19 Festnahmen, 30 Hausdurchsuchungen
Der Manipulationsskandal im italienischen Profifußball nimmt immer größere Ausmaße an. Wie die Polizeibehörde in der norditalienischen Stadt Cremona Montagfrüh bekanntgab, wurden der aktuelle Lazio-Rom-Kapitän Stefano Mauri und der ehemalige Genoa-Mittelfeldspieler Omar Milanetto (aktuell beim Serie-B-Club Padua) festgenommen. Gegen Juventus-Trainer Antonio Conte wurden Ermittlungen eingeleitet.
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Im Rahmen der landesweiten Operation „Last Bet“ kam es in den frühen Morgenstunden zu insgesamt 19 Festnahmen. 30 Hausdurchsuchungen wurden bei teilweise namentlich nicht genannten Spielern, Trainern und Funktionären von Serie-A-Clubs und Zweitligisten vorgenommen. Sogar das Trainingslager der italienischen Nationalmannschaft, die sich in Coverciano in der Toskana auf die EM vorbereitet, wurde durchsucht. Betroffen ist u. a. auch Genoa-Stürmer Giuseppe Sculli, die Wohnung des Chievo-Stürmers Sergio Pellissier wurde ebenfalls durchsucht.

APA/EPA/Di Marco
Omar Milanetto (links) soll als Genoa-Profi Spiele manipuliert haben
Gegen den italienischen Nationalspieler Domenico Criscito vom russischen Meister Zenit St. Petersburg werde laut Polizei ebenfalls ermittelt. Das sei dem Verteidiger mitgeteilt worden, als die Beamten am frühen Montagmorgen in Coverciano eintrafen. Criscito wurde daraufhin aus dem EM-Aufgebot gestrichen, wie Verbandsvizepräsident und Delegationsleiter Demetrio Albertini am Montagnachmittag bestätigte. „Ich habe damit nichts zu tun“, so Criscito. Albertini zweifelt nicht am 25-Jährigen. „Ich glaube seiner Version“, sagte der Ex-Milan-Mittelfeldspieler.
Konkreter Verdacht bei mehreren Serie-A-Partien
Die gesamte Operation war Teil einer seit Monaten großangelegten Aktion gegen Manipulationen und Wettbetrug. Auch in Ungarn wurden am Montag zeitgleich fünf Personen festgenommen, die einer internationalen kriminellen Wettorganisation angehören sollen. Sie sollen mit dem aus Singapur stammenden Wettpaten Tan Seet Eng zusammengearbeitet haben, der laut Ermittlern einen asiatischen Wettring leitete und schon im Dezember verhaftet worden war.
In Italien hatten die Operationen seit Juni 2011, als eine eigene „Task Force“ gebildet worden war, bereits zu mehreren Verhaftungen von aktiven oder ehemaligen Fußballprofis geführt. „Zum momentanen Zeitpunkt der Ermittlungen liegen Anhaltspunkte dafür vor, dass es in der Saison 2011/12 bei einigen Serie-A-Spielen zu Manipulationen kam“, erklärte Raffale Grassi, Direktor der Polizeiabteilung SCO, am Montag in einem Interview mit dem TV-Sender SkyTG24. „Dazu zählen die Spiele zwischen Lazio und Genoa und Lecce gegen Lazio.“
Was hat Conte gewusst?
Juve-Trainer Conte, der die „Alte Dame“ heuer zum ersten Meistertitel seit dem durch den damaligen Wettskandal erfolgten Zwangsabstieg 2006 führte, steht ebenfalls unter Verdacht. Als früherer Trainer des AC Siena war Conte bereits Ende April in den aktuellen Wettskandal hineingezogen worden, weil er von Ergebnisabsprachen in der vergangenen Zweitliga-Saison gewusst haben soll. Das behauptete zumindest Sienas früherer Mittelfeldspieler Filippo Carobbio.

AP/Paolo Giovannini
Antonio Conte im Visier der italienischen Polizei
Sollte der Juve-Coach wegen unterlassener Anzeige einer Ergebnisabsprache verurteilt werden, drohen ihm eine Sperre von mindestens sechs Monaten und eine Geldstrafe von 30.000 Euro. Wie italienische Medien vor einigen Wochen berichtet hatten, soll Carobbio seinen Ex-Trainer im Verhör der Staatsanwaltschaft und im Gespräch mit dem Chefankläger des italienischen Fußballverbands FIGC, Stefano Palazzi, belastet haben.
Carobbio war im vergangenen Dezember im Rahmen einer landesweiten Razzia wegen des Verdachts des Wettbetrugs verhaftet worden. Seiner Aussage zufolge war das 2:2 zwischen Novara und Siena am 1. Mai 2011 in der Serie B manipuliert worden, und Conte habe davon gewusst.
Ermittlungen auch gegen den Siena-Präsidenten
Die Staatsanwälte der Stadt Siena haben indes Ermittlungen gegen den Präsidenten des AC Siena, Massimo Mezzaroma, eingeleitet. Sein Büro wurde durchsucht, berichteten italienische Medien. Belastet wurde Mezzaroma von dem verhafteten Profi Carlo Gervasoni, der mit dem Ex-Kapitän des Erstligisten Atalanta Bergamo, Cristiano Doni, zu den Drahtziehern der Manipulationsaffäre zählen soll.
Gervasoni hatte den Ermittlern erklärt, dass Mezzaroma anlässlich des Spiels Modena gegen Siena am 26. Februar 2011 zwei Modena-Spieler bestochen habe. Der Siena-Präsident wies die Vorwürfe entschieden zurück. Laut den Staatsanwälten in Cremona wurden 2010/11 bis zu acht Siena-Matches manipuliert.
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