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Bundesweite Spielmanipulationen

Die Spielmanipulations- und Wettbetrugsaffäre im österreichischen Fußball weitet sich aus: Wie am Donnerstagvormittag bekanntgeworden ist, hat die Polizei am Mittwoch den ehemaligen Bundesliga-Spieler des SV Grödig, Dominique Taboga (31), in Kärnten fest- und am Donnerstag in U-Haft genommen. Schon am vergangenen Freitag waren drei weitere Personen in Zusammenhang mit der Wettaffäre festgenommen worden.

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Es handelt sich dabei um einen Teammanager eines Regionalliga-Vereins, früher selbst Fußballprofi, und um zwei Albaner. Der Manager wurde in Wien festgenommen, für die Albaner klickten in Wien die Handschellen. Letztere sollen illegal in Klagenfurt gelebt haben und zu einem Wettkonsortium in Tirana gehören. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Salzburg, Marcus Neher, sagte am Donnerstag zur APA, dass gegen Taboga ein Antrag auf U-Haft gestellt werde.

Neher erklärte in einem Ö1-Interview vom Donnerstag außerdem, dass 30 weitere ehemalige und aktive Bundesliga-Spieler unter Verdacht stünden, an Manipulationen beteiligt gewesen zu sein. Sie sollen noch am Donnerstag in ganz Österreich einvernommen werden - unter Federführung der Task-Force Wettmanipulation des Bundeskriminalamtes. Seit 2004 sollen sie durch Geld, Drohungen oder Erpressung zu Manipulationen verleitet worden sein.

Wetten auf Spielausgang, Corner und Elfmeter

Gegen Taboga werde wegen Betruges in Zusammenhang von Spielmanipulation und Wettbetrug ermittelt, weiters wegen Veruntreuung, erklärte der Staatsanwalt. Taboga war offenbar an bundesweiten Spielmanipulationen beteiligt. Der 31-Jährige soll zudem 5.000 Euro aus der Mannschaftskasse des SV Grödig genommen und in die eigene Tasche gesteckt haben.

Ex-Grödig-Spieler Dominique Taboga jubelt mit seinen ehemaligen Teamkollegen

GEPA/Christian Ort

Der ehemalige Kapitän soll in die Mannschftskasse gegriffen haben

Taboga, der seit 14. November nicht mehr Spieler des SV Grödig ist, wurde bereits in die Justizanstalt Salzburg überstellt. Dort sitzen schon seit 15. November Ex-ÖFB-Teamspieler Sanel Kuljic (36) und der tschetschenische Konventionsflüchtling Sulim D. (32) in Untersuchungshaft. Sie sollen Taboga erpresst haben. Gegen sie wird ebenfalls wegen des Verdachts der Spielmanipulation und des Wettbetrugs ermittelt.

Jene drei Verdächtigen, die sich seit dem Wochenende in U-Haft befinden, sind laut Neher keine aktiven Fußballspieler. Es gebe Hinweise auf Spielmanipulationen, die das ganze Bundesgebiet und Spiele unterschiedlichster Vereine beträfen. Gewettet wurde offenbar auf Spielausgang, Corner und Elfmeter. Das Bundeskriminalamt ermittelt noch gegen weitere Verdächtige. Nicht bestätigten Informationen zufolge sollen rund zwei Dutzend Bundesliga-Spieler im Visier der Ermittler stehen.

Taboga hatte am 11. November gegenüber der Polizei in einer Anzeige angegeben, dass er erpresst werde. Tags darauf wurden Kuljic und dessen mutmaßlicher Komplize D. in Anif bei Salzburg von der Eliteeinheit Cobra festgenommen. Über die beiden wurde am 15. November in Salzburg die Untersuchungshaft verhängt. Sie bestritten aber vehement, Taboga erpresst und bedroht zu haben.

Versuchte Manipulationen gestanden

Vorerst blieb Taboga noch auf freiem Fuß. Anfangs wurde er von der Polizei in einer Pressekonferenz noch als Opfer bezeichnet. Doch sehr bald stellte sich heraus, dass der 31-Jährige in die Spielmanipulationsaffäre offenbar tief involviert ist. In einer polizeilichen Einvernahme gestand er schließlich, dass er insgesamt sieben Fußballspieler unterschiedlicher Bundesliga-Vereine für eine Spielmanipulation gewinnen wollte. Diese hätten aber alle abgelehnt, sagte Taboga.

Der Ex-Grödig-Spieler hatte der Polizei am 11. November geschildert, dass er wegen des entgangenen Wettgewinns unter Androhung von Gewalt gegen sich und seine Familie erpresst worden sei. Er habe schließlich „etwas unter 30.000 Euro“ an seine Erpresser bezahlt, so Taboga. Kuljic wies jedoch jede Schuld von sich. Taboga habe bei ihm private Schulden, und zwar rund 65.000 Euro für Einrichtungsgegenstände, rechtfertigte sich der Ex-Teamspieler.

Den Vernehmungsprotokollen zufolge, die der APA vorliegen, wollte Taboga die Schulden in Raten abzahlen. Zur Schuldenbegleichung leaste er auch einen BMW Mini Cooper für Kuljic. D. schlüpfte offenbar für Kuljic in die Rolle des Geldeintreibers. Kuljic und D. müssen wegen Verdunkelungsgefahr weiterhin in U-Haft bleiben. Das ist das Ergebnis der Haftprüfungsverhandlung vom Donnerstag am Landesgericht Salzburg. Kuljic wird wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs und wegen schwerer Erpressung beschuldigt. Die U-Haft wurde für beide für einen Monat verlängert.

Ex-ÖFB-Spieler Sanel Kuljic

GEPA/Christian Ort

Sanel Kuljic ist weiter in U-Haft

Kuljic bestreitet Wettbetrug

Der Verteidiger von Kuljic, der Salzburger Rechtsanwalt Franz Essl, erklärte gegenüber der APA: „Laut Aussage des in U-Haft befindlichen Teambetreuers sollen mehrere von diesem konkret bezeichnete Spiele manipuliert worden sein. Mein Mandant hat mit Wettbetrug nichts zu tun. Die Vorwürfe sind auch leicht zu entkräften: Vorwiegend geht es um Spiele des SV Kapfenberg. Zum Zeitpunkt dieser Spiele spielte mein Mandant großteils gar nicht beim SV Kapfenberg, sondern beim FCS Xamax Neuchatel. Bei einem Spiel - SV Kapfenberg gegen Red Bull Salzburg am 17. März 2012 (Endstand 0:1, Anm.) – hat mein Mandant nur die erste Halbzeit gespielt, und es stand damals 0:0.“

Der SV Grödig trennte sich am 14. November einvernehmlich von Taboga, nachdem dieser gegenüber Vereinsmanager Christian Haas zugegeben hatte, er habe im vergangenen Winter vier Mitspieler zur Spielmanipulation anstiften wollen. Es sei aber zu keiner Spielmanipulation gekommen, soll Taboga laut Haas bei dem Gespräch beteuert haben. Das Bundeskriminalamt in Wien ist mit den Ermittlungen in Zusammenhang mit Spielmanipulation und Wettbetrug betraut. Über die konkrete Zahl der in Verdacht geratenen Personen wird offiziell keine Auskunft gegeben.

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