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Weniger Fights, mehr Verletzungen

Nicht spektakuläre Spiele und Tore, sondern Verletzungen und lange Sperren sind derzeit Gesprächsthema Nummer eins in der National Hockey League (NHL). Die wachsende Anzahl von Gehirnerschütterungen hält die Liga in Bann. Mit harten Strafen versucht man, der Misere Herr zu werden. Der General-Manager der Toronto Maple Leafs, Brian Burke, fordert hingegen mehr Selbstjustiz auf dem Eis.

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Erst vor kurzem sprach Brandon Shanahan, Disziplinarbeauftragter der Liga, nach Checks mit Verletzungsfolge Sperren gegen mehrere Spieler aus. So fasste Daniel Carcillo von den Chicago Blackhawks nach einer harten Attacke sieben Spiele Sperre aus, Rene Bourque von den Calgary Flames und Brad Marchand von Meister Boston Bruins müssen fünf Spiele ohne Gehalt zusehen. Mit den verletzungsbedingten Ausfällen ließe sich derzeit problemlos ein All-Star-Kader füllen.

General-Manager der Toronto Maple Leafs, Brian Burke

Reuters/Mark Blinch

Burke ärgert sich über die vielen schmutzigen Fouls auf dem Eis

Anzahl der Fights gesunken

Während die Anzahl der Sperren in dieser Saison nach oben schnellte, ging hingegen die Zahl der Boxkämpfe auf dem Eis zurück. Wurden im Vorjahr zum gleichen Zeitpunkt noch 1,2 Strafen für einen Fight ausgesprochen, sind es derzeit im Schnitt nur 0,8 Fünfminutenstrafen pro Spiel. Sprich: Nicht einmal in jeder Partie dürfen sich die Fans über einen Faustkampf freuen. Der von Komiker Rodney Dangerfield geprägte Spruch „Ich ging zu einem Kampf, und ein Eishockey-Spiel fand statt“ hat nur noch bedingt Gültigkeit.

Und genau dort liegt für Toronto-Manager Burke der Hund begraben. „Ein Spiel, in dem man schmutzige Fouls machen kann, dafür aber keine Konsequenzen befürchten muss, ist keine gesunde Entwicklung“, sagte der 56-Jährige in einem Interview mit ESPN. „Manche Spieler rammen anderen den Ellbogen ins Gesicht, laufen aber vor einem Kampf davon. Früher mussten sie sich für ihre Aktionen auf dem Eis verantworten.“

Für Burke ist die fehlende Selbstjustiz ein Grund, warum die Liste der Verletzten heuer so prominent besetzt ist wie schon lange nicht mehr. Penguins-Star Sidney Crosby, Carolinas Rookie des Jahres 2011 Jeff Skinner und Philadelphias Verteidiger-Routinier Chris Pronger sind nur einige Superstars, die nach Gehirnerschütterungen derzeit auf Eis liegen. „Früher waren die Spieler selbst die Polizei“, wird Burke deutlich.

„Enforcer“ nicht mehr gefragt

Der klassische Kämpfer ist in der NHL aber nicht mehr gefragt. Zuletzt musste Burke selbst Colton Orr, einen „Enforcer“ alter Schule, in das Farmteam der Maple Leafs schicken, da der Spielstil des 29-Jährigen nicht mehr den Anforderungen entspricht. Im Sommer warf der tragische Tod der Spieler Derek Boogard, Rick Rypien und Wade Belak einen Schatten auf die Roller der Raubeine in der NHL.

Philadelphia Flyers' Danny Briere und Ottawa Senators' Kyle Turris kämpfend

Reuters/Tim Shaffer

Spektakuläre Fights gibt es in der National Hockey League immer weniger

Bei Boogard wurde bei der Obduktion eine krankhafte Veränderung des Gehirns, die laut den Ärzten auf die kontinuierliche Gewalteinwirkung bei Faustkämpfen zurückzuführen war, festgestellt. Trotz der Gefahren für die „Enforcer“ glaubt zumindest Burke, dass die harten Burschen der Liga fehlen und die Superstars dadurch nicht mehr so geschützt sind wie früher. „Wenn die Spieler nicht auf sich selbst schauen, werden die Ratten das Spiel übernehmen“, so Burke.

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