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Gala gegen Fenerbahce ohne Happy End

So etwas hat Salzburg noch nicht gesehen, auch nicht während der EM 2008. Ein Jahr nach der Jahrhundertblamage gegen Düdelingen war die ausverkaufte Red-Bull-Arena am Mittwoch im Hinspiel der dritten Runde der Champions League-Qualifikation zwischen Red Bull Salzburg und Fenerbahce Istanbul ein Fußball-Druckkochtopf unter Volldampf. Am Ende stand ein für Salzburg unglaublich bitter schmeckendes 1:1.

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In einem der wohl besten Spiele in der Red-Bull-Ära führten die Salzburger durch ein Tor von Alan bis zur Nachspielzeit verdient 1:0. Dann sprang Andreas Ulmer der Ball im Strafraum an die Hand und Fenerbahce gelang durch Cristian in der 95. Minute noch der Ausgleich zum 1:1. Der späte Treffer wurde von den Tausenden türkischen Fans, die das Salzburger Stadion vorher in einen Hexenkessel verwandelt hatten, frenetisch bejubelt. Für das Rückspiel nächsten Dienstag in Istanbul stehen die Chancen zur Erreichung des Play-offs für Salzburg nun schlecht.

Elfmeter von Fenerbahce

ORF.at/Christian Öser

Der Elfer von Cristian brachte die Salzburger um die Früchte ihres starken Spiels

Schwere Aufgabe im Rückspiel

Ein Aufstieg wäre 3,5 Mio. Euro wert und zumindest die fixe Qualifikation für die Europa-League-Gruppenphase. Doch Fenerbahce war ein hochklassiger Gegner, überzeugte taktisch, athletisch und spielerisch und dürfte im Heimspiel nur schwer zu biegen sein. Doch Salzburg versteckte sich 94 Minuten lang nicht, zeigte erfrischenden Offensiv- und Tempofußball. Lediglich die Coolness vor dem gegnerischen Tor fehlte in einigen Szenen.

Salzburg begann den sechsten Anlauf auf die Gruppenphase der Champions League mit der erwarteten Aufstellung. Die Erfolgsmannschaft, die beim 5:1 gegen Meister Austria so gut funktionierte, sollte auch gegen den türkischen Vizemeister und Europa-League-Semifinalisten der letzten Saison bestehen und den Grundstein zum möglichen Einzug in die vierte Runde legen. Kevin Kampl, der die Haare diesmal im Salzburger Rot-Weiß gefärbt hatte, Alan und Kapitän Jonatan Soriano bildeten die Offensive.

Tempofußball auf beiden Seiten

Wie das Stadion standen auch beide Teams unter Druck, gaben von der ersten Minute an Vollgas. Die erste Großchance hatten die Salzburger, als Soriano mit einem Kopfball aus nächster Nähe an Volkan Demirel scheiterte, der den etwas zu schwachen Versuch nur Zentimeter vor der Linie bändigte (3.). Elferalarm gab es auch gleich in der Anfangsphase, doch der portugiesische Schiedsrichter Duarte Gomes ließ nach einer Attacke an Sadio Mane weiterspielen (6.). Ein Pfiff Gomes’, der es im Spiel nicht immer gut mit den Salzburgern meinte, wäre aber auch kein Fehler gewesen.

Volkan Demirel (Fenerbahce) und Jonatan Soriano Casas (Salzburg)

ORF.at/Christian Öser

Torjäger Soriano konnte nicht glauben, dass er den Ball nicht ins Tor brachte

Salzburg blieb am Drücker, vor allem Kampl zeigte Hochgeschwindigkeitsfußball, doch die Istanbuler-Hintermannschaft stand kompakt. Der Vizemeister der Türkei blieb brandgefährlich, lauerte auf jeden Fehlpass der „Bullen“, die bis dahin eine konzentrierte Leistung boten und Fenerbahce in die eigene Hälfte drückte. Zwingende Chancen blieben dennoch Mangelware. In der 28. Minute ging ein Heber von Marco Meilinger nach einem Corner nur knapp am Tor vorbei. Drei Minuten später entschärfte Demirel eine gute Hereingabe des flinken Manes spektakulär einhändig.

Alves-Tätlichkeit an Alan ohne Folgen

Vor der Pause kühlte die Partie etwas ab. Die Istanbuler, deren Marktwert ungefähr dreimal so hoch ist wie jener der Salzburger, hatten sich gut auf die anrennenden „Bullen“ eingestellt, zeigten aber auch eine schmutzige Gangart. Bruno Alves stieg nach einem Zweikampf im Strafraum Alan mit purer Absicht ins Gesicht. Weder gab es dafür die verdiente Rote Karte noch den fälligen Elfmeter vom portugiesischen Schiedsrichter für seinen Landsmann.

Ein Corner von Raul Meireles war Fenerbahces einzige Offensivaktion in dieser Phase. Vorne auf der anderen Seite drang Salzburgs bemühte Offensive nur selten durch die gut gestaffelte Abwehr des 18-fachen türkischen Meisters. So wie in der 45. Minute, als der stark spielende Meilinger sich durchdribbelte, auf Kampl ablegte, der junge Slowene jedoch weit über das Tor zielte.

Kevin Kampl (Salzburg) im Kampf um den Ball

ORF.at/Christian Öser

Der portugiesische Schiedsrichter Gomes hatte nicht immer alles im Blickfeld

Doch auch nach der Pause stürmten die Salzburger vehement Richtung gegnerisches Tor. Das Tempo hatten sie nicht in der Kabine vergessen, die Abgebrühtheit vor dem Tor schon. So verstolperte Soriano, in der heimischen Liga ein Torgarant, eine gute Vorlage Manes. Kurz darauf landete auf der anderen Seite ein Weitschuss des Niederländers Dirk Kuyt in den Armen des sonst wenig beschäftigten Peter Gulacsi.

Alan knackt den Torriegel

Für Fenerbahces Trainer Ersun Yanal war das eindeutig zu wenig und er brachte in der 58. Minute unter dem Jubel der gut 12.000 Fenerbahce-Fans 14-Millionen-Mann Moussa Sow statt Alper Potuk. Mit dem Senegalesen kam noch mehr Offensivkraft auf die Salzburger zu. Von ihm waren keine „Geschenke“ zu erwarten, so wie jenes von Alan in der 64. Minute. Der Brasilianer vergab einen optimalen Pass Manes alleine im Strafraum stehend auf leichtfertige Weise. Der Ball kullerte rechts am Tor vorbei, Demirel wäre geschlagen gewesen.

Doch der fast eineinhalb Jahre verletzt gewesene Stürmer machte seinen Schnitzer nur wenig später mehr als gut. Kampl ließ am Strafraum drei Istanbuler stehen, servierte Alan den Ball, der Demirel elegant überhob und im Nachsprinten den Ball zum mehr als verdienten 1:0 über die Linie drückte (68.). Zwei Minuten nach dem ausgelassenen und frenetisch beklatschten Torjubel war der Abend für Alan vorbei und Perus Rohdiamant Yordy Reyna durfte ran.

Alan de Carvalho (Salzburg)

ORF.at/Christian Öser

Alan jubelte über den erlösenden und verdienten Führungstreffer

Der Schock kam zum Schluss

Die Partie nahm noch einmal Fahrt auf. Die türkischen Fans im Stadion trieben ihr Team nach vorne, das sichtlich bemüht war, den Rückstand wettzumachen. In der 75. Minute nahm Salzburg-Coach Roger Schmidt Meilinger vom Platz, für ihn kam Stefan Hierländer. Salzburg zog sich nun etwas weiter zurück, kurbelte aber weiter in der Offensive, hier war es vor allem immer wieder Mane, der mit seinen Tempovorstößen Löcher in die Fenerbahce-Verteidigung riss.

Ein Loch im Netz gerissen hätte auch der Gewaltschuss von Sow, der in der 81. Minute aus 16 Metern an die Latte knallte. Gulacsi hatte gerade noch seine Hände im Spiel. Ein weiterer 20-Meter-Schuss von Sow ging nur knapp daneben (84.). Als die Salzburger schon an die Früchte ihrer beachtlichen Leistung dachten, sprang Ulmer in der letzten Minute der Nachspielzeit der Ball an die Hand. Cristian schickte Gulacsi beim Elfer lässig in die falsche Ecke, und Salzburgs CL-Träume bekamen wieder einmal einen schweren Dämpfer.

Martin Wagner, ORF.at aus Salzburg

CL-Quali, dritte Runde, Hinspiel

Mittwoch:

Salzburg - Fenerbahce 1:1 (0:0)

Red-Bull-Arena, 28.800 Zuschauer, SR Duarte Gomes/POR

Torfolge:
1:0 Alan (68.)
1:1 Cristian (95./Handelfer)

Salzburg: Gulacsi - Schwegler, Ramalho, Hinteregger, Ulmer - Meilinger (75./Hierländer), Kampl, Ilsanker, Mane (82./Berisha) - Alan (72./Reyna), Soriano

Fenerbahce: Volkan Demirel - Topuz, Yobo, Bruno Alves, Kadlec - Potuk (58./Sow), Meireles, Topal, Emre Belözoglu (69./Cristian), Kuyt - Webo

Gelbe Karten: Schwegler, Hierländer, Ilsanker bzw. Emre

Die Besten: Mane, Kampl, Meilinger, Schwegler bzw. Demirel, Sow

Rückspiel am 6. August im Sükrü-Saracoglu-Stadion von Istanbul - der Aufsteiger steht im Champions-League-Play-off, der Verlierer steigt ins Europa-League-Play-off um.

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