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„Veilchen“ nach 2:2 in Ried heiß

44 Minuten lang ist das Bundesliga-Duell zwischen SV Josko Ried und Austria Wien am Sonntag dahingeplätschert. Kurz vor der Pause nahm das Spiel dann aber plötzlich rasant an Fahrt auf. Für Aufregung beim 2:2 in der Keine-Sorgen-Arena sorgten aber nicht spielerische Glanzpunkte, sondern Referee Dominik Ouschan, der mit zwei fragwürdigen Entscheidungen für erhitzte Gemüter sorgte.

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Zunächst schickte Ouschan Austria-Mittelfeldspieler James Holland nach einem harmlosen Zusammenprall, bei dem der Australier Ried-Spieler Andreas Schicker mit dem Ellbogen am Hals erwischte, mit Gelb-Rot vom Platz. „Es war ein normaler Zweikampf, die Entscheidung ging da wohl vom vierten Offiziellen aus“, meinte Austria-Coach Herbert Gager im Hinblick auf das theatralische Gebaren Schickers, der sich zunächst auf dem Boden wälzte, nach Hollands Ausschluss aber schnell wieder aufstand. „Dass der vierte Schiedsrichter so viel hineinruft und eingreift, habe ich noch nie erlebt“, sagte Gager.

James Holland (Austria) sieht die rote Karte

GEPA/Felix Roittner

Ouschan schickte Holland kurz vor der Pause vorzeitig in die Kabine

„Gegner springt mit Körper in mich rein“

Auch das anschließende 1:0, bei dem der heranspringende Gerard Oliva Goalie Heinz Lindner samt Ball ins Tor bugsierte, sorgte für ebenso heftige wie erfolglose Beschwerden der Austria beim Schiedsrichtergespann. „Das war eher ein Kung-Fu-Fighting“, sagte Gager. Auch Lindner, dem ein Eigentor zugerechnet wurde, war fassungslos. „Ich glaube, jeder im Stadion hat gesehen, dass ich ins Tor geschubst wurde. Der Gegner springt mit dem Körper in mich rein“, sagte der ÖFB-Teamgoalie, der gerne auf die Ehre verzichtet hätte, den 500. Treffer der laufenden Saison erzielt zu haben.

Selbst Ried-Coach Michael Angerschmid kam nicht umhin, das anzuerkennen. „Dem 1:0 ist schon ein klares Foul vorausgegangen, das war für uns natürlich glücklich“, meinte der Oberösterreicher. Auch Schiedsrichter Ouschan musste nach Studium der TV-Bilder eingestehen, dass es „mit Sicherheit eine Fehlentscheidung war, nicht auf Freistoß, sondern auf Tor zu entscheiden“. Laut seinem Assistenten hatte der Ball aber bereits vor dem Foul an Lindner die Torlinie überquert. Zum Platzverweis wollte er nichts sagen. Schicker, der von Holland gefoult wurde, meinte lediglich, dass „Holland aktiv an meinen Kehlkopf gekommen“ sei. Allerdings könnte er auch „selbst in ihn reingerannt“ sein.

Ramsebner rettet Austria mit Last-Minute-Treffer

Unzufrieden waren die „Veilchen“ aber nicht nur mit der Leistung des Unparteiischen, auch ihr eigenes Auftreten habe eine Woche vor dem Wiener Derby bzw. vier Tage nach dem klaren 3:0 gegen Salzburg zu wünschen übrig gelassen - zumindest vor der Pause. „In der ersten Halbzeit waren wir viel zu passiv und viel zu träge. Es war eigentlich ein Sommerkick von unserer Seite“, so Gager im ORF-Interview. „Die Gelb-Rote Karte und das Tor haben eigentlich gut zu unserer Leistung gepasst.“ Nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Philipp Hosiner (58.) und der neuerlichen Führung durch Rene Gartler (78.) rettete schließlich Christian Ramsebner der Austria in der 94. Minute ein Remis.

Schiedsrichter Dominik Ouschan und Trainer Herbert Gager (Austria)

GEPA/Felix Roittner

Austria-Coach Gager war nach der ersten Halbzeit kaum zu beruhigen

Dass Holland bereits vor seinem Ausschluss unter besonderer Beobachtung von Schiedsrichter Ouschan stand und in der Pause ausgetauscht werden hätte sollen, wollte der Austria-Coach auch nicht in Abrede stellen. „Vielleicht haben wir das heute auch gebraucht“, so Gager. Vielmehr freute den 44-Jährigen die Leistung seiner Auswahl nach der Pause. „Kompliment an die Mannschaft. Sie hat nach Ausschluss und Rückstand wieder einmal Moral bewiesen. Wir haben uns den Punkt mehr als verdient“, so Gager, der mit den Favoritnern auch im siebenten Spiel seiner Ära ungeschlagen blieb.

Rapid verschafft sich im Europacup-Rennen Luft

Während die Austria und Ried mit dem Remis zwei wichtige Punkte liegenließen, kam Rapid der Teilnahme am Europacup am Samstag wieder einen großen Schritt näher. Durch den 2:0-Heimerfolg über Sturm Graz ist der Top-Drei-Platz der Hütteldorfer bereits mit fünf Punkten Vorsprung abgesichert, weil sich der Grödiger Sturzflug mit einem 0:4 bei der Admira fortsetzte. Die Austria liegt als Dritter (46 Punkte) drei Zähler vor den Salzburgern (43), Ried (39) fehlen auf die drittplatzierten „Veilchen“ sieben Punkte.

Steffen Hofmann (Rapid) und Anel Hadzic (Sturm)

GEPA/Philipp Brem

Rapid hat sich die besten Karten für einen Europacup-Startplatz gesichert

Für Rapid war es der vierte volle Erfolg ohne Gegentor en suite, dennoch wirkte Trainer Zoran Barisic nicht rundum zufrieden. „Das ist zwar eine schöne Bilanz, trotzdem haben wir immer wieder vergessen, Fußball zu spielen“, so der Wiener. Dem Coach missfiel, dass seine Mannschaft nach der schnellen 2:0-Führung aus den Kontermöglichkeiten kein Kapital schlagen konnte. Beeindruckt zeigte sich Barisic vom Auftritt seines Kapitäns Steffen Hofmann, der ein Tor per Freistoß selbst erzielte und den zweiten Treffer mit einer Freistoßflanke vorbereitete.

Für Sturm endete indes nach zuvor zwei Siegen ein kleiner Erfolgslauf. Damit wurde wohl auch die letzte Chance verspielt, noch über die Meisterschaft in die Europa-League-Qualifikation zu gelangen. Dennoch bemerkte Trainer Darko Milanic bei seinem Team klare Fortschritte. „Wir sind jetzt sicher besser als zu dem Zeitpunkt, als ich die Mannschaft übernommen habe“, sagte der 46-Jährige.

Grödiger Absturz geht munter weiter

Im Gegensatz dazu steht die Grödiger Bilanz nach dem 4:0 bei der Admira aus den vergangenen zwei Spielen bei zwei Niederlagen und 0:10 Toren. „Es ist derzeit der Wurm drinnen. Wir sind aber auch nicht mehr die Mannschaft vom Herbst, jede Woche fehlt ein anderer. Mit diesem Kader können wir mit Rapid und Austria im Kampf um die Europa-League-Plätze nicht mithalten“, meinte Trainer Adolf Hütter, der am Montag bekanntgab, dass er die Grödiger zu Saisonende verlassen wird.

Der Erfolg der Admira über den Aufsteiger hat das Schicksal von Schlusslicht Wacker Innsbruck wohl endgültig besiegelt, auch wenn sich Coach Michael Streiter nach dem 0:0 bei Meister Red Bull Salzburg kämpferisch gab. Wacker ist als Tabellenletzter elf Punkte vom vorletzten Platz entfernt, auf dem seit Samstag der SC Wiener Neustadt liegt. „Wir müssen ganz einfach daran glauben. Es sind noch 18 Punkte zu vergeben, da kann noch einiges passieren“, sagte der Tiroler, gab aber auch zu: „Letztendlich ist es ein Punkt, der uns nicht wirklich weiterhilft.“

Durch das 4:0 vor eigenem Publikum gegen Grödig steht die Admira erstmals in dieser Saison an der achten Stelle und hat den Klassenerhalt (elf Zähler Vorsprung auf Schlusslicht Wacker Innsbruck) wohl endgültig unter Dach und Fach gebracht. „Wir haben nach dem Punkteabzug immer an das Wunder geglaubt, aber auch gedacht, dass es länger dauert, dieses zu schaffen“, sagte Trainer Walter Knaller nach dem dritten Sieg in den jüngsten fünf Partien.

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