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„Was kann man mehr erwarten?“

Die Premiere der Wiener Austria in der Champions League darf trotz Platz vier und dem damit verbundenen Aus als voller Erfolg gewertet werden. Mit dem 4:1 gegen Zenit St. Petersburg am Mittwoch gelang den „Veilchen“ ein furioser Abschluss und das Ende der sieglosen Durststrecke der österreichischen Clubs. „Es war ein schöner Herbst“, sagte Trainer Nenad Bjelica.

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Nach der Auslosung für die Gruppenphase hätten wohl nur die kühnsten Optimisten der Austria, selbst in der vermeintlich leichteren Gruppe mit Atletico Madrid, dem FC Porto und St. Petersburg, fünf Punkte zugetraut. Dementsprechend zufrieden bilanzierte Bjelica - Platz vier und das damit verbundene Aus im Europacup hin oder her. „Wir haben mit der Qualifikation für die Champions League unser Ziel schon übertroffen“, sagte der Austria-Trainer, „und dann haben wir den ersten Punkt in der Champions League geholt, das erste Tor geschossen und den ersten Sieg gefeiert. Was kann man mehr erwarten?“

Austria-Trainer Nenad Bjelica

ORF.at/Christian Öser

Nicht nur Bjelica hatte mit der Vorstellung seiner Truppe seine Freude

Beim ersten Auftritt einer österreichischen Mannschaft in der Champions League nach achtjähriger Pause - 2005/06 hatte es Erzrivale Rapid in die Gruppenphase geschafft - war man vom Prädikat Kanonenfutter weit entfernt. „Nach der Auslosung hat uns sicher keiner etwas zugetraut. Wir waren der klare Underdog“, sagte Torhüter Heinz Lindner, der sich mit zahlreichen Glanzparaden in die internationale Auslage stellte, „ich glaube, wir und ganz Österreich können stolz jetzt sein“.

Nur Sturm war besser

Beim letzten Spiel gegen St. Petersburg wurden die geringen Erwartungen sogar übertroffen. Das 4:1 bedeutete nicht nur den ersten Sieg der Austria in der Champions League, sondern auch den ersten einer österreichischen Mannschaft in der „Königsklasse“ seit Sturm Graz in der Zwischenrunde 2001. Die Steirer hatten damals Panathinaikos Athen mit 2:1 bezwungen. Auch sonst darf man sich aus rot-weiß-roter Sicht die violette Bilanz einrahmen. Vier Tore in einem Champions-League-Spiel waren davor noch keiner österreichischen Mannschaft gelungen, mehr als fünf Punkte verbuchte zuletzt abermals Sturm in der Saison 2000/01 mit neun.

Bjelica lobte dafür seine Mannschaft. „Beim Fußball zählen Herz, Leidenschaft und Teamarbeit, damit haben wir auch Unterschiede in der Qualität kompensieren können“, sagte der Kroate. Vor allem im letzten Spiel saß das Herz bei den Violetten am rechten Fleck. „Wir waren eine Topmannschaft und als Mannschaft können wir jeden schlagen“, sagte Bjelica. Ähnlich sah es auch Marko Stankovic: „Heute haben wir in eindrucksvoller Manier bewiesen, dass wir international mithalten können, wenn jeder 100 Prozent gibt.“

„Kaltschnäuzigkeit hat gefehlt“

Dass die teuren Stars von St. Petersburg in der zweiten Hälfte aufgrund des Zwischenstandes aus Madrid (2:0 für Atletico gegen Porto) und daher mangels Motivation mehr zuschauten als spielten, kann die starke Leistung der Austria nicht schmälern. „Wir können auf alle sechs Spiele stolz sein, nicht nur auf das letzte“, sagte Bjelica, der den Einsatz seiner Mannschaft auch mit Zahlen untermauern konnte. „Wir sind gegen Zenit als Mannschaft 121 Kilometer gelaufen, der Durschnitt sind 114 Kilometer. Heute sind wir für den Einsatz belohnt worden, das Team verdient sich dafür großes Lob.“

Kopfball von Kaja Rogulj (Austria)

ORF.at/Christian Öser

Rogulj war einer der vielen „Kilometerfresser“ der Austria gegen Zenit

Das Lob gilt aber nicht nur für das letzte Spiel. Mit Ausnahme der Spiele gegen Atletico Madrid präsentierten sich die Wiener mit den prominenten Gegnern auf Augenhöhe. Was zum Aufstieg fehlte, war nur das sprichwörtliche „Alzerl“ an Glück. „Die Kaltschnäutzigkeit und die Erfahrung hat uns gefehlt“, sagte Bjelica. Vor allem im ersten Spiel wurde das den Austrianern zum Verhängnis. Das 0:1 gegen Porto im ersten Heimspiel, da waren sich Trainer und Spieler einig, machte am Ende den Unterschied zwischen Platz vier und drei und dem damit verbundenen Verbleib in der Europa League aus.

Russische Störenfriede

Nur eines trübte die Freude in Violett: russische Chaoten auf den Rängen. Denn einige der mitgereisten „Fans“ aus St. Petersburg benutzten das Spiel, um sich als Störenfriede in Szene zu setzen. Die Hooligans schossen aus dem dritten Rang Leuchtraketen in einen darunter liegenden Sektor. Zudem setzte man auch zum Sturm auf die Austria-Fans an, etwas, das erst durch die Polizei unterbunden werden konnte. „Wir haben uns echt bedroht gefühlt. Weniger vor den Handgreiflichkeiten zwischen den Fans als vor einer möglichen Panik, wenn noch mehr Feuerwerkskörper in die umliegenden Sektoren geflogen wären“, sagte ein schockierter Zuschauer nach dem Spiel - mehr dazu in oesterreich.ORF.at

Sowohl Bjelica als auch sein Gegenüber Luciano Spalletti schüttelten nach dem Spiel den Kopf über die Ausschreitungen, die beinahe zum Abbruch der Partie geführt hatten. „Das war peinlich und eine Katastrophe“, sagte der Austria-Trainer, "das hat auf einem Fußballplatz nichts verloren. Zenit-Coach Spalletti ging mit den eigenen Zuschauern ebenfalls hart ins Gericht: „Wenn sie nur kommen, um zu randalieren, ist es besser, sie bleiben gleich zu Hause.“ Dass sich vor dem Anpfiff einige Greenpeace-Aktivisten als Cheerleader verkleidet bei der UEFA-Hymne auf das Feld schwindelten, erboste angesichts der Vorgänge im russischen Sektor nur einige UEFA-Delegierte.

Verhaftung eines Zenit-Fans

ORF.at/Christian Öser

Dieser „Fan“ durfte den Ausgang des Spiels mit den Polizeibeamten besprechen

Wunsch nach Wiederholung

Der erste Auftritt in der Champions League der Austria machte dennoch Lust auf mehr, vor allem bei den Spielern. „Wir haben sechsmal dieses Gänsehautfeeling erlebt, jetzt müssen wir schauen, dass wir nächstes Jahr wieder dabei sind“, sagte Markus Suttner. Bjelica pflichtete bei: „Wir wollen auch nächstes Jahr solche Champions-League-Abende genießen.“ Doch dazu muss die Austria den Titel verteidigen. Bereits am Sonntag könnte in dieser Hinsicht eine Vorentscheidung fallen, gastiert man doch beim überlegenen Tabellenführer Salzburg. „Mit drei Punkten können wir uns am Leben halten“, so Bjelica.

Der Trainer baut dabei auf die wiedergefundene Form von Torjäger Philipp Hosiner, der mit einem Doppelpack zum Sargnagel für Zenit wurde. „Er ist seit zwei Monaten der alte Hosiner“, sagte Bjelica, „wenn er so weitermacht, werden wir noch viel Freude mit ihm haben.“ Dass sich die Austria gegen Salzburg aber ähnlich präsentiert, ist mit Rückblick auf die bisherige Formkurve der Austria keine ausgemachte Sache. Denn Licht und Schatten im violetten Spiel wechselten sich heuer ab wie Tag und Nacht. „Wir sind eine Wundertüte“, sagte Bjelica, „aber ich hoffe, wir nehmen genug Selbstvertrauen mit“.

Karl Huber, ORF.at

Champions-League-Gruppe G, sechster Spieltag

Mittwoch:

Austria Wien - Zenit St. Petersburg 4:1 (1:1)

Ernst-Happel-Stadion, 37.500 Zuschauer, SR Stavrev (MKD)

Torfolge:
0:1 Kerschakow (35.)
1:1 Hosiner (44.)
2:1 Jun (48.)
3:1 Hosiner (51.)
4:1 Kienast (93.)

Austria: Lindner - Dilaver, Rogulj, Ortlechner, Suttner - Holland - Murg (60./Royer), Stankovic (68./Simkovic), Mader, Jun (83./Kienast) - Hosiner

Zenit: Lodygin - Ansaldi (83./Smolnikow), Hubocan, Lombaerts, Criscito - Witsel, Schirianow (63./Arschawin) - Fajzulin (83./Bystrow), Schirokow, Hulk - Kerschakow

Gelbe Karten: Ortlechner, Dilaver bzw. Hulk

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