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„Bei einem Sturz wären wir Vierte“

„Bei einem Sturz wären wir Vierte geworden“, sagte Thomas Morgenstern nach dem Stunt von Manuel Fettner im zweiten Durchgang des Team-Springens am Samstag auf der Großschanze bei der WM in Val di Fiemme. Fettner sprang nach einem 128-m-Flug die Bindung des rechten Skis auf. Er verhinderte aber einen Sturz und „surfte“ auf einem Ski, das zweite Bein dahinter gestellt, über die Sturzlinie.

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Seine artistische Einlage verhinderte somit Punktabzüge. Die Trainer aller Nationen applaudierten. Kollegen und Konkurrenten stürmten auf den 27-jährigen Tiroler zu, um ihn zu beglückwünschen. „Ich habe gewusst, ich muss irgendwie über die Sturzlinie kommen. In neun von zehn Fällen gelingt das nicht“, gab Fettner zu, der damit die einzige Goldmedaille des ÖSV-Aufgebots rettete und als „Held des Tages“ gefeiert wurde. Fettner hat in dieser Saison leidvolle Erfahrungen mit sich öffnenden Bindungen gemacht.

Manuel Fettner hält mit einem Ski das Gleichgewicht

APA/EPA/Keystone/Peter Klaunzer

„Hang Loose“: Manuel Fettner „surft“ die Schanze und rettet Gold

„Instinkt, Glück, Zufall“

Zwei Stürze in Sotschi und einer bei der Tournee in Bischofshofen waren darauf zurückzuführen. Diesmal wollte er auf keinen Fall zu Boden. „Ich muss schauen, dass ich rüberkomme über die Sturzlinie“, habe er sich nach dem Missgeschick vorgenommen. Es gelang ihm mit Bravour. „Das war Instinkt, Glück, Zufall“, sagte Fettner, der nach eigenen Worten über keine Erfahrung als Surfer verfügt. Ähnliches sei zuvor nur dem Norweger Kent Johanssen gelungen, erinnerte sich ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointner.

Die Premiere in einem WM-Team-Bewerb hatte bei Fettner tagsüber große Nervosität verursacht. „Mein Puls war nie unter 130“, gab er zu. Der weiteste Sprung seiner Gruppe im ersten Durchgang habe ihn dann besänftigt. Nach dem Husarenritt nach dem zweiten Sprung war die Erleichterung groß. „Ich hab’ gewusst, ich hab’ es nicht versaut. Das war ein Supergefühl. Dass das auch noch mit Gold belohnt wird, ist überdrüber“, betonte der Innsbrucker.

Gemeinsam feiern macht mehr Spaß

Eine Medaille sei vor der WM sein großes Ziel gewesen. „Ich habe gewusst, dass es im Team am ehesten möglich sein wird. Gemeinsam zu feiern, macht auch mehr Spaß als alleine.“ Dieser Weltmeistertitel ist für Österreichs Skispringer wirklich Gold wert: Wolfgang Loitzl, Fettner, Morgenstern und Gregor Schlierenzauer haben bei der letzten Chance, im Val di Fiemme doch noch einen Titel zu holen, zugeschlagen.

Wolfgang Loitzl, Manuel Fettner, Thomas Morgenstern und Gregor Schlierenzauer mit ihren Medaillen

GEPA/Philipp Brem

Einer für alle: Nach Fettners Einlage durften die ÖSV-Adler gemeinsam feiern

Loitzl durfte sich im Alter von 33 Jahren auch noch über seinen insgesamt siebenten Weltmeistertitel freuen. „Ich habe viele Nerven verloren beim ‚Fetti‘. Er hat es irgendwie gemeistert, ich weiß nicht wie. Das hat mir ein paar Jahre meines Lebens gekostet“, stöhnte der Steirer, der nicht ausschließen wollte, dass er auch 2015 noch eine WM bestreitet: „Sag niemals nie.“

Schlierenzauer bilanziert nun mit einmal Gold und zweimal Silber - nach der Enttäuschung im Großschanzen-Einzel wohl Balsam für ihn. „Mit Manuel, das war unglaublich. Ein paar Japaner tun sich schon schwer, einen Sprung mit beiden Füßen zu stehen. Er steht ihn mit einem“, sagte der Tiroler. „Österreich war im Team-Wettkampf in der Saison kein einziges Mal vorne. Bei der WM zu siegen, ist schon geil.“

Computerfehler sorgt für Verwirrung

Silber und Bronze gingen an Deutschland und Polen. Die ursprünglich silbernen Norweger wurden wegen eines Rechenfehlers später auf Platz vier zurückgereiht. Dass der Springer-Krimi über das Wettkampfende hinaus andauerte, lag an der Jury. Die hatte den Norwegern Anders Bardal und Anders Jacobsen Punkte gutgeschrieben, die diesen gar nicht zustanden.

Im ersten Versuch fuhr Bardal von Gate 21 ab, berechnet wurde aber die Luke 20. Jacobsen war von Luke 20 gestartet, berechnet wurde jedoch das Gate 19. Die 6,7 Pluspunkte, die man den Skandinaviern insgesamt gutschrieb, wurden nach minutenlanger, nervenaufreibender Aufarbeitung nach dem Springen wieder abgezogen. Norwegen verlor nicht nur den zweiten Rang, sondern rutschte hinter Polen sogar auf Platz vier zurück.

„Für Norwegen ist es ziemlich ärgerlich, wenn man sich schon freut und dann noch vom Treppchen rutscht. Aber so sind die Regeln. Wir sind umso glücklicher“, meinte der deutsche Springer Michael Neumayer. Für die Kritiker ist das Punktechaos nach dem Team-Springen jedoch ein Argument mehr, die Möglichkeiten zur Anlaufverkürzung neu zu regeln.

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