„Werden alles raushauen“
Kevin Kampl ist nach dem bitteren 1:1 von Red Bull Salzburg gegen Fenerbahce Istanbul Mittwochabend im Hinspiel der dritten Runde der Champions-League-Qualifikation unter Strom gestanden. „In Istanbul werden wir alles raushauen“, sagte Salzburgs Mittelfeldturbo nach der unbelohnten Topleistung der „Bullen“. Auch auf den Schiedsrichter war der 22-jährige Slowene sauer.
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Österreichs Vizemeister griff gegen den 18-fachen türkischen Meister von Beginn an und erspielte sich, angetrieben von Kampl, Marco Meilinger und Sadio Mane, gute Chancen, ehe Alan in der 68. Minute die verdiente 1:0-Führung nach einem Heber über Fenerbahce-Goalie Volkan Demirel gelang. Doch nachdem Salzburg mit in Österreich selten so gesehnem Tempo- und Offensivfußball 75 Minuten das Geschehen gegen den Europa-League-Halbfinalisten der Vorsaison diktiert hatte, machte ein Elfer von Cristian in der 95. Minute die Arbeit der Salzburger vielleicht zunichte.

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Gegen Alans Heber war Goalie Demirel machtlos
Alles gut - bis zur 95. Minute
Andreas Ulmer war der Ball im Strafraum an die Hand gesprungen. Der sonst sichere Salzburg-Goalie Peter Gulacsi war beim Elfer chancenlos. Bis dahin bot die Salzburger Defensive um Christian Schwegler, beim 5:1 in der letzen Meisterschaftsrunde gegen die Austria noch eine Schwachstelle, eine starke Leistung und ließ gegen die gefährlichen Stürmer Moussa Sow, Pierre Webo und Dirk Kuyt nur wenige Chancen zu - Fenerbahce blieb vor der Pause ohne Tormöglichkeit.
Das glückliche 1:1 bedeutet für die Türken, die sich auch ohne viele Torchancen als gut eingespieltes und defensiv hellwaches Team präsentierten, eine sehr gute Ausgangsposition im Rückspiel am Dienstag (20.45 Uhr, live in ORF eins) und könnte Millionen wert sein. Der Aufsteiger in das Champions-Play-off hat auch bei einem Ausscheiden 3,5 Mio. Euro und die Teilnahme an der Europa-League-Gruppenphase sicher.
Rückspiel im Hexenkessel
„Fener“ gilt als Heimmacht. 50.000 Fans verwandeln das Sükrü-Saracoglu-Stadion in einen brodelnden Hexenkessel. Wer die euphorische und lautstarke Unterstützung der Tausenden Fans in Salzburg erlebt hat, zweifelt nicht daran. Schon vor dem Stadion gaben die vielen blau-gelben Dressen der Fenerbahce-Fans den Farbton an, im Stadion gab es so etwas wie Auswärtsatmosphäre für Salzburg.
Die Ostseite des Stadions war fest in türkischer Hand. Der harte Kern der „Bullen“-Fans hielt zwar dagegen, ihre Gesänge gingen jedoch gegen die türkische Übermacht unter. Nicht so die Mannschaft, die mit ihrem schnellen Spiel in die Spitzen auch dem Gegner Respekt abverlangte. Fenerbahces neuer Coach Ersun Yanal gratulierte: „Ich wusste, dass Salzburg sehr schnell nach vorne spielen kann. Salzburg war die ersten 60, 70 Minuten sehr gut, hatte viele Torchancen.“

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Coach Schmidt gab die Marschroute vor
„Das war nur die erste Halbzeit“
Obwohl Yanal die Überlegenheit der Salzburger auch auf den Umstand zurückführte, dass in österreich bereits Meisterschaft gespielt wird, ist er für das Rückspiel zurückhaltend: „Die Salzburger haben heute gezeigt, dass sie eine sehr gute Mannschaft sind. Deshalb müssen wir sehr vorsichtig sein. Das war nur die erste Halbzeit, die zweite folgt in Istanbul. Aber wir wollen in die Champions-League-Gruppenphase und mit unseren Fans im Rücken werden wir diesen Schritt machen.“
Nicht, wenn es nach Salzburg-Trainer Roger Schmidt geht: Der 46-jährige Deutsche verbarg seine Gefühle nach dem bitteren Remis gut und wirkte nach außen nur leicht enttäuscht. „Ich bin enttäuscht, aber es war ein Hinspiel. Wir hätten den Sieg verdient, haben uns mehr Chancen als Fenerbahce herausgespielt. Im Rückspiel müssen wir ähnlich spielen, nur vor dem Tor effizienter sein.“

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Salzburgs schnelles Offensivspiel brachte „Fener“ in Bedrängnis
Aus Enttäuschung wird Entschlossenheit
Dass die Salzburger Wechselspieler Yordy Reyna, Valon Berisha und Stefan Hierländer nicht mehr das Topniveau der ausgetauschten Antreiber Meilinger, Mane und Alan hatten und Salzburg auch deshalb in den letzten Minuten zurückgefallen war, wollte Schmidt nicht bestätigen: „Wir haben ja nicht gegen irgendeinen Gegner gespielt und hatten bis zum Schluss unsere Chancen.“ Sonst sah Schmidt das Positive.
„Wir waren in der Lage, gegen eine starke Mannschaft defensiv gut zu stehen. Fenerbahce ist sehr heimstark, aber ich bin zu 100 Prozent überzeugt, dass wir noch unsere Chance haben weiterzukommen. Wir werden die Enttäuschung der letzten Minute in Entschlossenheit umwandeln, um das notwendige Tor zu schießen.“ Deshalb hoffte er auch, „dass nächste Woche in Istanbul nicht wieder ein Portugiese pfeift“. Schiedsrichter Duarte Gomes hatte einige Situationen zugunsten Fenerbahces ausgelegt.
„Zum Kotzen“
Vor allem der schmutzige Tritt von Fenerbahce-Neuzugang Bruno Alves in das Gesicht von Alan hätte bereits in der ersten Hälfte Rot für Gomes’ Landsmann sein müssen und auch ein Elfmeter - für Schmidt jedenfalls ein „klarerer Elfer als der gegen uns“. Auch Kampl hatte keine gute Meinung über den portugiesischen Referee und fand ihn schlicht „zum Kotzen“.
Kommt das dicke Ende noch?
Richtig schlecht könnte Salzburg aber noch Ende August werden. Denn die Istanbuler spielen derzeit nur aufgrund einer gerichtlichen Anordnung im Europacup. Nach einem Manipulationsskandal in der Saison 2010/11 sprach die UEFA eine Sperre gegen Fenerbahce aus, der Internationale Sportgerichtshof (CAS) hob die dreijährige Verbannung aber vorerst wieder auf, allerdings nur mit aufschiebender Wirkung. Das endgültige CAS-Urteil wird am 28. August gefällt, am letzten Tag der Rückspiele im Play-off.
Sollte die UEFA-Sperre doch bestätigt werden und Fenerbahce noch im Bewerb sein, ist das Chaos perfekt und Salzburg vielleicht gegen einen Club ausgeschieden, der gar nicht hätte teilnehmen dürfen. Doch die Salzburg-Fans können sich trösten. Nach der am Mittwoch gezeigten Leistung und falls der Club diese wiederholen kann, wird die Mannschaft auch in der Europa League eine starke Rolle spielen. Salzburg scheint nach vielen Versuchen international angekommen - ein Umstand, der die Konkurrenz in Österreich nicht erschrecken, sondern anspornen sollte.
Martin Wagner, ORF.at aus Salzburg
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