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„Grenzen überschritten“

Ein ungeheuerlicher Vorfall heizt die Stimmung vor dem Wiener Derby zwischen Austria und Rapid am Sonntag (15.00 Uhr, live in ORF2) zusätzlich an. Austrias U19-Nationalspieler Valentin Grubeck wurde nach dem Training von rund 15 vermummten Rapid-Fans niedergeschlagen. Der verletzte Jung-Austrianer liegt derzeit im Spital.

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Der Angriff ereignete sich am Donnerstagabend zwischen 20.00 und 21.00 Uhr nach dem Training der Amateurmannschaft auf dem Parkplatz der Generali Arena. Laut Austria versuchten die Angreifer, das Austria-Fanzentrum zu stürmen, wo gerade Choreographien für das Derby vorbereitet wurden.

Die Polizei bestätigte die Attacke und eine Verhaftung. Sie habe Informationen über zehn bis 15 Angreifer erhalten, denen es möglicherweise auch um den Rucksack des 19-Jährigen gegangen sei. Laut Polizeisprecherin Adina Mircioane wurde kurz nach dem Überfall ein Verdächtiger festgenommen. Weder der mutmaßlich Beteiligte an der Attacke noch das Opfer wurden bisher einvernommen.

Grubeck nach Angriff verletzt

Grubeck zog sich laut ersten Untersuchungen unter anderem Prellungen im Rücken- und Brustkorbbereich zu. Gegen die Schmerzen im Brustkorb, Rücken und in den Knien bekommt er Tabletten und Infusionen. Die einzige positive Nachricht für den Oberösterreicher, für den der Angriff ein „gewaltiger Schock“ war, ist, dass er keine schwere Knieverletzung erlitt. Bis Samstag muss er im Spital bleiben, danach will er „so bald wie möglich“ zurück auf den Rasen.

Gegenüber „Wien heute“ schilderte Grubeck die Attacke. Er sei auf dem Weg zur Bushaltestelle gewesen, als eine Gruppe von 15 vermummten Personen Richtung Stadion stürmte. Zwei seien in seine Richtung abgebogen. Sie hätten ihn gefragt, ob er zur Austria gehöre: „Dann hat mich einer von den beiden zu Boden gerissen, dann haben sie begonnen, mit dem Eintreten und Einschlagen.“ Er habe geschaut, dass er seinen Kopf schütze.

„Einfach nur traurig“

„Das ist einfach nur traurig“, sagte der 19-Jährige. „So etwas hat beim Fußball nichts verloren. So wird das Image des Sports und auch des Vereins doch nur zerstört. Rapid steht eigentlich für gute Fans und tolle Stimmung im Stadion. Aber durch solche Idioten wird alles zerstört“, sagte Grubeck, der zuvor noch nie in eine Rauferei verwickelt war.

Austria-Manager Markus Kraetschmer

GEPA/Christian Ort

Die brutale Attacke hat für Kraetschmer „Grenzen überschritten“

Austria-Manager Markus Kraetschmer sagte: „Es wurden Grenzen überschritten, die nicht zu tolerieren sind. Was da passiert ist, sind ganz massive Angriffe auf die Austria-Familie.“ Der Finanzvorstand forderte sofortige Konsequenzen: „So ein Vorfall ist unentschuldbar. Wir erwarten uns seitens der Polizei sowie des SK Rapid, dass man rigoros gegen diese Leute vorgeht.“

Rapid verurteilt Attacke

Rapid reagierte in einer Presseaussendung auf die Vorfälle und verurteilte die Attacke auf den jungen Spieler. „Trotz (noch) fehlender detaillierter Informationen zu den Geschehnissen möchte der SK Rapid auf diesem Wege wiederholt klarstellen, dass Gewalt, egal ob gegen Fans bzw. gar Spieler oder Funktionäre, auf das Schärfste zu verurteilen und nicht akzeptabel ist. Die mutmaßlichen Täter müssen mit strikten Konsequenzen rechnen, so sie tatsächlich in irgendeinem Naheverhältnis mit dem Club (z. B. Vereinsmitglieder, Jahreskartenbesitzer, Fanklubmitglieder etc. mit Vereinsausschluss, Entzug der Mitgliedschaft, Stadionverboten etc.) stehen“, gab Rapid bekannt. „Gewalt darf im Umfeld des SK Rapid keinen Platz haben! Der SK Rapid wünscht dem verletzten Spieler der Austria Amateure auch auf diesem Wege rasche Genesung“, so die Hütteldorfer.

Aufgeheizte Stimmung vor Derby

Für das Wiener Derby am Freitagabend im Hanappi-Stadion zwischen den Amateurteams von Rapid und Austria fällt Grubeck auf jeden Fall aus. Die Sicherheitsvorkehrungen für das Match der Amateure sowie das Duell der Bundesliga-Mannschaften am Sonntag werden laut Austria noch einmal erhöht. Mindestens 400 Polizeibeamte und 200 Ordner sollen Ausschreitungen verhindern.

„Wir wollen am Sonntag ein Fußballfest feiern, müssen bei solchen schrecklichen Vorfällen aber aufpassen, damit die Lage nicht umschlägt", sagte Kraetschmer. Austria werde auch den eigenen Anhängern ganz deutlich klarmachen, dass man derartige Verfehlungen und Angriffe auf andere nicht toleriere. „Die Zeiten der Gesetzgebung des Hammurabi mit Auge um Auge und Zahn um Zahn sind vorbei. So etwas wollen wir keinesfalls, und das wäre auch für uns unentschuldbar“, sagte Kraetschmer weiter und hofft auf eine schnelle Aufklärung durch die Polizei sowie auf Konsequenzen der Bundesliga und Clubs.

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