Neuer Teamchef bringt neue Gesichter
Selbstbewusst, eloquent und gründlich vorbereitet hat Marcel Koller am Mittwoch seinen ersten Kader als Teamchef der österreichischen Nationalmannschaft bekanntgegeben. Neben den 23 Spielern für den Test gegen EM-Gastgeber Ukraine am 15. November in Lwiw (Lemberg) präsentierte der Schweizer auch seinen Stab mit den Assistenten Fritz Schmid und Thomas Janeschitz sowie Tormanntrainer Otto Konrad.
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Obwohl Koller sein Amt offiziell erst am Dienstag antrat, arbeitet der Nachfolger von Dietmar Constantini schon seit vier Wochen intensiv am Grundgerüst seiner ÖFB-Ära. „Nach einem Monat, in dem ich sehr viel unterwegs war und viele Gespräche geführt habe, war klar, dass ich neue Gesichter und neue Impulse brauche“, begründete der neue Headcoach die Ablöse des bisherigen Assistenten Manfred Zsak sowie des Tormanntrainers Franz Wohlfahrt.

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Fritz Schmid wird der engste Mitarbeiter von Marcel Koller
Weggefährte agiert von Zürich aus
Den 52-jährigen Schmid stellte er als kompetenten Fußballfachmann vor, den er seit mehr als 30 Jahren kennt. „Es war von Anfang an mein Wunsch, ihn mitzubringen“, betonte Koller, dessen neuer Kotrainer seit 1986 u. a. bei den Grasshoppers Zürich, Tottenham Hotspur, FC Aarau, FC Zürich und FC Basel „in der zweiten Reihe“ tätig war. Schmid wird nicht in Wien wohnen, sondern von Zürich aus zu Beobachtungen der ÖFB-Legionäre und Teamzusammenkünften anreisen.
„Er hatte großes Interesse und ist begeistert von der Aufgabe, den österreichischen Fußball voranzubringen“, so Koller über seinen rechten Arm bei Kadersichtungen, im Training und in der Coachingzone. Der 45-jährige Janeschitz wird laut Koller für den österreichischen Raum, also für die in der heimischen Bundesliga tätigen Teamkandidaten, zuständig sein. „Er wird nicht immer auf dem Platz stehen, aber auch viel unterwegs sein. Er soll unsere Gegner studieren und entsprechend meiner Spielphilosophie analysieren, um mir dann Topinformationen zu liefern“, skizzierte Koller das Tätigkeitsfeld des bisherigen U18-Trainers.
Koller fordert offensives Auftreten
Der erste Auftrag wird Janeschitz wenig überraschend in die Ukraine führen, wo der kommende ÖFB-Gegner vier Tage davor einen Test gegen Deutschland absolviert. Der neue ÖFB-Tormanntrainer Konrad hatte es Koller in einem persönlichen Gespräch vor allem mit „seiner offenen und direkten Art“ angetan. Der ehemalige Salzburg- und Teamgoalie verkörpere die Art von Mensch, mit der Koller gerne zusammenarbeitet. „Ich erwarte, dass man auf mich zugeht, Ideen einbringt, fordernd und nicht abwartend auftritt“, so der Neo-Teamchef.
Überdies habe der mittlerweile 47-jährige Konrad jahrelang „auf Toplevel“ gespielt und brächte somit alle Voraussetzungen für den Job mit. Konrads Vorgänger Wohlfahrt wurde ebenso wie Zsak angeboten, weiter für den ÖFB zu arbeiten. Zsak soll Janeschitz als U18-Teamchef nachfolgen und künftig verstärkt in das Talenteprogramm „Projekt 12“ eingebunden werden. Wohlfahrt soll Leiter der Tormanntrainerausbildung bleiben und außerdem Torhütertrainer im U21-Team unter Andreas Herzog werden. Bisher übte der nun beförderte Konrad diesen Job aus.
Neue Leute braucht das Land
„Ich kann ihre bisherigen Leistungen im Nationalteam nicht beurteilen, und es interessiert mich auch gar nicht“, stellte Koller auf Nachfrage zu den Gründen der Personalrochaden mit den beiden Ex-Internationalen klar. „Ich wollte neue Leute haben, das war der Punkt.“ Auch der von 1988 bis 2004 und dann wieder seit 2006 als Teamarzt tätige Ernst Schopp spielt in Kollers Plänen keine Rolle mehr. Seine Aufgabe übernimmt Richard Eggenhofer, der 2007 mit dem U20-Team bei der mit Platz vier sehr erfolgreichen WM-Endrunde 2007 in Kanada dabei war.
Sportwissenschaftler Gerhard Zallinger ist im A-Team ebenfalls neu an Bord. Ab dem kommenden Jahr, also noch nicht gegen die Ukraine, wird Koller im Gegensatz zu Vorgänger Constantini außerdem auf die Dienste eines Sportpsychologen und damit eines Mentalbetreuers vertrauen. Der schon bei der Heim-EM 2008 unter Josef Hickersberger tätige Konditionstrainer Roger Spry wird wieder zum Stab gehören. „Er ist ein Topmann, und die Spieler schwören auf ihn“, erklärte Koller.
„Ich bin kein Wunderwuzzi“
Generell formulierte der neue Teamchef neben sportlichem Erfolg als eines seiner vorrangigen Ziele, im ÖFB Strukturen mitaufzubauen, die auch nach ihm weiterwirken können. „Ich bin kein Wunderwuzzi“, sagte Koller. „Aber ich kann versprechen, dass mein Team alles tun wird, um erfolgreich zu sein. Niemand soll denken, er sei wichtiger als der andere. Wir werden als Einheit auftreten und daran arbeiten, die Spieler gemeinsam stärker zu machen.“
Dass er sich von Sportdirektor Willi Ruttensteiner bei der Kaderzusammenstellung oder Aufstellung beeinflussen lassen könnte, wies Koller aber ein für allemal zurück. „Das würde ich nie zulassen“, stellte der Eidgenosse klar. „Ich habe meine Ideen, und die will ich mit der Mannschaft umsetzen“, so Koller.

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Marcel Koller und Willi Ruttensteiner wollen einander nicht ins Gehege kommen
Vorfreude auf die Spieler
Was die Betreuer betrifft, blieb unter dem „Neuen“ also kein Stein auf dem anderen. Ganz im Gegensatz dazu bot der Kader für das Ukraine-Spiel, der am 8. November zusammengezogen wird, nur wenige Überraschungen. Mit Austria-Keeper Heinz Lindner und seinem Clubkollegen Florian Mader stehen zwei Neulinge im Aufgebot. Verletzungsbedingt fehlen Ekrem Dag, Paul Scharner und Jürgen Macho.
Außerdem kehren Erwin Hoffer (Eintracht Frankfurt) und Christopher Drazan (Rapid) ins 23-köpfige ÖFB-Team zurück. Wie schon gegen Aserbaidschan und Kasachstan wurde auch der unter Constantini aussortierte Ex-Kapitän Andreas Ivanschitz wieder berücksichtigt. „Ich habe viele Spiele gesehen, aber es war in der kurzen Zeit natürlich nicht einfach“, kommentierte Koller seinen ersten Kader. „Ich freue mich darauf, die Spieler kennenzulernen, und brenne auf die Arbeit auf dem Platz. Da bewege ich mich am liebsten.“
Harald Hofstetter, ORF.at
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