20 Rennen, 1.195 Runden, 6.100 km
Die 63. Saison in der Formel 1 ist seit Sonntag Geschichte. Doch das Jahr 2012 brachte in der Königsklasse des Motorsports so viel Unterhaltung und Dramatik wie schon lange nicht. So abwechslungsreich es mit sieben Siegern in sieben Rennen losging, so spannend blieb es auch bis zum Schluss. Am Ende lagen nur drei Punkte zwischen dem Weltmeister und seinem „Vize“.
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Schon vor dem Saisonauftakt hatte es einigen Diskussionsstoff gegeben. Aufreger Nummer eins waren die neuen Nasen der Rennautos. Fast alle Topteams setzten wegen des veränderten Reglements auf eine Frontpartie mit einem mehr oder weniger signifikanten Knick. Lediglich McLaren und Nachzügler Marussia entschieden sich für ein Konzept ohne Höcker. „Wir haben im Gegensatz zu einigen anderen ein sehr schönes Auto“, diagnostizierte Jenson Button.

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Bei Red Bull und Ferrari war die Frontpartie heuer deutlich gestuft
Doch auch sonst bot das Rennjahr einige Neuerungen - darunter das Verbot von Zwischengas und die Rückkehr zu Testfahrten während der Saison. Neu war auch, dass sich überrundete Piloten während Safety-Car-Phasen zurückrunden dürfen, um bei Freigabe des Rennens schnellere Konkurrenten nicht zu behindern.
Premiere für Austin, Comeback von Räikkönen
Mit 20 Rennen war der WM-Kalender so voll wie noch nie. Neu dabei war der US-Grand-Prix in Austin, der das Rennen in der Türkei ersetzte. Dazu kam die Rückkehr von Bahrain, dessen Rennen 2011 wegen politischer Unruhen abgesagt wurde.
Ein Rückkehrer war auch Kimi Räikkönen. Der Finne stieg nach einem zweijährigen Rallye-Abstecher bei Lotus wieder in die Königsklasse ein und sorgte dafür, dass erstmals in der Geschichte sechs Weltmeister am Start waren. Neben Räikkönen waren das Titelverteidiger Sebastian Vettel (Red Bull), Rekordchampion Michael Schumacher (Mercedes), Button und Lewis Hamilton (beide McLaren) sowie Fernando Alonso (Ferrari).

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Der erste Siegesschluck des Jahres gehörte Button
Sieben Rennen, sieben Sieger
Die Rekordzahl an Champions machte das Feld so ausgeglichen wie schon lange nicht mehr. In den ersten sieben Rennen gab es sieben verschiedene Sieger - eine Premiere in der Formel 1. Auch wenn das WM-Duell mit Fortdauer der Saison zu einem Zweikampf zwischen Vettel und Alonso wurde, blieb es doch bis zum Schluss spannend und auch relativ lange ausgeglichen: In den ersten vier Rennen gab es vier verschiedene WM-Leader, die Weltmeister Button, Alonso, Hamilton und Vettel lösten sich an der Spitze ab. Insgesamt erlebte die Saison sieben Führungswechsel.
Kurzes Hoch für Mercedes
Schon im dritten Saisonrennen, dem Grand Prix von China, trug sich ein neuer Pilot in die Siegerliste ein. Nico Rosberg holte sich in seinem 111. Rennen in Schanghai seinen ersten Sieg in der Königsklasse. Zugleich war es der erste Erfolg für Mercedes als Werksteam seit 1955. Damals gewann der legendäre argentinische „Silberpfeil“-Pilot Juan-Manuel Fangio in Monza.

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Im 111. Anlauf durfte Rosberg endlich jubeln
Auch Schumacher, der seine dritte und letzte Saison bei Mercedes bestritt, konnte einen Teil zum Zwischenhoch beitragen. In Monaco fuhr er zur Poleposition, musste wegen einer Strafe aber vom sechsten Platz aus starten. Und beim Grand Prix von Europa in Valencia fuhr der Deutsche dann als Dritter immerhin einmal aufs Stockerl. Viel mehr Erfolgserlebnisse hatte das Werksteam, das mit großen Hoffnungen in die Saison gegangen war, aber nicht. Am Ende reichte es nur für die Ränge neun (Rosberg) und 13 (Schumacher) bzw. fünf (Mercedes).
Kommendes Jahr soll es nun Hamilton, der während der Saison seinen Wechsel von McLaren zu Mercedes bekanntgab, richten. Er ersetzt Schumacher und unterschrieb vorerst bis Ende 2015. Zweiter Premierensieger neben Rosberg war Williams-Pilot Pastor Maldonado, der in Spanien für den ersten Erfolg eines Fahrers aus Venezuela sorgte.
Crashpilot Nummer eins
Obwohl folgenschwere Unfälle ausblieben, gab es doch auch heuer wieder einige spektakuläre Situationen. Fast immer beteiligt war Romain Grosjean im Lotus. Der Franzose fuhr zwar dreimal aufs Podest, schied aber auch siebenmal aus. Dazu kam eine Sperre von einem Rennen, die er sich in Spa-Franchorchamps einhandelte.

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Grosjean verfehlte mit seinem Lotus Alonso nur knapp
Er verursachte beim Start mit einem viel zu aggressiven Manöver einen schweren Unfall, in den auch Alonso, Hamilton und Sergio Perez verwickelt waren, und verfehlte Alonsos Kopf mit seinem über die anderen Autos fliegenden Lotus nur um Zentimeter. Alonso, der nur mit fremder Hilfe aus seinem demolierten Ferrari aussteigen konnte, verpasste den Rekord von 24 Rennen in Folge in den Punkterängen, den Schumacher von 2001 bis 2003 aufgestellt hatte. Grosjean wurde für seine ungestüme Aktion für den Italien-GP gesperrt und musste 50.000 Euro Strafe zahlen.
Räikkönen bleibt cool
Für die Lacher der Saison sorgte Räikkönen. Der Teamkollege von Grosjean gewann Anfang November in Abu Dhabi sein erstes Rennen nach dem Comeback und fand auf der Siegesfahrt klare Worte für die Lotus-Crew. „Lasst mich in Ruhe! Ich weiß schon, was ich zu tun habe“, fauchte er, nachdem man ihn aufgefordert hatte, alle Reifen auf Temperatur zu halten. „Das will ich gar nicht wissen“, grantelte er dann, als man ihm sagte, wie weit Alonso hinter ihm lag.

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Während der Hymne des Siegers zeigte Räikkönen dann doch Emotionen
Zum Abschluss der Saison zeigte der Finne dann auch noch eine Rallye-Einlage: Er war auf der rutschigen Strecke in Sao Paulo vom Kurs abgekommen und wollte einen asphaltierten Weg als Ausfahrt nehmen. Problem nur: Dort, wo es wieder zurück auf die Strecke gehen sollte, ging es nicht weiter. Vor elf Jahren sei das Tor noch offen gewesen, erklärte Räikkönen: „Ich wusste, was ich mache, weil ich das Gleiche 2001 schon einmal getan habe. Diesmal hat jemand das Tor zugemacht.“
Aber sonst hatte er die Situation stets im Griff. Der Finne war der einzige Pilot, der in allen 20 Rennen das Ziel sah, 19-mal landete er dabei auch in den Punkterängen. Am Ende brachte ihm das den dritten WM-Rang hinter Vettel und Alonso ein.
Krönender Abschluss in Brasilien
Das passende Ende einer spannenden Saison lieferte dann das Finale in Brasilien. Nachdem Vettel seine erste WM-Chance in den USA nicht nutzen konnte, musste die Entscheidung wieder einmal im letzten Rennen in Sao Paulo fallen. Und diese Entscheidung hatte es in sich: Gleich mehrmals wechselte die virtuelle WM-Führung, der einsetzende Regen sorgte für ein weiteres Spannungsmoment.

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Ende gut, alles gut bei Red Bull
Vettel sah nach einem Dreher nach dem Start und dem Rückfall ans Ende des Feldes schon wie der große Verlierer aus, schaffte mit Rang sechs aber doch noch eine Punktlandung - ganze drei Zähler vor seinem großen Rivalen Alsonso. Der alte und neue Weltmeister gestand danach, unmittelbar nach der Zieldurchfahrt froh gewesen zu sein, dass er mit seinen Emotionen alleine war. „Ich habe geweint unter dem Helm. Und Gott sei Dank war das Funkgerät kaputt, dann hat man mein Gejaule nicht so gehört wie 2010“, so der nun dreifache Champion.
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