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Klingenthal als erster Gradmesser

Am Wochenende beginnt die Weltcup-Saison der Skispringer, nach vielen Jahren mit dem Auftakt in Finnland finden die ersten Bewerbe heuer im deutschen Klingenthal statt. Der absolute Höhepunkt des Winters sind die Olympischen Spielen in Sotschi, es gibt aber auch viele weitere Herausforderungen. Österreichs Adler beginnen die Weitenjagd mit einem Sextett.

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Weltcup-Titelverteidiger Gregor Schlierenzauer, Thomas Morgenstern, Wolfgang Loitzl, Manuel Fettner, Stefan Kraft und Andreas Kofler reisen am Donnerstag nach Deutschland. Die Trainingssprünge in der Vogtland-Arena werden die ersten in dieser Saison auf Schnee sein. „Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, eine Weltcup-Saison ohne Schneesprünge zu beginnen“, sagte ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointner gegenüber der APA. Schlierenzauer und Co. absolvierten vergangene Woche auf dem Bergisel noch Einheiten auf der Matte.

„Fühlen uns dort sehr wohl“

Den ÖSV-Springern liegt die Schanze in Klingenthal, wo man schon am Ende der vergangenen Saison Schnee auf Vorrat produziert und bis jetzt konserviert hat. „In Sachen Schneesicherheit ist alles auf Grün, das Wetter muss überall passen. Auch von den Ergebnissen her fühlen wir uns dort sehr wohl, es ist eine hochmoderne Schanze“, sagte Pointner.

Die Saison ist gespickt mit Höhepunkten und beginnt nun auch eine Woche früher. „Wir haben nun fünf Wochenenden vor der Tournee, bisher waren es immer vier“, so Pointner, der bereits in seine zehnte Saison als ÖSV-Cheftrainer geht. Über 30 Weltcup-Springen, Vierschanzentournee, Heim-Weltcup auf dem Kulm, Olympische Spiele und Skiflug-WM im März stehen auf dem Programm. Da gilt es mit den Kräften gut hauszuhalten und auch die Saisonplanung gut zu timen.

„Medaille in jedem Olympiabewerb“ als Ziel

Zu den Höhepunkten gehören freilich auch Ziele. „Wir erhoffen uns natürlich in jedem Bewerb, da brauchen wir nicht tiefstapeln, eine Medaille“, sagte Pointner nach dem Olympiaziel befragt. Als Vorgabe will er das nicht verstanden wissen, aber: „Wir sind die erfolgreichste Mannschaft der vergangenen Jahre im Weltcup-Zirkus und haben eine sehr gute Vorbereitung hinter uns.“ Ein Mitgrund dafür sei das stark reduzierte Mitwirken am Sommer-Grand-Prix gewesen.

Gregor Schlierenzauer jubelt

APA/EPA/Antonio Bat

Schlierenzauer hat schon alles gewonnen - bis auf Olympia-Einzel-Gold

Für den 50-fachen Weltcup-Sieger Schlierenzauer geht die Rekordjagd weiter. Auch wenn ein dritter Gesamtweltcup-Sieg, ein dritter Tourneesieg en suite oder die Skiflug-WM in Harrachov tolle Herausforderungen für ihn sind - ganz oben steht der Wunsch nach Olympia-Einzel-Gold. „Er steht immer in der Auslage, die Latte liegt sehr hoch. Ohne akribische Vorbereitung funktioniert das nicht“, erklärt Pointner. Doch die Motivation fuße nicht darauf, dass Schlierenzauer Einzel-Olympiagold noch fehle, sondern darauf, dass er sich noch weiterentwickle.

Auf der Jagd nach dem Nationencup

Aus gesamtösterreichischer Sicht hofft Pointner, dass die Mannschaft wieder besser abschneidet als zuletzt. Nach der unglaublichen Serie von acht Nationencup-Siegen en suite hatte sein Team erstmals wieder das Nachsehen, auch in den sechs Weltcup-Teambewerben der Vorsaison stand Österreich nie ganz oben. Die Saison beginnt am Samstag (16.00 Uhr) in Klingenthal mit einem Team-Bewerb.

„Natürlich wurmt es mich, weil die mannschaftliche Dichte immer schon ein großes Ziel von mir war. Und es war auch die Basis des ganzen Erfolges der ‚Superadler‘, dass wir zuerst in der Mannschaft tolle Ergebnisse geliefert haben“, gestand Pointner. Dennoch sei eine Serie von acht Nationencup-Siegen in Folge einzigartig in der Weltcup-Geschichte und eben keine Selbstverständlichkeit.

Loitzl hat noch nicht genug

Der „Oldie“ im ÖSV-Team ist Wolfgang Loitzl, der bereits in seine 17. Saison startet. „Es gibt alle Jahre wieder Unbekannte, ob es die Konkurrenz ist oder auf dem Materialsektor. Jeder hat versucht, das Set-up zu verbessern“, sagte der Steirer. „Ich glaube, dass wir mannschaftlich ganz gut aufgestellt sind, und persönlich möchte ich die Trainer von meiner Leistungsfähigkeit überzeugen.“ Das möchte übrigens auch Janne Ahonen, der zum zweiten Mal aus der Sportpension zurückkehrt und im Sommer-GP mit einem dritten Tagesrang schon aufgezeigt hat.

An der Nebenfront sollen Martin Koch, Stefan Hayböck und Co. mit guten Leistungen im Kontinentalcup dafür sorgen, dass ab der Vierschanzentournee wieder sieben ÖSV-Adler fix im Weltcup dabei sind. „Das ist ein Riesenziel von uns“, sagte Pointner, der neben Alexander Diess mit dem Ex-Springer Andreas Widhölzl ab diesem Jahr einen zweiten Assistenten zur Seite hat.

Neuer Winter, neue Regeln

Wie fast jedes Jahr gibt es auch heuer Neuerungen im Regulativ: Einerseits an den Anzügen, andererseits bei der von den Cheftrainern gewählten Anlaufverkürzung. Die Nähte der Anzüge müssen nun an der Vorder- und Rückseite deckungsgleich sein, und wenn man mit selbst gewähltem verkürzten Anlauf springt, muss man zumindest 95 Prozent der Hillsize erreichen, sonst gibt es Punkteabzüge. Damit soll der Missbrauch der eigentlich aus Sicherheitsgründen eingeführten Regel für taktische Überlegungen ausgeschaltet werden.

Der Taschenrechner im Schanzenauslauf wird also noch mehr als bisher gefordert sein. Dem will der Internationale Skiverband (FIS) etwas vorbeugen. „Die Zuschauer sollen künftig eine eingeblendete Linie sehen, wie weit ein Springer hüpfen muss, damit er die Führung übernimmt“, sagte Renndirektor Walter Hofer. „Die Technologie wird zeigen, ob wir das tun können.“

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