„Hätte mich gerne mehr eingebracht“
Wie schon vor sechs Jahren ist ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner als Interimstrainer der Nationalmannschaft eingesprungen. In Aserbaidschan und Kasachstan will er nach dem Abgang von Dietmar Constantini für einen versöhnlichen Abschluss der enttäuschenden EM-Qualifikation sorgen. Was seine Zukunft im Verband betrifft, strebt Ruttensteiner nach mehr Einfluss auf das A-Team.
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„Uns erwartet ein Fight mit hoher Einsatzbereitschaft der Gegner. Wenn da der nötige Respekt nicht da ist, werden wir eine böse Überraschung erleben“, warnte der 48-Jährige zum Start des Teamlehrgangs am Montag in Bad Tatzmannsdorf. „Ich habe mir die Schwerpunkte der Vorbereitung herausgearbeitet, die ich der Mannschaft vermitteln will, die aber nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind“, so Ruttensteiner, der 2005 in der WM-Qualifikation als Interimsteamchef in England 0:1 verlor und anschließend gegen Nordirland 2:0 gewann.
Undankbare Aufgabe
„Viel Zeit haben wir nicht, aber bei Nationalspielern geht man davon aus, dass sie Dinge in kürzester Zeit verstehen und umsetzen können“, kündigte der in der heimischen Fußballszene nicht unumstrittene Fachmann an. „Im heutigen Fußball ist oft das 4-4-2 die Basis. Man kann aber nicht mehr sagen, dass man dieses System in Offensive und Defensive spielt. Es ist komplexer geworden“, beschrieb Ruttensteiner im Gespräch mit der APA sein geplantes System. „Ich will den Spielern eine genaue Vorstellung über die Ordnung in der Defensive und über die Offensivaufstellung geben.“

GEPA/Helmut Fohringer
2005 verloren Ruttensteiner und Herzog in England nur knapp
Im Vergleich zu seiner interimistischen Tätigkeit vor sechs Jahren habe sich wenig geändert. „Auch damals war die Trainingskonzeption und Taktik in meinem Bereich. Andreas Herzog hat mich auf dem Platz und in der Öffentlichkeitsarbeit entlastet und Druck von mir genommen. Jetzt ist es mit Manfred Zsak und Franz Wohlfahrt eine ähnliche Situation“, erklärte Ruttensteiner, der seine Aufgabe als undankbar bezeichnet. „In Aserbaidschan und Kasachstan zu gewinnen und den vierten Platz zu halten, ist normal. Aber wenn man dort verliert, ist man der Blamierte.“
Klarer Wunsch nach mehr Kompetenzen
Dass es für ihn auch eine persönliche Chance ist, damit habe er sich laut eigener Aussage nicht beschäftigt. „Für mich ist der Reiz, mir selbst etwas zu zeigen und nicht der Öffentlichkeit. Mein Anspruchsniveau ist es, dass ich als Sportdirektor in einer Notsituation des ÖFB die fachliche Qualität besitze, die Nationalmannschaft zu führen. Und das habe ich in den zwei Spielen vor sechs Jahren schon bewiesen“, betonte Ruttensteiner. Auch die Verantwortung für das Scheitern in der EM-Quali will der langjährige Sportdirektor keinesfalls nur auf Constantini abwälzen, für die Zukunft wünscht er sich aber mehr Einfluss.
„Ich hätte mich oft gern bei der Nationalmannschaft mehr eingebracht, das war aber nicht möglich“, so Ruttensteiner gegenüber der APA. Und in einem Interview mit dem „Standard“ (Sonntag-Ausgabe) legte er nach: „Warum das beim ÖFB nicht möglich ist, da muss man Präsident Windtner fragen. Oft kritisieren mich Leute, wieso ich zum Team nichts sage. Ich darf nicht. Ich würde gerne mehr Fragen beantworten, die Kompetenz gehört ausgebaut.“ In die Arbeit in der Kabine oder in die Aufstellung habe sich der Sportdirektor nicht einzumischen. Doch die Planung, die Linie solle er vorgeben.
„Durchgängigkeit“ in alle Richtungen
„Mit einer besseren Struktur könnte die Zusammenarbeit effektiver sein“, fordert Ruttensteiner im gemeinsamen Tun mit dem noch zu bestimmenden Constantini-Nachfolger mehr Einfluss. Was die Spielphilosophie in den Nationalteams betrifft, müsse es eine „Durchgängigkeit von unten nach oben und von oben nach unten“ geben. „Ich glaube, dass es nicht richtig ist, wenn ein A-Teamchef dann etwas anderes als im Nachwuchsbereich macht“, stellte er klar. Die Grundprinzipien will Ruttensteiner aber nicht alleine festlegen. „Da genügt eine Person nicht. Das müsste über die ÖFB-Führung gehen.“
In seinem Vorgehen der letzten Wochen, Andreas Ivanschitz und Konditionstrainer Roger Spry zurückzuholen bzw. mit Martin Stranzl und Györgyi Garics wieder Kontakt aufzunehmen, sieht Ruttensteiner jedenfalls keinen Bruch zur Ära Constantini. „Er hat junge Spieler herangeführt und geholfen, dass sie über das Nationalteam ins Ausland gekommen sind. Er hat viel aufgebaut, aber es waren eben keine Ergebnisse da“, meinte der Sportdirektor über den Ex-Teamchef. „Meine Aufgabe ist es auch, die Situation für den neuen Teamchef aufzubereiten und mit allen Spielern Kontakt aufzunehmen.“
Resüme erst 2016
Warum es diese verstärkte Kommunikation nicht schon vor Monaten gab? „Die Spieler der Nationalmannschaft fallen in die Kompetenz des Teamchefs. Wenn mir ein Teamchef sagt, ich soll mit einem Spieler ein Gespräch führen, sitze ich schon im Flugzeug. Ohne Auftrag des Teamchefs aktiv zu werden, war für mich nicht möglich“, deutet Ruttensteiner wieder den Wunsch nach mehr Kompetenz und Macht an. Und wenn seine Arbeit als Sportdirektor einmal abgeschlossen ist, würde ihn auch eine längerfristige Trainertätigkeit reizen. „Alles, was ich mir angeeignet habe, möchte ich dann im Profibereich umsetzen.“
Beim ÖFB sieht Ruttensteiner bisher die Zwischenziele in allen Bereichen erreicht. „Aber eine U21-EM-Teilnahme und eine sportliche Qualifikation für ein Turnier mit dem A-Team fehlt“, muss er eingestehen. „Wenn das erreicht ist, könnte ich sagen, meine Arbeit ist bis zu einem gewissen Grad beendet. Dann kann man sich neu orientieren, die Herausforderung suchen, einen Club zu betreuen oder eine Nationalmannschaft. 2016, wenn eine EM mit 24 Mannschaften gespielt wird, ist sicher ein Punkt, an dem man resümieren kann.“
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