Köpferollen nach Tonband-Skandal
Ein Tonbandprotokoll von Christian Hoffmann hat weitreichende Konsequenzen gehabt. Andreas Schwab legte am 30. März sein Amt als Geschäftsführer der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) zurück. Zudem wurden die Mitglieder der Rechtskommission unter Vorsitz von Gernot Schaar und deren Ersatzmitglieder ihres Amtes enthoben.
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Der drastische Schritt stand im Zusammenhang mit dem Fall Hoffmann und erfolgte, „um weiteren medialen Schaden für die NADA Austria und die Rechtskommission zu vermeiden“. Ex-Langläufer Hoffmann hatte die Sitzung der Rechtskommission im Dezember mit seinem Handy, das er im Saal deponiert hatte, geheim aufgezeichnet und das akustische Protokoll österreichischen Medien zugespielt, die in der Folge von einer „seltsamen Urteilsfindung“ berichteten.
Personeller Neustart
„Einen personellen Neustart bei der NADA halte ich im Interesse des Kampfes gegen Doping für den richtigen Schritt. Damit kann in der Öffentlichkeit wieder das notwendige Vertrauen zur NADA aufgebaut werden“, teilte Sportminister Norbert Darabos mit. Schwab wurde im Frühling 2008 zum Geschäftsführer der neuen NADA bestellt, die am 1. Juli 2008 ihre Tätigkeit aufnahm. Sein Vertrag wäre bis 2013 gelaufen.
Unabhängig von der Frage, ob die Tonbandaufzeichnung rechtmäßig zustande gekommen sei, habe die Diskussion über die Causa Hoffmann der Glaubwürdigkeit der NADA geschadet. „Die vielen Verdienste der NADA sind dadurch in den Hintergrund gerückt“, sagte Darabos weiter.

GEPA/Mario Kneisl
Schaar (l.) und Schwab müssen ihre Sessel räumen
„Willkürliches“ Dopingurteil
Auf Hoffmanns Tonbandprotokoll, das auch ORF.at vorliegt, wurde ein „Sittenbild aus sexuellen Fantasien, Druck von außen und Ratlosigkeit“ skizziert. Auch die sexuellen Vorlieben mancher Sportrichter wurden in der Urteilssitzuung eingehend thematisiert. „Ratlos“ wirkten dabei Schaar sowie die Kommissionsmitglieder Alois Schittengruber, Burkhard Thierrichter und Karl Dobianer. Das fünfte Kommissionsmitglied, Norbert Bachl, war während der Sitzung gar nicht anwesend.
Das Strafausmaß für Hoffmann, das ursprünglich sechs Jahre betrug, legte die Rechtskommission offenbar willkürlich fest. Schwab könnte die Dauer der Sperre beeinflusst haben. „Ich rechne mit eurer Konsequenz“, soll er während der Sitzung, bei der er gar nicht dabei sein hätte dürfen, gesagt haben. Schwab erklärte später, er sei nur kurz im Sitzungszimmer gewesen, weil er ein Mitglied der Rechtskommission in einer anderen Sache gebraucht habe.
„Keiner Schuld bewusst“
„Tatsache ist, dass ich mir absolut keiner Schuld oder irgendeines Vergehens bewusst bin, ich habe nie an einer Beschlussfassung der Rechtskommission teilgenommen oder Einfluss auf die Kommission ausgeübt. Als ich in der Verhandlung das Sitzungszimmer betrat, war die Tür dort hin offen, die Sitzung unterbrochen“, hatte Schwab gegenüber ORF.at nach Bekanntwerden des Skandals mitgeteilt.
Schwab hatte freilich auch hervor gehoben, dass die NADA und deren Rechtskommission seit Bestehen im Sommer 2008 einen sehr guten Job gemacht habe, und das damals international sehr angekratzte Anti-Doping-Image Österreichs um 180 Grad ändern konnte. „Österreich wird inzwischen weltweit im Kampf gegen Doping als vorbildlich gesehen.“
Der neue Geschäftsführer der NADA, der diesen Kampf fortführen soll, heißt seit 18. Juli Michael Cepic. Der 50-jährige Wiener kommt aus der Privatwirtschaft und hat sich im Auswahlverfahren gegen 40 Mitbewerber durchgesetzt.
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