„Der Weg geht nicht geradeaus“
„Wir haben eine auf den Deckel bekommen, aber vielleicht war das auch gut so, um nicht überheblich zu werden“, erklärte ÖFB-Teamchef Marcel Koller am Donnerstag wenige Stunden nach der bitteren 0:3-Pleite in Linz gegen die Elfenbeinküste. Aber nicht nur aus dieser Sicht hat das Testspiel - dafür ist es ja auch da - seinen Zweck erfüllt. Es hat auch die Erkenntnis gebracht, dass einige Spieler nicht beliebig zu ersetzen sind.
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Die Niederlage im letzten Länderspiel des Jahres ist daher zu diesem Zeitpunkt auch kein Drama. Die Spieler wissen, dass es zur Spitze noch ein weiter Weg ist. Fortschritte wurden unter Koller zweifelsfrei gemacht, es gilt weiter, fokussiert zu bleiben und an einer Weiterentwicklung zu arbeiten. „Der Grat zwischen Selbstvertrauen und Selbstüberschätzung ist sehr schmal. Der Weg geht nicht geradeaus, wir haben immer gesagt, dass es Rückschläge geben wird“, sagte der Schweizer.

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Zu einem freudigen Gesichtsausdruck hat das Testspiel bei Koller nicht geführt
Umstellungen waren keine Harakiri-Aktion
Trotz dieser Klarstellung war Koller der Frust über das schwächste Länderspiel seiner Ära anzusehen. Der 52-Jährige sparte daher auch nicht mit Kritik und gab eine Hausaufgabe mit. „Wir haben den Spielern gesagt, dass sie sich das Spiel noch einmal ansehen sollen. Jeder soll dabei vor seiner eigenen Türe kehren und Selbstkritik an den Tag legen. Wir werden das auch tun“, sagte Koller, der das Team gegenüber dem 4:0-Heimsieg gegen Kasachstan an sieben Positionen verändert hatte.
Dass die vielen Umstellungen eine Harikiri-Aktion gewesen ist, wollte der Teamchef allerdings nicht hinnehmen. „Harikiri wäre es bei einer Systemumstellung gewesen. Die haben wir aber nicht gemacht, weil dafür noch die Erfahrung fehlt und die Zeit zu kurz war. Die Spieler, die gespielt haben, waren keine Neulinge. Sie kennen die Idee und die Grundregeln. Es war einzig und allein die Umsetzung. Es ist aber auch fraglich, ob das eingespielte Team besser gespielt hätte“, sagte Koller.
Rückfall in alte Muster
Letztlich musste der Teamchef aber beobachten, wie seine Mannschaft gegen die „kaltblütigen und cleveren“ Ivorer in alte Muster zurückfiel. Der Gegner stand bei Ballbesitz des ÖFB-Teams sehr hoch und mit phasenweise fünf Spielern in der österreichischen Hälfte. Diesem frühen Druck konnte das Nationalteam nicht mit der entsprechenden Coolness im Spielaufbau begegnen und beging eine Vielzahl an Fehlpässen.
„Es gab zu viele Flüchtigkeitsfehler. Wir waren schlampig und unkonzentriert. Daran müssen wir arbeiten, denn es ist die Grundbasis für ein Spiel. Wenn wir nach vorne kommen wollen, dann muss das passen. Darum werden wir darauf den Finger halten“, versprach Koller, der sich auch mit der mangelnden Chancenauswertung beschäftigen wird. „Das ist aber nichts Neues, das gab es schon vor meiner Zeit. Es ist ein bisschen besser geworden, aber auch daran werden wir arbeiten.“

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Das Frustgefühl überwog bei den ÖFB-Spielern beim Gang in die Kabine
Koller fordert den Faktor Zeit ein
Gleiches gilt für die Laufbereitschaft („Dafür müssen sich die Spieler aber selbst in den Hintern treten“), Einhaltung der Laufwege, Umsetzung taktischer Vorgaben und die sinkende Moral in der zweiten Halbzeit. Für die Umsetzung dieser Ziele forderte Koller aber für sich von der Öffentlichkeit den Faktor Zeit ein. „Ein Kurzlehrgang ist immer schwierig. In der Vorbereitung ist vieles Theorie, wichtig ist die Umsetzung auf dem Platz. Dafür braucht man aber auch Regelmäßigkeit“, erklärte Koller.
Die Spieler müssen auf dem Weg der Entwicklung auch Erfahrungen in Form von schlechten Spielen sammeln dürfen. „Eine gleiche Philosophie muss man über Jahre aufbauen. Das ist ein steter Prozess. Dort, wo Trainer länger arbeiten, sieht man auch international einen Erfolg. Es hängt aber auch von der individuellen Qualität der Spieler ab, denn dann kann man seine Ziele schneller erreichen“, so Koller weiter.
Zuversichtlich, „wenn es um die Wurst geht“
Obwohl sich gegen die Elfenbeinküste einige Spieler nicht nachhaltig empfohlen haben, ist Koller von der Qualität seines Kaders weiter überzeugt. „Ich werde jetzt keinen einzelnen Spieler an den Pranger stellen. Wenn einer einen schlechten Tag hat, dann müssen ihn die anderen mitnehmen. Das ist Teamgeist. Gegen die Elfenbeinküste hat allerdings jeder mit sich selbst zu kämpfen gehabt - und konnte daher das übergeordnete Ziel nicht verfolgen“, stellte der 52-Jährige klar.
Großartige personelle Veränderungen sind daher auch für das nächste Testspiel am 6. Februar in Swansea gegen Wales nicht zu erwarten. „Für unser System sind das derzeit die besten Spieler. Der Kader kann sich aber auch einmal ein bisschen ändern“, sagte Koller, der im neuen Jahr weiter einen Kampf ums Leiberl erwartet und für die nächsten Aufgaben zuversichtlich bleibt: „Ich bin überzeugt, wenn es um die Wurst geht, dann werden wir ganz anders auftreten.“
Christian Wagner, ORF.at
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