Krisengipfel vor Schweizer Heimweltcup
Die stolze Skination Schweiz leidet. Vor den Heimklassikern in Adelboden und Wengen sind die Herren von Swiss Ski auf einem historischen Tiefpunkt angekommen. In den bisher 16 Rennen des Weltcup-Winters fuhren Didier Defago und Co. gerade einmal 368 Punkte ein und liegen damit auf dem blamablen neunten Platz der Herren-Mannschaftswertung.
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„Nicht einmal in einem Alptraum hätte ich mir das ausmalen können“, gestand Verbandspräsident Urs Lehmann in einem Interview mit der „Neuen Zürcher Zeitung“. Österreichs Superstar Marcel Hirscher, der mit 740 Punkten den Gesamtweltcup anführt, hat solo mehr als doppelt so viele Zähler auf sein Konto gehamstert wie die Schweizer, die vielerorts nur noch als „Kummerbuben“ bezeichnet werden und sich schon über den einen oder anderen Top-Ten-Platz freuen würden.
„Sind ein Entwicklungsland“
Schadenfreude kommt bei den Erzrivalen aus Österreich aber keine auf. „Daran sieht man, wie schnell es gehen kann. Vor nicht allzu langer Zeit haben wir noch gerätselt, wie wir die Schweizer schlagen können“, sagte Hannes Reichelt angesichts des jahrelang spannenden Skiderbys mit den Schweizern, die das Fehlen des zurückgetretenen Didier Cuche und des verletzten Beat Feuz nicht wettmachen konnten. Das Duo hatte in der vergangenen Saison für 20 der 24 Stockerlplätze gesorgt.

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Herren-Chef Osi Inglin ist gefordert
Als weiterer Hauptgrund für die größte Krise der Skigeschichte wird Wetterpech beim Sommertraining genannt, dadurch sei die Umstellung aufs neue Material besonders schwer gefallen. Und auch Mängel in der Infrastruktur (kaum Flutlichtpisten, keine ständige Abfahrtstrainingspiste) werden angeführt. Deshalb platzte dem Schweizer Herren-Cheftrainer Osi Inglin bei einem Krisengipfel am Dienstag der Kragen. „Wir sind ein Entwicklungsland. Das ist keine Entschuldigung für die aktuelle Krise, sondern Fakt“, sagte Inglin.
Janka kämpft um Anschluss
Auch Carlo Janka sucht verzweifelt den Anschluss. In seinem Fall bekommt auch der steirische Trainerlegionär Sepp Brunner sein Fett ab. Dem Vertrauten von Janka wird vorgeworfen, beim zu exzessiven Materialtesten seines Schützlings im Sommer nicht rechtzeitig eingegriffen zu haben. Bei Janka wurde zuletzt die Notbremse gezogen. Nach der schallenden Ohrfeige kurz vor Weihnachten im Alta-Badia-Riesentorlauf, in dem er als amtierender Olympiasieger im ersten Lauf 7,81 Sekunden langsamer als US-Dominator Ted Ligety war, zog sich Janka zurück.
Auf Bormio verzichtete der Gesamtweltcup-Sieger 2010, stattdessen machte er sich mit Trainingseinheiten im Salzburger Hinterreit fit für die Heimrennen - mit Erfolg, wie Brunner vor Adelboden berichtete: „Speziell im Materialbereich passt jetzt einiges wesentlich besser zusammen. Darum glaube ich, dass Carlo im Adelboden-Riesentorlauf zumindest in die Weltcup-Punkte und in der Wengen-Abfahrt in die Top-Ten fahren kann.“
Weltcup-Debüt für Zurbriggen
Nicht einmal einen Monat vor der WM in Schladming haben mit Defago, Patrick Küng und Markus Vogel bisher nur drei Schweizer Herren die Qualifikationskriterien erfüllt. Frei drauflosfahren kann in Adelboden ein 22-jähriger Schweizer mit einem äußerst prominenten Namen. Elia Zurbriggen, der Sohn des vierfachen Weltcup-Gesamtsiegers Pirmin, gibt am Samstag im Riesentorlauf sein Weltcup-Debüt.
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