Tauziehen um neuen Besitzer
Das Play-off der National Hockey League (NHL) ist heuer reich an Überraschungen. Titelverteidiger Boston Bruins ist ebenso bereits im Urlaub wie die Vancouver Canucks, das Topteam im Grunddurchgang. Weiter dick im Geschäft sind dafür die Phoenix Coyotes. Das Team aus der Wüste Arizonas eilt von einem Sieg zum nächsten - trotz ungewisser Zukunft.
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Noch zwei Siege fehlen den Coyotes im Semifinale der Western Conference, um die Nashville Predators aus dem Bewerb zu kicken. Es wäre der größte Erfolg in der Geschichte des Clubs. Schon mit dem Aufstieg in die zweite Runde des Play-offs schrieb Phoenix die Geschichtsbücher des Vereins neu. Gegen niemand Geringeren als die Chicago Blackhawks, 2009 noch Meister, überstand man erstmals seit der Übersiedlung nach Phoenix eine Play-off-Runde. Im Grunddurchgang konnte man erstmals die Pacific Division für sich entscheiden.

AP/Ross D. Franklin
Die Nashville Predators zogen gegen Phoenix bereits zweimal den Kürzeren
Nun träumt so mancher Fan in Phoenix bereits vom ersten Stanley-Cup-Triumph. „Ich weiß nicht, ob wir daran denken wollen“, hält Verteidiger Keith Yandle den Puck jedoch noch flach, „es ist alles noch sehr weit weg. Es wird noch viel Blut, Schweiß und Tränen geben.“ Obwohl rund um Phoenix derzeit Temperaturen jenseits der 30 Grad Celsius die Regel sind, ist Eishockey in der Hauptstadt Arizonas in aller Munde.
Aus Jets wird Coyotes
Das war bei weitem nicht immer so. Die in Glendale, einem Vorort von Phoenix, beheimateten Coyotes fristeten in der NHL ein Schattendasein. 1996 übersiedelten die Besitzer des kanadischen Traditionsclubs Winnipeg Jets das Team aufgrund finanzieller Schwierigkeiten und veralteter Halle in den Süden der USA. In der Hitze Arizonas fand der ungewohnte Kufensport kaum Anklang.
Obwohl man es in den ersten vier Jahren viermal in das Play-off schaffte, kämpften die Eigentümer des Clubs mit mangelndem Zuschauerinteresse. Auch der Umzug in die 2003 eröffnete moderne Jobing.com-Arena in Glendale und das Engagement von Superstar Wayne Gretzky als Miteigentümer und Trainer ließ den Funken auf die Fans nicht überspringen. 2009 erfolgte schließlich der finanzielle Super-GAU. Besitzer Jerry Moyes meldete aufgrund großer Verluste den Konkurs der Franchise an.
Steuergelder für Erhaltung
Ein möglicher Verkauf an Milliardär Jim Balsillie zerschlug sich am Ansinnen des potenziellen Käufers, den Club ins kanadische Hamilton zu übersiedeln. Die NHL selbst übernahm den Club und hat seitdem auch die Zügel in der Hand. Gleichzeitig mit dem finanziellen Niedergang begann jedoch der sportliche Aufschwung. Unter dem neuen Coach Dave Tippett qualifizierten sich die Coyotes zuletzt dreimal in Folge für das Play-off und empfahlen sich so für einen potenziellen Käufer.

GEPA/US Presswire/Matt Kartozian
An der modernen Jobing.com-Arena hing selten das Schild „ausverkauft“
Den sucht die NHL seit drei Jahren vergeblich. Immer wieder scheiterte eine Einigung mit Interessenten an der Erhaltung der früher spärlich besuchten Jobing.com-Arena. 25 Millionen Dollar flossen in dieser Saison von der Stadt an die NHL, um die Verluste aus dem Erhalt der um 220 Millionen Dollar erbauten Halle auszugleichen. Ein Posten, der das Budget von Glendale auf Dauer überstrapaziert. Um das Team aber auf Dauer in der Stadt zu halten, wird die Erhaltung der Arena aber auch weiterhin aus Steuergeldern finanziert werden müssen.
Neuer Besitzer in den Startlöchern
Mit dem ehemaligen Besitzer der San Jose Sharks, Greg Jamison, steht wohl der letzte Hoffnungsschimmer für eine Fortsetzung der Marke „Phoenix Coyotes“ bereits in den Startlöchern. Aber auch Jamison fordert im Gegenzug für sein Engagement, der Kaufpreis beträgt 170 Mio. Dollar, die Unterstützung der Stadt. Eine jährliche Summe von 17 Mio. Dollar aus Steuergeldern zur Erhaltung der Halle wird in Glendale derzeit sehr heftig diskutiert.
Sollten sich die Verhandlungen wie in der Vergangenheit zerschlagen, dürfte es das vorläufige Ende von Eishockey in Arizona sein. Das kanadische Quebec City und Kansas City im Mittleren Westen der USA sehnen sich schon länger nach einem NHL-Club. Daher arbeitet man fieberhaft an einer Einigung. Für Glendale wäre eine Abwanderung des Teams nicht nur ein Ansehens-, sondern auch ein herber finanzieller Verlust. Laut lokalen Medien würde die Stadt auf einem Schuldenberg von 262 Millionen Dollar sitzenbleiben.
Vorsichtiger Optimismus
Die seit dem sportlichen Höhenflug gestiegene Anzahl von Fans lässt die Misere im Hintergrund angesichts der aktuellen Erfolge kalt. Es herrscht Optimismus, dass NHL-Eishockey in Phoenix weiter seinen Platz hat. Auch die Spieler versuchen, das Tauziehen um die Zukunft des Vereins auszublenden. „Alles, was rund um uns passiert, hat uns immer kalt gelassen“, sagte Kapitän Shane Doan, der einzige Spieler, der schon in Winnipeg für den Club spielte, „wir denken nur an das nächste Spiel.“
Karl Huber, ORF.at
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