Zittern bis zum Schluss
Sebastian Vettel hat es geschafft: Der Red-Bull-Pilot kürte sich am Sonntag beim WM-Finale in Brasilien zum jüngsten Dreifachweltmeister der Formel-1-Geschichte. Bis es so weit war, musste der Deutsche in einem dramatischen Rennen in Sao Paulo aber lange zittern.
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Am Ende reichte ihm ein sechster Platz, da sein Verfolger Fernando Alonso nur Zweiter hinter McLaren-Pilot Jenson Button wurde. Für den Briten war es der 15. GP-Triumph seiner Karriere. Hätte Alonso gewonnen, wäre der Spanier selbst zum dritten Mal Weltmeister geworden. In der Endabrechnung lag der Titelverteidiger mit 281 Punkten nur drei Zähler vor dem Ferrari-Star.

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Ende gut, alles gut bei Red Bull und Vettel
„Ich habe immer daran geglaubt“
„Das alles ist im Moment sehr schwer zu fassen. Das ist etwas ganz Besonderes“, sagte Vettel nach seinem Triumph. „Als mir das Team über Funk mitgeteilt hat, dass ich Weltmeister bin, ist mir der Atem weggeblieben. Natürlich war es schwer, wenn man am Anfang einen Schlag auf die Hinterachse bekommt und verkehrt herum auf der Strecke steht. Aber ich habe immer daran geglaubt, dass wir es schaffen. Mehr Steine hätte man uns aber nicht in den Weg legen können.“
Drei WM-Titel en suite hatten bisher nur der Argentinier Juan Manuel Fangio und der deutsche Rekordchampion Michael Schumacher, der in Brasilien seinen letzten Grand Prix bestritt und Siebenter wurde, geschafft. Mit 25 Jahren und 145 Tagen ist Vettel der mit Abstand jüngste Dreifachweltmeister der Königsklasse des Motorsports.
Dramatik von Beginn an
Der von Rang vier gestartete Vettel verlor gleich beim Start einige Plätze und wurde dann nach wenigen Kurven im dichten Verkehr durch eine Kollision mit Williams-Pilot Bruno Senna gegen die Fahrtrichtung umgedreht, der Deutsche fiel bis auf Rang 22 zurück. Alonso hingegen kam nach einem tollen Manöver vom siebenten bis auf Rang drei vor - was ihm zu diesem Zeitpunkt den WM-Titel brachte. Wenige später rutschte der Spanier dann auf der wegen Nieselregens rutschigen Strecke aus und fiel einen Rang zurück - Vettel war wieder Weltmeister.

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Falsche Richtung: Vettel nach der Kollision mit Senna in der ersten Runde
In Runde sechs krachte Romain Grosjean mit seinem Lotus in die Streckenbegrenzung, blieb aber unverletzt. Für ihn war das Rennen so wie für Pastor Maldonado im Williams, Sergio Perez im Sauber und Senna jedenfalls früh vorbei. Vettel war zu diesem Zeitpunkt schon Achter und lag in Runde zehn bereits auf Platz sechs. Da der Regen stärker wurde, holten sich die meisten Fahrer in der Folge Intermediates ab, in Runde zwölf lautete der „Zwischenstand“ im WM-Kampf: Alonso Neunter, Vettel 14. und damit Weltmeister. Drei Runden später spitzte sich das WM-Duell zu einem echten Zweikampf zu, als Vettel direkt hinter dem viertplatzierten Alonso auftauchte.
Button und Hülkenberg wagen Reifenpoker
An der Spitze fuhren Button und Hülkenberg inzwischen auf und davon, beide waren nach wie vor mit Slicks unterwegs. Wenig später holte sich der Deutsche dann erstmals in seiner Karriere die Führung in einem Grand Prix, Alonso und Vettel wechselten erneut die Reifen.
In der 23. Runde kam das Safety-Car zum Einsatz, um diverse Autoteile auf der Strecke einsammeln zu lassen. Das Führungsduo, das 45 Sekunden vor dem drittplatzierten Hamilton lag, musste damit wohl oder übel auch zum Reifenwechsel, die klare Führung war damit dahin.

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Der beschädigte Auspuff links hinten konnte Vettel nicht bremsen
Schwierige Verhältnisse
Mit der Freigabe des Rennes begann für das eng zusammenliegende Feld alles neu. Und für Red Bull setzte es gleich ein doppeltes Negativerlebnis: Vettel musste Kobayashi vorbeilassen, sein Teamkollege Webber kam auf der nassen Seite der Piste von der Strecke ab und fiel mehrere Ränge zurück. Kobayashi holte sich dann auch Alonso und setzte sich in seinem möglicherweise letzten Rennen auf Rang vier - allerdings nicht lange, denn der Spanier eroberte seinen Platz bald wieder zurück.

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Alonso versuchte alles - auch neben der Rennstrecke
Als auch noch Massa an Vettel vorbeiging, lagen wieder zwei Autos zwischen den beiden WM-Konkurrenten, Vettel (7.) war bei diesem Stand aber weiter Weltmeister. Massa überholte dann auch Kobayashi und bildete so einen zusätzlichen „Puffer“ für seinen Teamkollegen. Dafür hatte Vettel eine „Absicherung “ in Form des Toro-Rosso-Piloten Daniel Ricciardo und seines Teamkollegen Webber hinter sich. An der Spitze behauptete Hülkenberg die Führung, dahinter gab es allerdings einen Positionswechsel zwischen den McLaren-Piloten, als Hamilton an Button vorbeiging.
Führungswechsel im Nieselregen
Um die Sache noch etwas spannender zu machen, wurde der Regen dann wieder ein wenig stärker, Hülkenberg musste nach einem Dreher die Führung in Runde 48 an Hamilton abgeben. In der WM-Entscheidung tat sich zwischenzeitlich nur wenig, Alonso kam ebenso nicht vom vierten Platz nach vorne wie Vettel von Rang sieben. Für den Deutschen kam allerdings erschwerend dazu, dass er in dieser Phase Probleme mit dem Boxenfunk bekam.
Vettel kam in Runde 53 noch einmal an die Box und fiel auf Rang zehn zurück. Da Alonso aber weiter nur Vierter war, hatte er die WM noch immer in der Hand. Das änderte sich aber gleich darauf dramatisch, als Hülkenberg mit einem Dreher Hamilton abschoss. Alonso war plötzlich Dritter und Weltmeister, da Vettel noch einmal den Reifensatz wechselte und nach einem groben Patzer in der Box - die Reifen waren nicht bereit - nur noch Zehnter war.

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Regen, Reifenwechsel und Überholmanöver prägten das spektakuläre WM-Finale
Virtuelle WM-Krone wechselt hin und her
Da aber auch Alonso dem Wetter nicht traute und ebenfalls Reifen wechselte, während Vettel einige Plätze gutmachte, ging die WM zwölf Runden vor Schluss wieder an den Titelverteidiger. Der Spanier hatte aber immer noch den „Trumpf“ seines vor ihm liegenden Teamkollegen Massa in der Hand. Diesen löste er zwei Runden später ein und war neuer Zweiter. Vettel musste als Siebenter das Auto allerdings weiterhin „nur“ auf der Strecke halten, um seine Chance zu wahren. Das war bei den schwierigen Verhältnissen aber auch nicht gerade einfach.
Der bis auf Rang sechs vorgekommene Schumacher sorgte in Runde 65 für ein „Abschiedsgeschenk“ und machte es Vettel beim Überholen nicht gerade schwer. An der Ausgangslage änderte das aber nichts - ins Ziel kommen und auf den Sieg des einsam an der Spitze fahrenden Button hoffen, so das Erfolgsrezept für den Red-Bull-Pilot. Als Paul di Resta zwei Runden vor Schluss mit seinem Force India heftig in die Mauer krachte, kam das Safety-Car erneut heraus und bereitete einem überaus spannenden und ereignisreichen Rennen ein undramatisches und ruhiges Ende.
Harald Maresch, ORF.at
Grand Prix von Brasilien
| Endstand nach 71 Runden: |
| 1. |
Jenson Button |
GBR |
McLaren |
1:45,22,656 |
| 2. |
Fernando Alonso |
ESP |
Ferrari |
+2,754 |
| 3. |
Felipe Massa |
BRA |
Ferrari |
3,615 |
| 4. |
Mark Webber |
AUS |
Red Bull |
4,936 |
| 5. |
Nico Hülkenberg |
GER |
Force India |
5,708 |
| 6. |
Sebastian Vettel |
GER |
Red Bull |
9,453 |
| 7. |
Michael Schumacher |
GER |
Mercedes |
11,900 |
| 8. |
Jean-Eric Vergne |
FRA |
Toro Rosso |
28,653 |
| 9. |
Kamui Kobayashi |
JPN |
Sauber |
31,250 |
| 10. |
Kimi Räikkönen |
FIN |
Lotus |
1 Runde |
| 11. |
Witali Petrow |
RUS |
Caterham |
1 Runde |
| 12. |
Charles Pic |
FRA |
Marussia |
1 Runde |
| 13. |
Daniel Ricciardo |
AUS |
Toro Rosso |
1 Runde |
| 14. |
Heikki Kovalainen |
FIN |
Caterham |
1 Runde |
| 15. |
Nico Rosberg |
GER |
Mercedes |
1 Runde |
| 16. |
Timo Glock |
GER |
Marussia |
1 Runde |
| 17. |
Pedro de la Rosa |
ESP |
HRT |
2 Runden |
| 18. |
Narain Karthikeyan |
IND |
HRT |
2 Runden |
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