Verpatztes Boskovic-Comeback
Die Wiener Austria hat das 304. Derby gegen Rapid dank seines Torjägers für sich entschieden. Philipp Hosiner wurde mit einem Doppelpack (27., 54.) beim 2:1 zum Abschluss der 21. Runde am Sonntag zum Matchwinner. Christopher Trimmel hatte Rapid zwar in Führung geschossen (20.), zwei ungestüme Aktionen von Rückkehrer Branko Boskovic schwächten die Hütteldorfer jedoch entscheidend.
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Für die Austria war es der dritte Derby-Sieg in dieser Saison. Die Violetten bauten in der Tabelle mit dem Sieg den Vorsprung auf Salzburg auf zehn Punkte aus. Vor dem Spiel hatten in der Wiener U-Bahn noch Hooligans mit Randalen für Aufregung gesorgt. Und auch im Hanappi-Stadion ging es oft hoch her. Aber nicht auf den Rängen, sondern auf dem Platz.
Von den beiden prominenten Rückkehrern bei Rapid und der Austria kam nur Boskovic von Beginn an zum Einsatz. Nacer Barazite saß bei der Austria vorerst nur auf der Bank. Bei den Gästen aus Favoriten fehlten zudem der gesperrte Tomas Jun und der erkrankte Alexander Gorgon. Die Hütteldorfer starteten vor vollen Rängen engagiert und drängten die Austria in den ersten Minuten in die eigene Hälfte. Zwingende Torchancen waren jedoch vorerst Mangelware.
Trimmel nutzt Goaliepatzer
In der 16. Minute hatte Boskovic seinen ersten großen Auftritt: mit einem rüden Einstieg. Der Montenegriner attackierte Marin Leovac im Kung-Fu-Stil, traf den Austrianer am Kopf und sah für die Aktion Gelb. Denselben Karton sah auch Fabian Koch. Der Austrianer hatte sich beschwert, das Boskovic nicht gleich unter die Dusche musste. Leovac erlitt ein Cut an der Stirn und musste mit Verband weiterspielen.

APA/Herbert Pfarrhofer
Boskovic (l.) hatte bei dieser Attacke offenbar Bruce Lee zum Vorbild
In der 20. Minute war die Aktion schon wieder vergessen. Denn es stand 1:0 für Rapid. Austria-Goalie Heinz Lindner, der sein 100. Spiel in violett bestritt, agierte bei einem Eckball von Boskovic zu zögerlich, Trimmel schraubte sich gegen den Schlussmann hoch und traf zur Hütteldorfer Führung. Lindner forderte vergeblich ein Stürmerfoul. Nach dem Tor wurde die Partie noch ruppiger. Rüde Fouls von beiden Seiten hemmten den Spielfluss.
Hosiner trifft, Boskovic fliegt
In der 27. Minute war die kurze Rapid-Party auch schon wieder zu Ende. Hosiner stellte mit seinem 22. Saisontreffer auf 1:1. Der Torjäger wurde dabei von Rapid-Verteidiger Gerson ideal bedient. Der Brasilianer köpfte den Ball Hosiner im Strafraum genau vor die Beine, der Rest war für den Stürmer Formsache. Nur zwei Minuten später kam es für Rapid noch schlimmer. Boskovic agierte gegen Manuel Ortlechner zu ungestüm und musste, obwohl er auch den Ball spielte, mit Gelb-Rot vom Platz.
Die Partie wurde danach immer härter. Schiedsrichter Grobelnik hatte Mühe, die Emotionen der Spieler unter Kontrolle zu halten. In den ersten 32 Minuten hatte der Unparteiische bereits sechsmal den gelben Karton gezückt. Rapid versuchte auch mit zehn Mann, die Partie offen zu halten. Die Austria wartete geduldig auf ihre Chance. In Minute 42 hatte Marko Stankovic eine solche, doch Goalie Lukas Königshofer war diesmal auf dem Posten.
Barazite legt Entscheidung auf
In der zweiten Hälfte kam auch Barazite bei der Austria zu seinem Comeback. Der Niederländer ersetzte den lädierten Leovac. Wie bei einem Derby schon üblich zogen auch diesmal dichte Rauchschwaden über den Platz. Die Fans hatten sich wie immer nicht an das Pyrotechnikverbot gehalten. In der 52. Minute stellte sich Barazite dem Publikum wieder vor, sein Weitschuss war für Königshofer jedoch eine leichte Übung. Zuvor hatte Deni Alar Lindner geprüft. Auch der Austria-Goalie bestand den Test mit Bravour.
In der 54. Minute hatten die Rapid-Fans bereits den Torschrei auf den Lippen: Trimmel kam aus kurzer Distanz zum Kopfball, doch der Ball landete genau in den Armen von Lindner. Im Gegenzug jubelten die Austria-Fans. Barazite durfte den Ball von links unbehindert zur Mitte flanken, am langen Eck stand Hosiner, von Gerson sträflich alleine gelassen und nickte locker zur Austria-Führung ein.

GEPA/Walter Luger
Die Rapid-Abwehr übersah kurz nach der Pause ausgerechnet Torjäger Hosiner
Violette Derby-Serie hält
Rapid-Trainer Peter Schöttel reagierte und brachte Neuzugang Marcel Sabitzer und Terrence Boyd, um die Offensive zu stärken. Die Hütteldorfer blieben vor den Augen von Teamchef Marcel Koller und Ex-Rapid-Trainer Josef Hickersberger bemüht und hatten optisch deutlich mehr vom Spiel, die Austria verteidigte den Vorsprung jedoch routiniert. Dass Koch in der Nachspielzeit nach seiner zweiten Gelben Karte noch vom Platz flog, änderte nichts daran, dass die Austria auch das siebente Derby in Folge unbesiegt überstand.
Karl Huber, ORF.at
Tipp3-Bundesliga, 21. Runde
Sonntag:
Rapid - Austria 1:2 (1:1)
Gerhard-Hanappi-Stadion, 17.000 Zuschauer (ausverkauft), SR Grobelnik
Tore:
1:0 (20.) Trimmel
1:1 (27.) Hosiner
1:2 (54.) Hosiner
Rapid: Königshofer - Schimpelsberger (64. Sabitzer), Sonnleitner, Gerson, Schrammel - Pichler, Boskovic - Trimmel, Hofmann (90. Wydra), Burgstaller - Alar (64. Boyd)
Austria: Lindner - F. Koch, Rogulj, Ortlechner, Suttner - Mader (77. Kienast), Holland, A. Grünwald (67. Dilaver) - Stankovic, Hosiner, Leovac (46. Barazite)
Gelb-Rote Karten: Boskovic (29./wiederholtes Foulspiel) bzw. F. Koch (92./Kritik und Foulspiel)
Gelbe Karten: Alar, Schimpelsberger bzw. Lindner
Die Besten: Trimmel bzw. Hosiner, Holland
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