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Souveräner Sieg bei 100. Tour de France

Souverän auf dem Rad, ruhig und bescheiden abseits der Straße. Christopher Froome, der Dominator der 100. Tour de France, hat dem großen Jubiläum in Frankreich den Stempel aufgedrückt. „Der Sonnenkönig“, wie die Zeitung „L’Equipe“ ihn nannte, ließ sich Sonntagabend auf den Champs-Elysees feiern.

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„Es ist ein Traum, in Gelb auf die Champs Elysees zu fahren - einfach unglaublich“, sagte Froome, nachdem er am späten Sonntagabend gemeinsam mit seinen Mannschaftskollegen die Ziellinie überquert hatte. „Es wird eine Zeit lang dauern, bis ich das alles realisieren kann. Ich möchte mich bei meinen Teamkollegen bedanken, sie alle haben exzellente Arbeit geleistet.“

Christopher Froome

APA/EPA/Yoan Valat

Christopher Froome am Ziel seiner Träume

Die Überlegenheit des hageren Briten hat jedoch auch eine Menge Skepsis geweckt. Wie Lance Armstrong war auch der bis dahin mittelmäßige Froome nach schwerer Krankheit überragend zurückgekehrt. Der 28-Jährige beteuert, seine Leistungen seien das Ergebnis harter Arbeit. „Ich bin menschlich“, versicherte Froome. Auf dem Rad jedoch wirkte der fast zerbrechlich Brite im Vergleich zu seinen Konkurrenten phasenweise wie von einem anderen Stern.

Mit spielerischer Leichtigkeit

Schon bei der ersten Bergankunft in den Pyrenäen übernahm Froome das Gelbe Trikot und radelte den Rivalen mit geradezu spielerischer Leichtigkeit davon. Auf dem Anstieg zum Mont Ventoux wiederholte sich dieses Schauspiel. Auch in den beiden Einzelzeitfahren war Froome deutlich überlegen. Selbst als er im Finale der Königsetappe nach Alpe d’Huez unterzuckert einen Schwächemoment erlebte, baute er seinen Vorsprung auf die Gegner noch einmal aus.

Mehr als fünf Minuten trennten ihn am Sonntag vom Gesamtzweiten, der großen Tour-Entdeckung Nairo Quintana. Drei Etappensiege nahm er fast beiläufig mit. „Die größte Herausforderung war es, mental frisch zu bleiben und sich jeden Morgen zu motivieren, noch mehr Sekunden herauszuholen“, sagte Froome, der trotz der großen Überlegenheit auf großes Triumphgehabe verzichtete. „Ich freue mich, aber ich freue mich still“, erklärte er. Das entspricht seinem Charakter. Froome tritt stets bescheiden, fast zurückhaltend auf.

Doping ständiger Begleiter

Nur einmal während der drei Tour-Wochen verlor er für einen Moment die Contenance. Am Tag nach seinem Etappensieg auf dem Mont Ventoux wurde er auf einer Pressekonferenz fast ausschließlich zum Thema Doping befragt. „Hier sitze ich nach dem größten Sieg meiner Karriere und werde beschuldigt, ein Lügner und Betrüger zu sein. Das bin ich nicht“, ärgerte er sich, stand auf und ging.

Christopher Froome

APA/EPA/Yoan Valat

Froome neben seinen Rivalen Nairo Quintana (links) und Joaquin Rodriguez (r.)

Dabei versteht der ansonsten freundlich und höflich auftretende Brite durchaus, dass angesichts des Dauerthemas Doping jeder Tour-Sieger unter besonderer Beobachtung steht. „Es ist komplett verständlich, dass derjenige, der das Gelbe Trikot trägt, auf den Prüfstand kommt“, erklärte Froome, der als zweiter britischer Tour-Sieger nach dem diesmal verletzt fehlenden Bradley Wiggins über die Ziellinie in Paris rollte. „Wer immer in diese Position gelangt, wird mit dem Mikroskop untersucht.“

„Eine außergewöhnliche Reise“

Auf dem Weg dorthin hat Froome einen ungewöhnlichen Werdegang beschritten. Als Sohn britischer Eltern in Nairobi geboren, sammelte er seine ersten Erfahrungen als Profi in Südafrika. Sein erstes nationales Meistertrikot nähte er selber zusammen. Der kenianische Verband trug damals keine Meisterschaftsrennen aus. Und als Froome sich telefonisch danach erkundigte, erhielt er die Antwort, wenn er ein Trikot bringe, könne er den Titel haben. „Es war eine außergewöhnliche Reise vom Mountainbiker in Kenia zum Träger des Gelben Trikots“, sagte Froome. „Mir fehlen die Worte.“

Bei seinem Tour-Debüt 2008 erreichte der damals noch mit einem kenianischen Pass ausgestattete Froome Paris auf dem 84. Rang. Seit 2010 fährt er für das Team Sky. Dort blieb er zunächst hinter den Erwartungen zurück. Als Ursache wurde eine Bilharziose ausgemacht - eine lebensbedrohliche Wurmkrankheit, die das Blutsystem schwächt. Froome wurde erfolgreich behandelt, so dass er seine Leistungsfähigkeit zurückgewann. Doch noch immer muss er sich alle sechs Monate untersuchen lassen. „Die Krankheit ist noch immer in meinem Körper“, erklärte er.

Ende des Weges nicht absehbar

Die Rückkehr nach Krankheit hat Vergleiche mit Armstrong provoziert, der 1999 als Krebsüberlebender seinen betrügerischen Siegeszug bei der Tour begann. Alle sieben Siege wurden ihm aberkannt. „Man kann mich nicht mit Lance vergleichen“, sagte Froome. „Er hat betrogen, ich nicht.“ 2011 konnte Froome als Gesamtzweiter bei der Vuelta erstmals überraschend einen Podiumsplatz bei einer Drei-Wochen-Rundfahrt erobern. Im vergangenen Jahr beendete er die Tour als Zweiter hinter Wiggins. Schon damals war er in den Bergen stärker als der nominelle Sky-Kapitän, beugte sich aber der Stallorder. Diesmal hatte Froome freie Fahrt. Wo sein Weg endet, ist noch nicht absehbar.

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