Abgesang einer Fußballgroßmacht
Ausgerechnet der in der Serie A im Niemandsland herumirrende AC Milan hat am Mittwoch mit einem 2:0 im direkten Duell gegen Ajax als einziger der italienischen Topclubs den Aufstieg ins CL-Achtelfinale geschafft. Für Ligaspitzenreiter Juventus und den Tabellendritten der Liga, SSC Napoli, kam hingegen überraschend das Aus.
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Für die Napolitaner war der versäumte Aufstieg ins Achtelfinale besonders bitter, feierten sie doch zum Abschluss gegen Arsenal einen 2:0-Heimerfolg und erhöhten ihr CL-Punktekonto auf zwölf Zähler. Das war nicht genug. Zum Vergleich: In der Austria-Gruppe G kam Zenit St. Petersburg mit gerade einmal sechs Punkten, also halb so vielen, weiter.
Fassungslosigkeit bei Napoli
„So auszuscheiden ist unglaublich. Absurd. Ich kann es nicht glauben“, klagte ein hemmungslos weinender Stürmer Gonzalo Higuain. „Wir haben den Premier-League-Spitzenreiter geschlagen, ich kann nicht glauben, dass wir nicht im Achtelfinale stehen.“ Die „Gazzetta dello Sport“ schrieb: „Der Traum löst sich plötzlich auf. Die Todesgruppe kennt kein Pardon.“

APA/EPA/Cesare Abbate
Jose Maria Callejon war trotz seines Treffers zum 2:0 am Boden zerstört
Ein drittes Tor, und Napoli hätte Arsenal noch aus dem Bewerb geschmissen, so hatten die Italiener knapp das Nachsehen und müssen mit dem Umstieg ins Sechzehntelfinale der Europa League vorlieb nehmen. Verständnis für die Trauer Napolis kam von Arsenal-Trainer Arsene Wenger: „Es war eine schwere Gruppe, und ein Team musste ausscheiden. Es ist sehr schwer für jene Mannschaft.“ Napoli-Coach Rafael Benitez versuchte es denn auch mit Fassung zu tragen: „Wir hätten den Aufstieg verdient, aber so ist Fußball eben.“
Juventus beklagt Platzverhältnisse
Bei Juventus reagierte nach dem verpassten Aufstieg die Wut. Die Turiner hatten es in der eigenen Hand, vergaben ihre Chance aber mit einer 0:1-Niederlage im direkten Duell mit Galatasaray Istanbul. Das Spiel war am Dienstag wegen Schneefalls in der Türkei abgesagt und am Mittwochnachmittag trotz schlechter Platzverhältnisse fortgesetzt worden. „Das war kein Fußballspiel, wir haben es nicht einmal geschafft, zu schießen“, schimpfte Verteidiger Giorgio Chiellini. Juve hatte beantragt, das Spiel zu verschieben, doch ohne Erfolg.
„Der Schiedsrichter hat mich wütend gemacht. Es gab den festen Willen zu spielen, aber das ist kein Sport“, monierte Trainer Antonio Conte. „Es tut weh, so aus einem so wichtigen Wettbewerb auszuscheiden. Ich bin sicher, dass es auf einem besseren Platz ein anderes Spiel gewesen wäre.“ Die Zeitung „Tuttosport“ kritisierte nicht nur den Schiedsrichter, sondern vermutete eine weitere Verschwörung: Die Hälfte, in der Juventus für 45 Minuten lang angreifen musste, sei absichtlich stärker ruiniert worden. „Die Posse war, dass man in der Hälfte, in der wir angegriffen haben, nicht wirklich spielen konnte“, schimpfte Conte.
Somit vertritt einzig noch der AC Milan Italiens Farben im Achtelfinale, das am Montag ausgelost wird. „Wir sind stolz. Aber es könnten mehr italienische Mannschaften weiter sein. Das ist enttäuschend“, sagte Stürmer Mario Balotelli. Die „Gazzetta dello Sport“ fand deutlichere Worte über das schwache Abschneiden: „Ohne Selbstmitleid oder Scheinheiligkeit: Das ist Krise.“
Deutschland und England dominieren
Von einer Krise nichts zu sehen ist derzeit in Deutschland und England. Beide Länder sind mit je vier Vereinen am stärksten im Achtelfinale vertreten. Noch nie war Deutschland so stark. „Alle vier deutschen Mannschaften sind weiter. Das ist ein überragendes Ergebnis“, sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc, nachdem sich Dortmund durch das 2:1 in Marseille in die nächste Runde gezittert hatte. Die Erlösung für den Vorjahresfinalisten gelang Kevin Großkreutz erst mit seinem Treffer in der 87. Minute. „Wir haben das Schicksal durch ein erwürgtes Tor erzwungen“, sagte Trainer Jürgen Klopp.
Während die Bayern mit David Alaba souverän weiterkamen, schafften es Leverkusen und Schalke ebenfalls erst am letzten Spieltag. Schalkes 2:0 im „Endspiel“ gegen Basel hat allerdings einen fahlen Beigeschmack, denn beim zweiten Treffer standen gleich vier Spieler klar im Abseits. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus sieht die deutsche Bundesliga „inzwischen als stärkste Liga in Europa“.
Nominell stellt England mit Manchester United, Manchester City, Chelsea und Arsenal ebenso viele Clubs im Achtelfinale wie Deutschland. Danach folgt Spanien mit den drei Vertretern Real Madrid, Atletico Madrid und Barcelona. Das Achtelfinale im „Konzert der Großen“ komplettieren Milan, Galatasaray Istanbul, Paris Saint-Germain, Olympiakos Piräus und Zenit St. Petersburg.
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