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Betrug funktioniert nicht immer

Seit Freitag läuft in Graz der Prozess zum bisher größten bekanntgewordenen Fall von Wettbetrug im österreichischen Fußball. Im Mittelpunkt dabei: die ehemaligen Bundesliga-Kicker Dominique Taboga und Sanel Kuljic. Taboga, der den Fall im vergangenen Jahr ins Rollen gebracht hatte, gab am Montag einen Einblick in die Machenschaften auf dem Feld - und erzählte, dass es nicht immer so läuft wie ausgemacht.

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Taboga, bis vergangenes Jahr noch beim SV Grödig unter Vertrag, hatte mit einer Anzeige wegen versuchter Erpressung gegen Kuljic die betrügerischen Machenschaften an die Öffentlichkeit gebracht. Der heute 31-Jährige wurde, nachdem immer mehr Details ans Tageslicht gekommen waren, aber schnell vom Opfer zum Mittäter der Manipulationen, die er während seiner Zeit bei DSV Leoben, Kapfenberg und eben Grödig mitgetragen haben soll. Vor Gericht bekannte er sich schuldig, zusammen mit neun weiteren Angeklagten 18 Fußballmatches von 2004 bis 2013 zumindest versuchsweise manipuliert zu haben.

Weniger laufen hilft immer

2005 war ein - jetzt ebenfalls angeklagter - Kollege an ihn herangetreten und hatte erstmals eine Beeinflussung des Spiels vorgeschlagen. „Ich sollte an einer Niederlage des DSV Leoben gegen SV Ried mitwirken“, schilderte der ehemalige Fußballer. Taboga willigte ein, „weil so ein Spiel eh meistens verloren geht“, so der Angeklagte. Auf die Verwunderung von Richterin Elisabeth Juschitz sagte Taboga: „Als Spieler kann man das abschätzen, bei einem derartigen Übergegner.“

Sanel Kuljic vor Gericht

GEPA/Markus Oberlaender

Ex-Teamspieler Kuljic sitzt in Graz ebenfalls auf der Anklagebank

Die versuchten Betrügereien folgten laut Taboga dabei meist diesem simplen Schema. Der Verteidiger sollte so unauffällig wie möglich sein Möglichstes dazu beitragen, dass die Spiele das gewünschte Ergebnis erzielten. War der Gegner von der Papierform her wie eben Ried gegen Leoben „übermächtig“, schaltete Taboga in Spielen von Leoben oder später Kapfenberg einfach ein paar Gänge zurück. „Ich war sowieso nie der Schnellste“, sagte der ehemalige Profi auf eine Nachfrage der Richterin, die jedes Spiel mit dem Angeklagten besprach.

Während seiner Zeit bei Kapfenberg waren aber laut Taboga „keine intensiven Manipulationen von mir nötig“. Auch nach seinem Wechsel zu Grödig soll Taboga auf vorher fixierte Ergebnisse hingearbeitet haben, teilweise unter Mithilfe seines Mitangeklagten und mutmaßlichen Erpressers Kuljic. Doch die Manipulationen funktionierten nicht immer, und so mussten die Spieler weitermachen, um die Geldgeber, die laut Taboga mit eindeutigen Drohungen ihren Missmut zum Ausdruck brachten, zufriedenzustellen.

Immer geht’s nicht

Wie ein versuchter Betrug danebengehen kann, schilderte Taboga anhand einer Erstligapartie zwischen Grödig und Kapfenberg im August 2012. Bei der Partie gegen seinen früheren Arbeitgeber sollte Taboga mit dem zu diesem Zeitpunkt bei den Steirern spielenden Kuljic zusammenarbeiten. Ausgemacht war, dass der SV Kapfenberg bereits zur Halbzeit mit 2:0 führen sollte, tatsächlich gewann Grödig das Spiel am Ende knapp mit 1:0.


Sanel Kuljic (KSV) und Dominique Taboga (Groedig)

GEPA/Harald Steiner

Beim direkten Duell funktionierte es zwischen Kuljic (l.) und Taboga nicht

„Das vereinbarte Ergebnis war illusorisch, aber wir hatten keinen Verhandlungsspielraum“, so Taboga. Vor dem Spiel sei vereinbart gewesen, dass der Verteidiger den Stürmer Kuljic bei Angriffen „vorbeilasse“. Aber es kam zu keiner derartigen Situation: „Er hat einfach keine brauchbaren Bälle bekommen“, erzählte Taboga. Auf Nachfrage der Richterin („Sind Sie mir jetzt eingeschlafen?“) bestätigte Kuljic diese Aussage.

Trainer wird zum Spielverderber

„Warum holten Sie sich die Bälle nicht?“, wollte Richterin Juschitz weiter von Kuljic wissen. Doch das war in der Taktik des damaligen Trainers Thomas von Heesen nicht vorgesehen. „Der Trainer hat gesagt, bleib stehen wie der Toni Polster und warte auf die Bälle“, sagte Kuljic. Auf den Tipp der Richterin („Hätten Sie nicht zu ihren Kollegen sagen können, ich hole die Bälle, und ihr haltet mir den Weg frei?“) reagierte der ehemalige ÖFB-Teamspieler wütend. „Das ist Fußball, nicht Rugby“, sagte der 36-Jährige zum gut gemeinten Ratschlag.

Am Ende fielen die Wettbetrüger um ihre Einnahmen um. Nach den nicht erfolgreichen Manipulationen wurden jedenfalls die Geldgeber, die bei asiatischen Wettanbietern große Summen gesetzt hatten, unruhig und forderten unter Androhung von Gewalt teilweise hohen Schadensersatz. Taboga soll immer stärker unter Druck gesetzt worden sein und ging schließlich zur Polizei, wodurch alles aufflog. Am Dienstag steht dann mit Kuljic der nächste Hauptbeschuldigte im Zeugenstand. Weitere „Schmankerln“ dürften garantiert sein.

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