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Erinnerungen an Sternstunde

Am 25. Mai 2003 wurde im Palais Omnisports von Paris österreichische Sportgeschichte geschrieben. Werner Schlager rang im Endspiel der 47. Tischtennis-WM den Südkoreaner in knapp 57 Minuten Spielzeit nieder und kürte sich zum ersten Einzel-Weltmeister der Nachkriegsära. Zehn Jahre danach kehrt der mittlerweile 40-Jährige an die Stätte seines größten Triumphs zurück.

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„Ich habe erst später auf den Videos gesehen, dass ich nach dem Matchball den Schläger fallen gelassen habe“, erinnerte sich Schlager im ORF-„Sport am Sonntag“ an sein Karrierehighlight. „Der Kopf war einfach leer, und es war einfach nur Freude da.“ Bereits auf dem Weg ins Finale hatte Schlager, der sich als bisher letzter Europäer den WM-Titel sichern konnte, für Furore gesorgt.

Werner Schlager 2003 mit Weltmeisterpokal und Medaille

Reuters

Vor zehn Jahren sorgte Schlager in Paris für eine rot-weiß-rote Sternstunde

Weltklasse zerbricht an Schlager

Zunächst hatte Schlager die „chinesische Mauer“ in Form von Titelverteidiger Wang Liqin (Viertelfinale) und Olympiasieger Kong Linghui (Halbfinale) ausgeschaltet und auf dem Weg ins Endspiel gleich fünf Matchbälle abgewehrt. Dort wies er schließlich vor mehr als 13.000 Zuschauern auch noch Südkoreas Sensationsmann mit 4:2 in die Schranken, um in die Fußstapfen von Richard Bergmann zu treten, der 1937 in Baden für Österreichs bisher einziges WM-Gold im Herren-Einzel gesorgt hatte.

Nach seinem sensationellen Siegeszug in Paris standen für Schlager, der dadurch auch zur Nummer eins der Weltrangliste wurde, zahlreiche Ehrungen auf dem Programm. Neben diversen Auszeichnungen - unter anderem das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik - wurde der Niederösterreicher als erster heimischer Sportler auf einer Briefmarke verewigt. Zudem durchbrach der damals 30-Jährige die Dominanz der Skifahrer und wurde als erster Sommersportler seit dem Fußballer Toni Polster (1997) zum Sportler des Jahres gewählt. In China wurde Schlager gar zum bekanntesten ausländischen Sportler gewählt.

Rasante Weiterentwicklung

Seit seinem WM-Triumph hat sich das Spitzentischtennis allerdings rasant weiterentwickelt. Der Gewinn einer Medaille oder gar erneut des Titels ist für Schlager, der sich 2005 auch den EM-Titel im Doppel mit Karl Jindrak, 2008 mit SVS Niederösterreich den Sieg in der Champions League und 2009 EM-Silber gesichert hat, daher nicht realistisch, wenn er am Mittwoch in der ersten Hauptrunde in Paris-Bercy wieder zum Schläger greift. Dass sich das für ihn nicht wiederholen lässt, ist dem mittlerweile 40-Jährigen bewusst.

Werner Schlager

GEPA/Philipp Brem

Schlager spielt ein Tischtennis, „das es heute nicht mehr gibt“

Sein Spiel hat Schlager in dieser Dekade jedoch enorm weiterentwickelt, sonst müsste er erst gar nicht nach Paris reisen. „Der Weltmeister Schlager von damals würde diesmal gar nicht in die erste Runde kommen, er würde schon in der Qualifikation ausscheiden“, verdeutlicht der Gewinner mehrerer EM-Medaillen den Fortschritt im Tischtennis. „Der Unterschied ist riesengroß, wenn ich mir alte Videos anschaue.“

„Wie lange kann ich mithalten?“

Heutzutage müsse man seine Chance nutzen, denn selten komme sie ein zweites Mal. Das war 2003 bei einem langsameren Spiel ganz anders. „Die Frage ist, wie lange kann ich da noch mithalten?“, sagte Schlager im Gespräch mit der APA in Bezug auf das athletische, flotte Spiel von heute. „Ich bin nicht mit diesem Tischtennis aufgewachsen und verkörpere eigentlich ein Tischtennis, das es heute nicht mehr gibt.“ Nur wenige andere aus seiner Topzeit sind noch dabei.

An ein Karriereende denkt Schlager allerdings deswegen noch nicht. „Ich habe keinen Abschied geplant, und derzeit sieht es auch nicht danach aus, dass ich so schnell aufhöre“, erklärte der Niederösterreicher. „Ich spiele so lange, wie ich Spaß daran habe. Wenn der Spaß einmal nicht mehr da ist, werde ich die Konsequenzen ziehen. Das kann dann auch sehr schnell gehen.“ Der nächste und absolute Fixpunkt nach der Paris-WM ist jedenfalls im Oktober die Schwechater Heim-EM.

Anfang März hat sich Schlager entschlossen, bei der WM anzutreten, nachdem er sein bisher letztes Bewerbsspiel im Oktober bei den Europameisterschaften in Herning bestritten hatte. Sein Training in den vergangenen zwei Monaten hat er gut dosiert, um körperliche Probleme auszuschalten. Schlager: „Dass ich wieder spiele, hat auch körperliche Gründe. Das hat nichts mit der WM oder der EM zu tun. Mit meiner Verfassung bin ich ganz zufrieden. Es könnte besser, aber auch schlechter sein.“

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