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Riesenjubel in Sarajewo

21 Jahre nach der Unabhängigkeit hat Bosnien-Herzegowina den erstmaligen Sprung zu einem Großturnier geschafft. 67 Minuten mussten die „Zmajevi“ (Drachen) in Kaunas zittern, ehe Vedad Ibisevic beim 1:0 gegen Litauen der entscheidende Treffer zum Sprung zur WM nach Brasilien 2014 gelang. Ein Triumph, der auch eine Brücke über die politischen Gräben des noch immer tief gespaltenen Landes sein soll.

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5.000 mitgereiste Anhänger sowie Zehntausende Fans zu Hause feierten den historischen Erfolg ausgelassen. Selbst die in Litauen anwesenden Journalisten mischten sich in die Freudentänze der Spieler nach dem knappen Sieg. In der bosnischen Hauptstadt Sarajevo erhellten Feuerwerke den Nachthimmel, Autocorsos wälzten sich durch die Straßen. Das Team wurde unter dem Jubel der Bevölkerung in einem offenen Bus vom Flughafen ins Stadtzentrum kutschiert.

Fans in Sarajevo

APA/AP/Amel Emric

In der bosnischen Hauptstadt Sarajevo wurde die Nacht zum Tag gemacht

„Habe an sie geglaubt“

„Was für ein großartiger Abend“, sagte Trainer Safet Susic. „Die Spieler haben immer daran geglaubt, dass sie es schaffen können, ich habe an sie geglaubt - so haben wir es gepackt!“ Bereits bei der WM 2010 und der EM 2012 war Bosnien-Herzegowina knapp an der Qualifikation gescheitert. Beide Male zog man im Play-off jeweils gegen Portugal den Kürzeren. „Es wäre eine wirkliche Ungerechtigkeit gewesen, wenn wir es nicht geschafft hätten“, sagte Susic.

Bei einem Unentschieden oder einer Niederlage wäre Bosnien-Herzegowina das Play-off der Gruppenzweiten nicht erspart geblieben. Diesen Umweg wollte das mit namhaften Legionären wie Ibisevic (Stuttgart), Edin Dzeko (Manchester City) und Miralem Pjanic (AS Roma) gespickte Team diesmal verhindern. Trainer Susic konnte seine Tränen bei einer improvisierten Pressekonferenz nach der Ankunft in Sarajevo gerade noch im Zaum halten. „Das ist die Belohnung für die harte Arbeit der vergangenen Jahre. Und es ist verdient, wenn man 30 Tore in zehn Spielen erzielt“, sagte der 58-Jährige.

Nicht überall Jubel

Die WM-Teilnahme soll auch eine die Völker verbindende Wirkung haben. Kein anderes Land im ehemaligen Jugoslawien war stärker vom blutigen Bürgerkrieg in den 1990er Jahren betroffen als Bosnien, die Arbeitslosenrate beträgt aktuell 28 Prozent. Muslime, Serben und Kroaten sind in dem aus mehreren Teilen zusammengesetzten Staat immer noch zerstritten. Auch vor der entscheidenden Partie im Baltikum waren nicht alle Einwohner Fans des Nationalteams.

Fans in Sarajevo

APA/AP/Amel Emric

Nicht überall im Land gab es Autocorsos so wie hier in Sarajevo

Während die Bosniaken dem Match gespannt entgegen blickten, hielten sich die Emotionen bei Serben und Kroaten in Grenzen. Die meisten bosnischen Serben unterstützen das serbische Nationalteam, die Reaktion in der Republika Srpska auf die WM-Qualifikation soll „kälter als kühl“ gewesen sein, wie Beobachter am Mittwoch schrieben. Ähnlich verhält es sich im westlichen Teil des Landes. Dort leben die bosnischen Kroaten: Sie interessieren sich vor allem für die im WM-Play-off stehende kroatische Nationalelf.

Dem widersprach hingegen Valentin Inzko, der aus Österreich stammende Hohe Repräsentant in Bosnien-Herzegowina. Auch Kroaten und Serben hätten sich gefreut. „Immer mehr Serben, etwa aus Banja Luka, drücken dem bosnischen Team die Daumen“, sagt Inzko. Banja Luka ist die Hauptstadt der Republika Srpska, die zu 90 Prozent von Serben bewohnt wird. 20 Prozent der Spieler Bosniens sind Kroaten oder Serben. Und: „Auch die anderen Ex-jugoslawischen Staaten freuen sich über die bosnische Qualifikation.“

Nummer eins auf dem Balkan

Die Mannschaft um die Toptorjäger Ibisevic (acht Qualitore) und Dzeko (zehn) soll dem zum Trotz als Vorbild für den gemeinsamen Zusammenhalt dienen. „Dieser Sieg reicht über die Grenzen des Sports hinaus und zeigt allen Menschen mit gutem Willen in unserem Land, dass eine bessere Zukunft möglich ist“, meinte der in Kaunas zum entscheidenden Spiel gegen Litauen anwesende Inzko, gegenüber dem bosnischen TV-Sender FACE TV.

Dass über einige Jahre hinweg Spieler der entsprechende Ethnien lieber für die Nationalmannschaft Kroatiens bzw. Serbiens spielten, wird sich laut Inzko nun auch ändern: „Da geht es um Attraktivität, jetzt werden bestimmt mehr Spieler zur bosnischen Elf hingezogen. Die bosnische Elf wird jetzt zum Magneten für Spieler werden. Der Marktwert steigt ja durch die WM-Teilnahme immens“, sagte der Diplomat.

Eine besondere Würze gibt dem bosnischen Triumph, dass Serbien, Montenegro, Slowenien und Mazedonien in den anderen Qualifikationsgruppen scheiterten. Kroatien darf immerhin in der Relegation hoffen. Zumindest für ein paar Wochen sind die von den Nachbarn lange belächelten Bosnier auf einmal die fußballerische Nummer eins unter den ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken. Auch in Brasilien im kommenden Jahr soll das veranschaulicht werden. „Wir werden zeigen, wie stark Bosnien ist“, sagte Topstürmer Dzeko.

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