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Testspiel ohne „echten Favoriten“

Lars Lagerbäck ist im Herbst 2011 einer der Topfavoriten auf den ÖFB-Teamchefposten gewesen. Zweieinhalb Jahre später ist der Schwede am Freitag (ab 20.15 Uhr live in ORF eins, Anpfiff: 20.30 Uhr) zu Gast bei seinem Fast-Arbeitgeber. Denn Lagerbäck betreut höchst erfolgreich das Nationalteam Islands, das im Innsbrucker Tivoli-Stadion ein freundschaftliches Ländermatch gegen die Österreicher bestreitet.

Der offenbar stets entspannte Skandinavier warf im Vorfeld der Partie noch einmal einen Blick zurück auf die Verhandlungen mit dem ÖFB. „Ich wurde zu einem Gespräch mit der Verbandsspitze eingeladen. Im Endeffekt hat ein anderer den Zuschlag bekommen, so ist das Business“, berichtete Lagerbäck. Mit einem Schmunzeln und in durchaus respektablem Deutsch fügte der 65-Jährige hinzu: „Vielleicht war mein altes Schuldeutsch nicht gut genug.“

Jubel der isländischen Mannschaft

APA/EPA/NTB SCANPIX/Erlend Aas

Mit Lagerbäck scheiterte Island erst im Play-off für die WM in Brasilien

Das Spiel in Tirol sieht Lagerbäck als willkommenen Test für die Gruppe A der kommenden EM-Qualifikation, in der man auf die Niederlande, Tschechien, die Türkei, Lettland und Kasachstan trifft. „Österreich hat einige gute Spieler, das ist eine sehr interessante Mannschaft. Ein guter Mix aus Jung und Alt.“ Dass mit David Alaba Österreichs bester Spieler verletzt fehlt, mache die Aufgabe „ein bisschen leichter“.

„Gewinnen, um uns ans Siegen zu gewöhnen“

Aber auch Island hat ähnliche Probleme. Der Einsatz von Tottenham-Legionär Gylfi Sigurdsson ist wegen Rückenproblemen fraglich, Johann Berg Gudmundsson von AZ Alkmaar fällt verletzt aus. „Ich sehe in diesem Spiel keinen echten Favoriten, die Chancen stehen 50:50. Für uns ist es wichtig, solche Spiele zu gewinnen, damit wir uns ans Siegen gewöhnen. Natürlich steht aber auch das Testen von Spielern im Vordergrund“, sagte Lagerbäck, der mit Island in der jüngsten WM-Quali erst im Play-off an Kroatien scheiterte.

Beeindruckt haben den ehemaligen Langzeitteamchef seiner schwedischen Heimat (2000 bis 2009) auch die Auftritte von Red Bull Salzburg in der vergangenen Europa League. Lagerbäck und Island, das scheint die perfekte Harmonie zu sein. „Die Charaktere von Schweden und Isländern sind sehr ähnlich, wir haben sehr viel gemeinsam. Die Spieler haben einen guten Charakter, sind bodenständig und eigenständig. Wenn dann die Erfolge auch dazu kommen, dann macht das die Arbeit noch viel leichter“, berichtete Lagerbäck.

Island investiert in die Zukunft

Die Isländer profitieren von der fußballerischen Infrastruktur auf ihrer Insel, die im Lauf der vergangenen zwei Jahrzehnte aufgebaut wurde. In sieben Indoor-Hallen mit Kunstrasenplätzen wird die Jugend- und Profiarbeit das ganze Jahr lang vorangetrieben. Zahlreiche Kicker schaffen dadurch jedes Jahr den Sprung in ausländische Ligen, vor allem nach Norwegen und Schweden, aber auch zu Topadressen in England, Italien und den Niederlanden.

Dass Handball die Nummer-eins-Sportart in Island sein soll, verwies Lagerbäck ins Reich der Mythen. „Auf Island regiert der Fußball, überall wo man hinschaut“, stellte Lagerbäck klar. Knapp 30.000 Menschen spielen in Vereinen Fußball, im Handball seien es lediglich 7.000.

Mannschaft gespickt mit jungen Talenten

Die aktuelle isländische Mannschaft ist mit zahlreichen Akteuren gespickt, die 2011 die U21-EM in Dänemark erreicht haben. Unter anderen war auch Aron Einar Gunnarsson dabei, der baldige Teamkollege von Guido Burgstaller bei Premier-League-Absteiger Cardiff City ist mittlerweile Captain des isländischen A-Teams. „Jeder Isländer ist stolz, wenn er seine Heimat vertreten darf. Wir wollen zeigen, dass wir im Sport nicht zu den Kleinen gehören“, sagte Gunnarsson.

Angesprochen auf Marko Arnautovic vom englischen Ligarivalen Stoke City sagte Gunnarsson: „Marko ist ein hervorragender Spieler. Er kann praktisch von überall auf dem Platz ein Tor erzielen. Wegen Spielern wie ihm gehen die Menschen ins Stadion.“

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