Steiler Aufstieg nach zähem Kampf
Tausende Runden hat Roland Königshofer während seiner langen und erfolgreichen Karriere als Bahnradfahrer heruntergespult. Am Samstagabend wird der 49-jährige Ex-Weltmeister vor Aufregung „rotieren“, wenn Sohn Lukas im Ernst-Happel-Stadion sein erstes Wiener Derby als Rapid-Torhüter bestreitet. Der 22-Jährige geht aus mehreren Gründen mit breiter Brust in das brisante Duell mit der Austria.
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„Er hat seine Chance genutzt“, brachte es Trainer Peter Schöttel am Donnerstag bei der Derby-Pressekonferenz in Hütteldorf auf den Punkt. Unmittelbar davor hatte er die vorzeitige Vertragsverlängerung mit Königshofer um zwei Jahre bis Sommer 2014 bekanntgegeben. „Wir sind mit seiner Entwicklung sehr zufrieden“, sagte Schöttel. Auch mit der bisherigen Bilanz des jungen Einsergoalies kann der Rapid-Coach mehr als zufrieden sein.
„Bin ungeschlagen, und das wird so bleiben“
Seit Königshofer am 26. November in Mattersburg sein Debüt gab und Rapid mit einer Glanzleistung zum 2:1-Erfolg verhalf, ging keines der fünf Bundesliga-Spiele verloren. Dreimal spielte Königshofer zu null, zweimal gewannen die Grün-Weißen mit 2:1. „Ich bin mit Rapid ungeschlagen. Und das wird auch so bleiben“, kündigte der Wiener selbstbewusst an. „Das erste Derby gleich im großen Stadion wird eine Riesensache für mich“, schwelgt Königshofer schon in Vorfreude. „Wir müssen aber sicher alles geben, um die Austria zu schlagen.“

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Lukas Königshofer dirigierte die Rapid-Abwehr bisher mit Erfolg
Zehn Runden ist Rapid in der Liga schon ungeschlagen, was für den innerhalb weniger Monate von der Nummer drei zum Stammtormann aufgestiegenen Youngster einen einleuchtenden Grund hat: „Wir stehen hinten super, und darauf wird es auch im Derby ankommen. Wir müssen schauen, dass wir ein Tor zusammenbringen, dann schaukeln wir das Ding schon.“ Aufgeregt oder nervös sei er grundsätzlich nicht, „aber natürlich sind das die wichtigsten Spiele des Jahres“.
Langer Atem zahlte sich aus
Schöne Derby-Erinnerungen hat Königshofer auch als Rapid-Fan auf der Tribüne. Das Skandalspiel im Mai 2005 mit dem Kung-Fu-Tritt von Austria-Keeper Joey Didulica gegen Rapid-Stürmer Axel Lawaree blieb in besonderer Erinnerung. Dementsprechend stolz ist Königshofer jetzt, dass ihm sein Herzensclub weiter das Vertrauen schenkt. „Ich fühle mich bei Rapid pudelwohl, und es war eine leichte Entscheidung, das Vertragsangebot anzunehmen. Das ist eine Riesenehre“, sagte er.
„Ich bin froh, dass ich durchgehalten habe. Es hat zwar länger gedauert, und es war schon ‚zach‘, aber ich habe nie an mir und meinem Können gezweifelt“, berichtete Königshofer von den drei Jahren als Amateure- und Ersatztormann, seit er 2009 als 19-Jähriger von Austria Kärnten zu Rapid gekommen war. In dieser Zeit habe er mit Ex-Teamtorhüter Helge Payer, den er nun als Nummer eins ablöste, immer ein korrektes Verhältnis gehabt. „Und das ist nach wie vor so“, sagt Königshofer. „Wir pushen uns gegenseitig, aber spielen will natürlich jeder selbst.“
„Österreich hat genug gute Torhüter“
Die Torhütersituation in Österreich generell beurteilt die Rapid-Zukunftsaktie übrigens weitaus optimistischer als viele Experten. „Ich finde nicht, dass Österreich bei der Nationalmannschaft ein Tormannproblem hat. Das wird übertrieben“, behauptet Königshofer. „Wichtig ist, dass man längerfristig die Chance und das nötige Vertrauen bekommt. Wir haben jedenfalls genug gute Torhüter.“ Spielt Königshofer auch im Frühjahr weiter so stabil, wird ihm Teamchef Marcel Koller diese Chance wohl bald geben.

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Peter Schöttel setzte mit der Vertragsverlängerung ein klares Zeichen
Bei Rapid stellt sich die Lage nun so dar, dass der Slowake Jan Novota (bis 2013) und Königshofer über den Sommer hinauslaufende Verträge haben. Bei Helge Payer dagegen stehen die Zeichen auf Abschied, obwohl das Schöttel natürlich noch nicht artikuliert. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass auch Helge bei Rapid bleibt“, sagte der Rapid-Trainer zu dieser heiklen Personalie. „Er ist gut drauf und übt mit guten Trainingsleistungen Druck auf seine zwei Kollegen aus.“
Druck auf Rapid üben indes die „Ultras“ aus. Nach dem Platzsturm einiger Rapid-Fans am 22. Mai 2011 im Hanappi-Stadion und dem vom Club beschlossenen Derby-Umzug ins Happel-Stadion protestieren die „Ultras“ am Samstag mit einem Stimmungsboykott. „Natürlich kriegen das auch wir Spieler mit. Es ist schade, dass uns ein Teil der Fans nicht unterstützen wird“, bedauert Königshofer den Streit. „Aber ich hoffe, dass die anderen umso mehr Gas geben werden.“ Bis Donnerstag waren 24.000 Karten verkauft, Rapid rechnet mit 28.000 Zuschauern.
Harald Hofstetter, ORF.at
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