3:1 mit Anlaufschwierigkeiten
Die österreichische Nationalmannschaft hat im zweiten Spiel unter Teamchef Marcel Koller den ersten Sieg errungen. Vor nur 10.200 Zuschauern im Klagenfurter Wörthersee-Stadion kam die ÖFB-Auswahl am Mittwochabend zu einem 3:1-Erfolg über Finnland. Marc Janko (32.), Martin Harnik (54.) und Andreas Ivanschitz (73./Elfmeter) avancierten in einem schwachen Spiel zu den Matchwinnern der Österreicher.
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Nach dem 1:2 gegen EM-Gastgeber Ukraine im November in Lwiw bot das ÖFB-Team gegen die extrem destruktiv agierenden Skandinavier zwar eine über weite Strecken enttäuschende Leistung. Aufgrund der größeren Spielanteile und der individuell besseren Akteure kann der erste Erfolg in der Ära Koller aber keinesfalls als unverdient bezeichnet werden. Im achten und bis auf weiteres letzten Länderspiel in Klagenfurt war es erst der zweite Sieg für Österreich.
Nur eine Überraschung in ÖFB-Startelf
Koller hatte sein Team wie schon in der Ukraine in 4-2-3-1-Formation antreten lassen. In der verletzungsbedingt komplett veränderten Abwehr-Viererreihe wartete der Schweizer aber mit einer Überraschung auf. Neben Aleksandar Dragovic (Basel) spielte in der Innenverteidigung der für Emanuel Pogatetz nachnominierte Franz Schiemer (Salzburg), einer von nur zwei Nichtlegionären in der österreichischen Startelf. Manuel Ortlechner musste ebenso auf der Bank Platz nehmen wie Austria-Abwehrkollege Georg Margreitter.
In der Offensive begannen die Gastgeber wie erwartet mit Solospitze Janko (Porto) vor dem in der deutschen Bundesliga gestählten Trio Harnik (Stuttgart), Marko Arnautovic (Bremen) und Ivanschitz (Mainz). Bayern-Jungstar David Alaba, der vor dem Anpfiff als Österreichs Fußballer des Jahres geehrt worden war, sollte gemeinsam mit Julian Baumgartlinger (Mainz) den defensiveren Mittelfeldpart erfüllen. Viel Kopfzerbrechen bereitete ihnen die Elf des finnischen Teamchefs Mixu Paatelainen dabei zunächst aber nicht.
Lähmender Beginn ohne Stimmung
Die Stimmung in der ehemaligen EM-Arena am Wörthersee war in der Anfangsphase des Spiels ebenso ausbaufähig wie die offensiven Bemühungen beider Mannschaften. Die Finnen ließen die Österreicher kommen, attackierten erst in der eigenen Hälfte und beschränkten sich von Beginn an auf gelegentliche Konter. Das ÖFB-Team wiederum tat sich traditionell schwer, gegen einen so passiven Kontrahenten das Spiel zu machen.
Goalie Robert Almer (Düsseldorf) hatte in der zehnten Minute nach einem harmlosen Schuss von Alexander Ring den ersten Ballkonakt. Als Arnautovic (18.) einen Freistoß aus 30 Metern Entfernung weit über das finnische Tor jagte, wurde die lähmende Stille auf den Rängen bereits von den ersten Pfiffen durchbrochen. Von der trostlosen Atmosphäre angesteckt, produzierten die Österreicher unzählige Fehlpässe, verrannten sich in Einzelaktionen und verstellten einander des Öfteren die Laufwege.

GEPA/Markus Oberlaender
Marc Janko nahm das Geschenk des finnischen Goalies dankend an
Glückliche Führung
Es bedurfte einer kuriosen Einlage des finnischen Keepers Lukas Hradecky, um das blanke Entsetzen in vielen Gesichtern zumindest vorübergehend zu lösen. Der Schlussmann des dänischen Clubs Esbjerg FB wollte nach einem harmlosen Rückpass mit einem routinemäßigen Abschlag klären, traf dabei aber den an der Strafraumgrenze herantrabenden Janko. Vom Oberkörper des ÖFB-Kapitäns flog der Ball über Hradecky hinweg zum 1:0 ins Netz (32.). Vor lauter Überraschung hätten die Österreicher beinahe auf den Torjubel vergessen.
Wer sich von der Führung das Platzen des sprichwörtlichen Knotens erhofft hatte, wurde bis zum erlösenden Pausenpfiff des italienischen Schiedsrichters Paolo Valeri bitter enttäuscht. Außer eines gefährlichen Weitschusses von Teamrückkehrer György Garics (32.), der knapp über die Querlatte strich, passierte auch weiterhin reichlich wenig. Neben dem bemühten und zumindest offensiv orientierten Alaba war der unaufgeregte Länderspieldebütant Markus Suttner (Austria) als linker Außenverteidiger der zweite Lichtblick der ersten Hälfte.
Harnik setzt Erfolgslauf fort
Nach dem Seitenwechsel versuchte es Koller zunächst mit Erwin Hoffer als Speerspitze im bis dahin stumpfen ÖFB-Angriff. Der nun elffache Teamtorschütze Janko, der bereits am Freitag mit Porto gegen Benfica Lissabon antritt, blieb wie geplant in der Kabine. Am Gesamtauftritt der Österreicher änderte das aber nichts. Nach wie vor wurde in die Breite und kaum in die Tiefe gespielt. Arnautovic hing völlig in der Luft, von Ivanschitz kamen keine Akzente, nur Alaba suchte den Weg zum Tor. Wie aus dem Nichts kam daher auch der zweite Treffer des Abends.
Nach einem Heber von Baumgartlinger in den Strafraum kam Harnik vor dem heranstürmenden Torhüter Hradecky zum Kopfball und traf zum vorentscheidenden 2:0 (54.). Der Stuttgart-Legionär setzte damit seinen aktuellen Erfolgslauf auch im Nationalteam fort. Für den VfB erzielte Harnik zuletzt sieben Tore in vier Bundesliga-Partien. Nachdem Zlatko Junuzovic für den bis dahin nur aufgrund seiner Irokesen-Frisur aufgefallenen Werder-Kollegen Arnautovic gekommen war, leitete Harnik das dritte Tor ein.
Ivanschitz vom Elferpunkt souverän
Kari Arkivuo brachte ihn bei einem Laufduell im Strafraum zu Fall. Den fälligen Elfer verwandelte Ivanschitz staubtrocken in die linke Ecke zum 3:0 (73.). Die Finnen änderten zwar bis zum Schluss nichts an ihrer mehr oder weniger kläglichen Spielweise, kamen aber doch zum Ehrentreffer. Der eingewechselte Timo Furuholm, Clubkollege von Almer bei Fortuna Düsseldorf, bezwang den fehlerlosen ÖFB-Torhüter in der 89. Minute zum 1:3 und betrieb so noch Ergebniskosmetik.
Harald Hofstetter, ORF.at
Testländerspiel in Klagenfurt
Mittwoch:
Österreich - Finnland 3:1 (1:0)
Wörthersee-Stadion, 10.200 Zuschauer, SR Valeri (ITA)
Torfolge:
1:0 Janko (32.)
2:0 Harnik (54.)
3:0 Ivanschitz (73./Elfer)
3:1 Furuholm (89.)
Österreich: Almer - Garics, Schiemer (77./Ortlechner), Dragovic, Suttner - Baumgartlinger (77./Säumel), Alaba (84./Pehlivan) - Harnik, Arnautovic (61./Junuzovic), Ivanschitz (85./Burgstaller) - Janko (46./Hoffer)
Finnland: Hradecky - Arkivuo, Pasanen, Moisander (77./Toivio), Raitala (46./Lampi) - Hetemaj (46./Riski), Sparv, Eremenko - Ring (77./Ojala), Hämäläinen (61./Kuqi) - Pukki (87./Furuholm)
Gelbe Karten: Dragovic bzw. Sparv
Die Besten: Alaba, Dragovic bzw. Pukki
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