Blick bereits auf Rio gerichtet
Der Soundtrack zur US-Komödie „Sister Act“ über singende Nonnen ist 1993 mit Gold ausgezeichnet worden. 20 Jahre später sorgte ein Waldviertler „Sister Act“ für einen Eintrag in die Sportgeschichtsbücher. Doris und Stefanie Schwaiger holten sich in Klagenfurt als erstes österreichisches Frauen-Duo EM-Gold. Auf ihrem bisher größten Erfolg wollen sich die beiden Schwestern aber nicht ausruhen.
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Vor 8.000 Fans, darunter Bayern-Star David Alaba, und bei 35 Grad im Schatten im Klagenfurter Strandbad setzten sich die Schwaigers im Finale gegen die beiden Spanierinnen Elsa Baquerizo und Liliana Fernandez in drei Sätzen 2:1 durch und damit die EM-Krone auf. Und das, nachdem die Niederösterreicherinnen mit einer Niederlage im ersten Gruppenspiel einen klassischen Fehlstart ins Heimturnier am Ufer des Wörthersees hingelegt hatten.
Video vom Finale in der TVthek
Auftaktniederlage als Motivation
Doch dieser Dämpfer war schnell vergessen. „Wir hatten einfach den unbedingten Willen und die Überzeugung, dass wir es schaffen können“, sagte Doris Schwaiger nach dem Finalsieg, „nach der Niederlage gegen die Russinnen haben wir uns gesagt, dass wir das abhaken müssen. Wir haben dann immer besser ins Turnier gefunden und auch heute super gespielt und die Nerven behalten“. Im Finale ließen sich die Schwestern auch nicht vom zwischenzeitlichen Satzausgleich der beherzt kämpfenden Spanierinnen aus der Ruhe bringen.

APA/EXPA/Gert Steinthaler
Nach dem Finalsieg gab es die verdiente Abkühlung für die Europameisterinnen
Nach dreimal Platz fünf, zweimal bei Olympia 2008 und 2012 sowie zuletzt bei der WM 2013 in Stare Jablonki holten sich die beiden Schwestern erstmals in ihrer Karriere eine Medaille bei einem Großereignis - und die gleich in Gold. „Es ist unglaublich“, sagte Stefanie Schwaiger, die seit 2001 mit ihrer Schwester auch ein sportliches Gespann bildet. „Für uns ist ein Traum in Erfüllung gegangen“, jubelte auch Verbandspräsident Peter Kleinmann: „Das ist die Bestätigung, dass wir Weltklasse sind.“
„Jetzt ist alles möglich“
Und ihren Platz in der Weltspitze wollen die Schwestern nun festigen. Mit dem Schwung des EM-Titels hatte Stefanie, mit 26 zwei Jahre jünger als Doris, gleich eine Kampfansage für die Konkurrenz parat. „Ab jetzt ist alles möglich, wir haben den Schalter umgelegt“, so die Heeressportlerin. In der Stunde des Erfolgs durfte auch der Dank an das Trainerteam rund um Dirk Severloh nicht fehlen. Erst seit Beginn der Saison greift der Deutsche den Schwaigers unter die Arme.
„Unser Trainerteam hat einen wesentlichen Anteil daran. Sie haben uns während des Turniers immer wieder motiviert und uns bei kleinen Problemen geholfen“, so Doris Schwaiger. „Die Medaille war unser erklärtes Ziel, so sind wir in das Turnier gegangen“, sagte auch der 43-jährige Severloh, der einst auch die Deutschen Sara Goller und Laura Ludwig zum EM-Titel gecoacht hatte.
Mit Konzentration auf die wichtigen Details kitzelte der Deutsche das Maximum aus den Schwestern heraus. „Wir haben von Anfang an immer die kleinen Sachen und Bausteine angesprochen, sodass sie heute komplett agieren konnten.“ Severloh hatte seine Schützlinge akribisch auf alle möglichen Gegnerinnen vorbereitet und auch mental den richtigen Zugang gefunden. „Sie haben sich nicht aus der Ruhe bringen lassen“, so der Trainer.
Ein Sieg für die Oma
Der Blick der Schwaigers und ihres Trainers war, trotz einer kleinen Siegesfeier (Stefanie: „Natürlich werden wir darauf anstoßen, das kann ich versprechen“), deshalb bereits nach vorne gerichtet. Schon am Dienstag geht die Saison für die Niederösterreicherinnen in Berlin weiter. Das Fernziel heißt aber Olympia 2016 in Rio de Janeiro. Die Hoffnung auf Edelmetall in Südamerika ist nach dem EM-Titel jedenfalls auf allen Seiten groß. „Wir haben bei Olympia in Rio die seriöse Chance, Medaillen zu machen“, so ÖVV-Chef Kleinmann.
Eine Medaille bei Olympia wäre wohl auch die absolute Krönung für den im wahrsten Sinne des Wortes Vater des Erfolges: Manfred Schwaiger. Auf einer Wiese des elterlichen Bauernhofs im Waldviertel entdeckten Doris und Stefanie ihre Liebe zum Volleyball. „Was der Schwaiger-Papa mit seinem Waldviertler Schädel alles für seine Mädels tut - das hat er sich verdient“, sagte daher auch ÖVV-Präsident Kleinmann. Die vielleicht wichtigste Unterstützung im Finale kam für Doris Schwaiger aber von weiter oben. „Unsere Oma ist gestorben, heute ist das Begräbnis, sie schaut von oben zu. Sie hat uns sicher viel geholfen“, sagte die frischgebackene Europameisterin.
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