiten ÖFB-Tors, auf den Punkt. „Wir haben weiter nach vorne gespielt, und dann sind diese Räume immer größer geworden. Wir waren auf jeder Position unterlegen, die Deutschen hatten immer die perfekte Antwort. Auch Brasilien hat erfahren, was passiert, wenn man ihnen zu viel Platz lässt.“ Seine Kollegen konnten Harnik da nur beipflichten.
Lahm tröstet Österreich
„Es ist schwierig, nach diesem Spiel Positives zu finden“, sagte Fuchs. „Besonders die ersten 30 Minuten haben wir verschlafen. Den zentralen Drei im deutschen Mittelfeld haben wir zu viel Platz gegeben. Wir haben nicht so gespielt, wie wir das können.“ Ganz im Gegensatz zu den Deutschen, die nach dem 3:2 im Test gegen die „Selecao“ vor Selbstvertrauen strotzten. „Wir sind im Moment einfach sehr gut drauf“, spendete Lahm dem ÖFB-Team ein wenig Trost. „Dass wir große spielerische Qualität haben, konnten wir gegen Brasilien zeigen. In der Offensive haben wir viele Optionen und wir haben den besseren Kader.“

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Anders als die Deutschen war das ÖFB-Team nicht „gut drauf“
Beeindruckend, wie Löw in der zweiten Hälfte ein Ass nach dem anderen aus dem Ärmel schüttelte. Andre Schürrle kam und traf ebenso wie BVB-Senkrechtstarter Mario Götze, dessen Reservistenrolle die unglaubliche Dichte im deutschen Kader eindrucksvoll belegt. „Deutschland ist eine Topmannschaft“, musste auch Marko Arnautovic eingestehen. Der Werder-Stürmer gab mit einem Kopfballtor und der starken Vorlage zum Harnik-Treffer ein bemerkenswertes Debüt. Unnötige „Fersler“, Leerläufe und Schwächen in der Rückwärtsbewegung waren bei Arnautovic aber auch zu sehen.
Arnautovic ohne Schuldzuweisungen
„Wir haben verloren“, erkannte der 21-Jährige nach Schlusspfiff treffend. „Warum und wie, das müssen wir untereinander klären. Fakt ist, dass wir verloren haben.“ Von Schuldzuweisungen nach dem Tag der offenen Tür nahm Arnautovic jedenfalls Abstand. „Ich sage nicht, dass Abwehr oder Mittelfeld schuld sind. Wir sind alle schuld, weil sechs Tore sind schon sehr bitter.“ Auch die Tatsache, dass die Österreicher über 90 Minuten niemals in die Zweikämpfe kamen, stieß ihm sauer auf. „Dass wir keine einzige Gelbe Karte bekommen haben, ist sehr schlimm“, so Arnautovic. „Wir hätten viel mehr in die Zweikämpfe gehen müssen.“
Nach seiner Ausbootung nach dem EM-Qualispiel in Istanbul vor vier Monaten sei er wieder gut im Team aufgenommen worden. „Wir haben alles geklärt und sind jetzt alle wieder gute Freunde“, sagte Arnautovic. Zum Wiedersehen mit Neo-Salzburg-Stürmer Stefan Maierhofer, mit dem er nach der Niederlage gegen die Türken in der Kabine „diskutiert“ hatte, kam es diesmal aber noch nicht. Über solche Sorgen, auch die ständigen Teamchef-Diskussionen in Österreich, können die deutschen Spieler angesichts ihres steilen Aufwärtstrends nur schmunzeln.
Deutsche niemals nervös
„Die Österreicher hatte drei Chancen und machte zwei Tore – das ist eigentlich nicht schlecht“, drehte Schweinsteiger das Messer in der Brust noch einmal um. „Wir waren nie nervös, auch nicht nach dem 2:4. Wir hatten das Spiel im Griff. Nach dem zweiten Gegentor hätten wir den Ball auch 30 Minuten laufen lassen können, ohne dass der Gegner den Ball berührt hätte“, analysierte der mittlerweile schon 89-fache Internationale. „Aber das wollten wir gar nicht, sondern nach vorne spielen“, fügte Schweinsteiger hinzu, ehe er dem bis über beide Ohren grinsenden Lukas Podolski vergnügt in den Mannschaftsbus folgte.
Harald Hofstetter, ORF.at
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