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Hämmern bis zum Anpfiff

Wer am Montag das Abschlusstraining der ukrainischen und österreichischen Nationalmannschaft in der EM-Arena von Lwiw (Lemberg) beobachtet hat, kann sich kaum vorstellen, dass hier 24 Stunden später ein Länderspiel geordnet über die Bühne gehen soll. Das Stadiongelände gleicht - wie auch die gesamte Stadt - einer einzigen Baustelle. Und bis zum EM-Start sind es nur noch sechseinhalb Monate.

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Seit Jahren gilt die Arena Lwiw, wie sie bis zur Festlegung eines endgültigen Namens heißen soll, als Sorgenkind des Mitveranstalters der Euro 2012. Dass in der Ukraine die Kritik an der Ausrichtung und vor allem an den Kosten des Großereignisses immer lauter wird, liegt nicht zuletzt am mittlerweile über 200 Millionen Euro teuren Bauwerk am Stadtrand von Lemberg. Schon bei der offiziellen Eröffnung mit einem Popkonzert der US-Sängerin Anastacia am 28. Oktober sollen die Zustände chaotisch gewesen sein.

Arbeiter im Stadion von Lwiw (Ukraine)

GEPA/Christian Ort

Während die Teams trainierten, ging es abseits des Spielfeldes zur Sache

Am Dienstagabend (20.00 Uhr MEZ, live in ORF eins), wenn die Ukraine und Österreich zum ersten Fußballspiel in der auf Basis eines Entwurfs des österreichischen Architektenbüros Albert Wimmer errichteten Arena aufeinandertreffen, wird es wohl nicht besser werden. Hunderte arbeiten fieberhaft an der Verlegung von elektrischen Leitungen sowie Pflastersteinen, an der Installation von sanitären Einrichtungen und von sämtlichen Geräten im Bereich der Medientribüne.

Der Preis für jahrelange Verzögerungen

Österreichs Neo-Teamchef Marcel Koller brauchte beim letzten Training vor seinem Debüt ein lautes Stimmorgan, um das Hämmern, Sägen und Bohren zu übertönen. Am architektonischen, rot-weiß-roten Beitrag zur Arena, die stark an das Wörthersee Stadion in Klagenfurt erinnert, liegt der Verzug aber ebenso wenig wie am Zustand des Spielfeldes, das von der niederösterreichischen Firma Richter Rasen verlegt wurde. Nach der EM-Vergabe im November 2005 war vielmehr jahrelang unklar, welches Bauunternehmen den Auftrag bekommen sollte.

Nachdem der deutsche Konzern Hochtief aus dem Rennen war und sich die österreichische Alpine wegen Kostendiskrepanzen mit der Stadt Lwiw zurückgezogen hatte, sprang schließlich Anfang 2009 eine ukrainische Firma ein. Viel zu spät wurde also mit den umfangreichen Arbeiten begonnen. Und deshalb liegen ein knappes halbes Jahr vor der gemeinsam mit Polen veranstalteten Heim-EM der Ukraine und am Abend vor dem Eröffnungsspiel noch unzählige Kabel, Ziegel- und Pflastersteine sowie Bauschutt herum.

Arbeiter im Stadion von Lwiw (Ukraine)

GEPA/Christian Ort

An allen Ecken und Enden gibt es in der Arena Lwiw noch einiges zu tun

Veranschlagt waren ursprünglich nicht einmal 100 Millionen Euro Baukosten, ihre Verdoppelung kommt zur Verspätung der Fertigstellung noch dazu. Rund um die Uhr wird nun seit Monaten gearbeitet, und auch in der Nacht vor dem Gastspiel der Österreicher wird es keine Pause geben. Wie viele der 35.000 Plätze in der Arena Lwiw am Dienstag besetzt sein werden, war aber ebenfalls nicht abzuschätzen. Wer pünktlich sein will, sollte jedenfalls früh anreisen - denn das Baustellenchaos in Lemberg bringt lange Verzögerungen mit sich.

Auch Flughafen noch lange nicht fertig

Die westlich orientierte und im 19. Jahrhundert stark von der österreichischen Monarchie geprägte 750.000-Einwohner-Stadt ist mehr oder weniger komplett „aufgerissen“. Straßen, Gehsteige, Straßenbahngleise, zahlreiche Gebäude und Hotels werden überall und vor allem gleichzeitig saniert bzw. neu errichtet. Auch der Flughafen wird ausgebaut, ab seiner Neueröffnung im Dezember beträgt die Länge der Landebahn 2.500 statt aktuell nur 1.600 Meter. Ab 2012 sollen die vier ukrainischen EM-Austragungsstädte Lwiw, Kiew, Charkiw und Donezk durch einen Hochgeschwindigkeitszug miteinander verbunden sein.

Der ungarische Zweipropellerflieger für die 30 österreichischen Medienvertreter setzte am Montagnachmittag noch sicher auf der alten Landebahn auf. Um sich im ebenso kleinen wie veralteten Flughafengebäude vorzustellen, dass dort im kommenden Juni Tausende Fans und Touristen abgefertigt werden, benötigte man aber einiges an Fantasie. Spät aber doch wurde in Lwiw vor zwei Jahren das gigantische Projekt Euro 2012 in Angriff genommen. Ob es sich über die eiskalten Wintermonate auch wirklich ausgeht, steht in den Sternen.

Harald Hofstetter, ORF.at aus Lwiw

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