„Motor“ erst spät auf Touren
Die am Sonntag mit dem Finalsieg des Argentiniers Juan Martin del Potro zu Ende gegangenen Erste Bank Open 2012 in der Wiener Stadthalle haben den Veranstaltern eine Einbuße von rund zehn Prozent der Zuschauer gebracht.
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Für Turnierdirektor Herwig Straka ist das allerdings kein Grund zur Besorgnis, zumal es in den vergangenen drei Jahren durch zwei Turniersiege von Jürgen Melzer und die beiden Auftritte von Thomas Muster günstige Konstellationen gegeben habe. Durch das heuer frühe Ausscheiden der Österreicher sei der „Motor“ erst später auf Touren gekommen.
„Aber das ist eher ein Einmalereignis und kein Trend, trotzdem werden wir es ernst nehmen“, sagte der Steirer bei einer Pressekonferenz. Etwa 42.000 Zuschauer erwartete man in der Endabrechnung, wobei durch den überraschenden Finaleinzug von Grega Zemlja sehr viele Anfragen aus Slowenien gekommen waren.
Österreicher derzeit nicht stark genug
Sportlich bilanzierte Straka „durchwachsen“. „Unser Turnier war auf zwei Säulen aufgebaut: die Top Drei und die Österreicher.“ Die Top Drei seien sehr fokussiert gewesen, von Tommy Haas und Janko Tipsarevic sei er allerdings leicht enttäuscht worden. Aus rot-weiß-roter Sicht reiche das Beste von Melzer derzeit augenscheinlich nicht. „Er wird die Flitterwochen gut brauchen, um die Batterien aufzuladen. Ich glaube nach wie vor an ihn und dass wir ihn in den nächsten zwei, drei Jahren noch als Lokalmatador haben werden. Dominic Thiem macht eine Superentwicklung, er hatte Chancen auf das Viertelfinale.“

GEPA/Mario Kneisl
Del Potro erfüllte die in ihn gesetzten Erwartungen
Immerhin sei es auch ein bisschen das Turnier der (tennis-)historischen Ereignisse gewesen. Der 500. ATP-Sieg von Haas, der Weltrekord an Assen in dem Dreisatzmatch Del Potros gegen den Deutschen Daniel Brands im Achtelfinale (30 bzw. 32 Asse) und Zemlja als erster Slowene in einem ATP-Finale überhaupt waren die herausragenden Ereignisse.
An Bewährtem soll festgehalten werden
Straka bestätigte auch den guten Ruf des 250er-Turniers auf der ATP-Tour. „Wir haben sicher den Status eines ATP-500-Turniers, wie sich die Halle innen präsentiert. Es wird uns international immer wieder bestätigt, wie schön die Bilder aus der Wiener Stadthalle sind.“
Der Turnierdirektor möchte das Turnier weiter modernisieren, die mehrjährigen Sponsorenverträge geben ihm Luft für die Weiterentwicklung. „Wir werden sicher beibehalten, dass wir versuchen, zwei Top-Ten-Spieler nach Wien zu holen. Tsonga möchte 2013 wieder in Wien spielen. Ziel ist es, eines der Topevents auf dem 250er-Level zu bleiben“, so Straka. „Wir wollen aus dem Teich zwischen der Nummer fünf und 15 drei bis vier Spieler fischen.“
Erst spät hatten sich einige Spieler aus den Top 20 vergeblich um eine Wildcard bemüht, Straka hatte Melzer durch Absagen auch die Nummer-vier-Position in der Gesetztenliste und damit ein Freilos in Runde eins gesichert. „Vielleicht war es ein Fehler, dass ich dem Jürgen die erste Runde erspart habe, das kann man zu Recht kritisieren.“ Manchmal könne es ein Nachteil sein, erst später ins Turnier einzusteigen.
Von Opticourt zu Greenset?
Eine Änderung könnte es beim Belag (derzeit Opticourt) geben. Die Anpassung an die auf Wien folgenden Events in Basel, Paris und London auf Greenset steht im Raum. „Das könnte ein Argument mehr für Spieler sein, nach Wien zu kommen. Ich habe drei Jahre lang versucht, für Jürgen Melzer den Belag gleich zu halten. Für die Spieler ist die Kombination Belag/Ball schon entscheidend.“ Der Wiener Termin wird gleich bleiben, Straka hofft, dass es wieder mehr Abstand zwischen dem Generali Ladies in Linz und Wien geben wird, die beiden Turniere fanden heuer ja unmittelbar hintereinander statt.
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