„Three Lions“ beißen sich durch
Wayne Rooney hat England am Dienstag bei seinem ersten Turniereinsatz ins EM-Viertelfinale geschossen. Der in den ersten beiden Spielen gesperrt gewesene Stürmer erzielte gegen die Ukraine das entscheidende Tor (48.). Dank des glücklichen 1:0-Erfolges zogen die „Three Lions“ als Sieger der Gruppe D gemeinsam mit Frankreich in die nächste Runde ein. Die Franzosen verloren das Parallelspiel gegen Schweden 0:2.
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Glücklich war der Sieg der Engländer vor allem deshalb, weil in der zweiten Hälfte ein reguläres Tor der Ukrainer nicht zählte, als Verteidiger John Terry einen Schuss erst hinter der Torlinie stoppte. Der große Traum der Ukraine, es bei der Heim-EM in die K.-o.-Phase zu schaffen, zerplatzte in der Donbass Arena wie eine Seifenblase. Für den Aufstieg hätte der Elf von Oleg Blochin aber auch ein Remis nicht gereicht. Die Engländer treffen nun im letzten Viertelfinale am Sonntag in Kiew auf Italien. Frankreich spielt am Samstag gegen Spanien.

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Rettung hinter der Linie: Was die TV-Bilder bewiesen, sah der Torrichter nicht
„Schewa“ nicht in Startelf
Den ersten Schock hatte es für die ukrainischen Fans schon eine Stunde vor dem Gruppen-„Finale“ gegeben. Stürmerstar Andrej Schewtschenko, der seit Tagen an Knieproblemen laboriert hatte, schien nicht in Blochins Startelf auf. Auch Andrej Woronin nahm nur auf der Ersatzbank Platz. Statt der Routiniers begannen Marko Devic und Artem Milewski im Angriff. Bei den Engländern kam der in den ersten beiden Partien gesperrte Wayne Rooney zu seinem ersten Einsatz bei dieser EM. Er stürmte an der Seite von Jungstar Danny Welbeck.
Mit „Rooney, Rooney“-Sprechchören empfingen die 3.000 mitgereisten englischen Fans ihren Hoffnungsträger. Andy Carroll musste dafür auf die Bank. Von dort sah er gemeinsam mit Trainer Hodgson einen nervösen Beginn der „Three Lions“. Die fantastische Atmosphäre in der beeindruckenden Donbass Arena beflügelte zunächst keines der beiden Teams. Auch das von Anatoli Timoschtschuk dirigierte Mittelfeld der Ukrainer brachte in den ersten zehn Minuten keinen geordneten Spielaufbau zustande. Fehlpässe prägten vorerst das Geschehen.
Stimmung viel besser als das Spiel
Nachdem Denis Garmasch (8.) zumindest einmal einen Weitschuss knapp über das Tor abgegeben hatte, nahm die Partie nur langsam Fahrt auf. Bei England liefen die meisten Angriffe über Scott Parker und Rooney, allerdings noch ohne erkennbaren Plan. Auf der anderen Seite blieb ein gut angetragener Devic-Schuss (13.) in der Innenverteidigung hängen. John Terry hatte dort gemeinsam mit Joleon Lescott alles im Griff. Wenn die Ukrainer unter dem ohrenbetäubenden Wirbel ihrer Fans gefährlich wurden, dann mit Versuchen aus der Distanz.
Auch Oleg Gusew (22.) zog nach einem Missverständnis in der englischen Hintermannschaft aus etwa 20 Metern Entfernung ab, zielte aber um wenige Zentimeter zu hoch. Rooney hatte seine erste Strafraumszene nach einem hereingedrehten Freistoß von Steven Gerrard (24.), kam aber knapp zu spät. Vier Minuten später hätte der ManUnited-Star per Kopf treffen müssen, setzte den Ball nach Flanke von Ashley Cole aber am Fünfmeterraum unbedrängt rechts daneben.
England abgeklärt und diszipliniert
Auch ein Kopfball von Terry (32.) nach Gerrard-Corner ging über das Tor. Ansonsten zogen sich die Engländer mit ihrer 4-4-2-Formation oft in die eigene Hälfte zurück. Nach 35 Minuten sprach der Ballbesitz mit 60:40 Prozent für die Ukraine. Um Keeper Joe Hart ernsthaft in Bedrängnis zu bringen, fehlte Timoschtschuk, Jewgeni Konopljanka und Co. die nötige Präzision. Devic und Milewski liefen viel, den ungenauen letzten Pässen aber auch oft hinterher. Das Remis zur Pause nutzte nur den defensiv diszipliniert stehenden Engländern.
Rooney steht dort, wo ein Stürmer stehen muss
Würde Blochin gleich nach Seitenwechsel einen Einsatz von Schewtschenko riskieren oder Woronin bringen? Er tat es noch nicht. Auch England kam unverändert aus der Kabine - vor lauter Wiedersehensfreude stimmten die Fans gleich noch einmal die Hymne „God save the Queen“ an. Sie schienen geahnt zu haben, dass Rooneys großer Moment unmittelbar bevorstand. In der 48. Minute war es dann so weit: Und dass Gerrard, schon in der ersten Hälfte einer der besten Engländer, die Aktion einleitete, war kein Zufall.

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Wayne Rooney beförderte den Ball zum Siegestor über die Linie
Der Kapitän setzte sich auf der rechten Seite gegen Jewgeni Selin durch und flankte von dort auf die kurze Ecke. Der dort postierte Welbeck kam zwar nicht an den Ball, das war in diesem Fall aber sogar besser. Denn sowohl der ukrainische Keeper Andrej Pjatow als auch seine Innenverteidiger ließen die aufgesetzte Hereingabe passieren und sahen dabei alles andere als gut aus. Rooney wartete dort, wo ein Torjäger zu stehen hat und versenkte den Ball bei der zweiten Stange aus kurzer Distanz per Kopf zum 1:0 (48.) im Netz.
Terry klärt hinter der Linie - Tor nicht gegeben
Der Schock saß tief in den Reihen der Gastgeber und auch auf den Tribünen. Bis sich die Blochin-Elf wieder halbwegs gefangen hatte, war schon eine Stunde gespielt. Dann hätte Milewski (61.) seinen Einsatz allerdings mit dem Ausgleich rechtfertigen müssen. Stattdessen setzte der Stürmer einen Kopfball aus vier Metern Entfernung über die Latte. Als die Menge schon nach „Schewa“ Schewtschenko rief, kam für die Ukraine auch noch viel Pech hinzu - durch eine Fehlentscheidung des Schiedsrichterteams aus Ungarn.
Nach einem weiten Pass aus der eigenen Hälfte lief der wohl aus Abseitsposition gestartete Devic (62.) plötzlich alleine auf Hart zu. Sein Schuss wurde vom englischen Goalie mit einer Fußabwehr in weitem Bogen Richtung Tor verlängert, wo der mitgeeilte Terry auf oder bereits hinter der Linie klärte. Zunächst war das nicht klar ersichtlich gewesen, die Zeitlupe brachte aber Gewissheit. Das Tor hätte zählen müssen, doch der von Linienrichter und Torrichter im Stich gelassene Referee Viktor Kassai ließ fälschlicherweise weiterspielen.

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Für Ukraine-Trainer Oleg Blochin war der Ball „so weit“ hinter der Linie
Letztes Aufbäumen der Ukrainer vergeblich
Die Wut des Publikums und vor allem Blochins war grenzenlos. Der Teamchef der Ukrainer war an der Outlinie kaum zu beruhigen. Auch auf dem Spielfeld ging es nun in der allgemeinen Aufregung drunter und drüber. Als die Situation wieder etwas übersichtlicher geworden war, scheiterte Cole (68.) mit einem gefährlichen Flachschuss am starken Pjatow im Tor der Gastgeber. Auf der anderen Seite fand Konopljanka (73.) mit einem Weitschuss in Hart seinen Meister.
Schewtschenko war zu diesem Zeitpunkt schon ins Spiel gekommen. Er sollte die letzte verzweifelte Schlussoffensive der Ukrainer anführen und vielleicht doch noch für das erhoffte „Wunder“ sorgen. Dafür standen die Engländer aber zu gut. Als Schweden gegen Frankreich in Kiew das 2:0 erzielte und die Nachricht Donezk erreichte, waren die englischen Fans endgültig aus dem Häuschen. Der Schlusspfiff besiegelte es: Hodgson hat es mit den „Three Lions“ geschafft.
Harald Hofstetter, ORF.at aus Donezk
Gruppe D, dritter Spieltag
Dienstag:
England - Ukraine 1:0 (0:0)
Donezk, Donbass-Arena, 48.000 Zuschauer, SR Kassai (HUN)
Tor: Rooney (48.)
England: Hart - Johnson, Terry, Lescott, A. Cole - Milner (70./Walcott), Gerrard, Parker, Young - Rooney (87./Oxlade-Chamberlain), Welbeck (82./Carroll)
Ukraine: Pjatow - Gusew, Chatscheridi, Rakizki, Selin - Jarmolenko, Timoschtschuk, Konopljanka - Garmasch (78./Nasarenko) - Devic (70./Schewtschenko), Milewski (77./Butko)
Gelbe Karten: Cole bzw. Timoschtschuk, Rakizki, Schewtschenko
Statistik zum Spiel:
| England |
|
Ukraine |
| 5 |
Torschüsse |
5 |
| 9 |
Schüsse |
16 |
| 13 |
Fouls |
12 |
| 6 |
Eckbälle |
10 |
| 0 |
Abseits |
0 |
| 42 % |
Ballbesitz |
58 % |
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