Nicht jeder liebt Schaumpartys
Künftig werden auch die Schiedsrichter in Österreichs Bundesliga „schäumen“. In den großen europäischen Ligen, dem Fußball-Europacup sowie der EM-Qualifikation wird der Freistoßspray ab diesem Sommer eingesetzt, die beiden höchsten heimischen Spielklassen sollen spätestens im Februar folgen.
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„Ich gehe davon aus, dass der Schiedsrichterspray spätestens im Februar 2015 zum Einsatz kommt, vielleicht auch schon im Herbst 2014, je nachdem, wie schnell wir das Ganze umsetzen können“, meinte Bundesliga-Vorstand Christian Ebenauer Dienstagabend im ORF-Kurzsport. Die Einführung soll Anfang Oktober in der Ligakonferenz abgesegnet werden, auch die Schiedsrichter müssen noch geschult werden. Die Liga kalkuliert mit Kosten von sechs Euro pro Dose und einem Bedarf von 1.500 Stück pro Saison.
Deutsche Schiedsrichter mauern
Der Freistoßspray hätte auch in Deutschland beim Bundesliga-Auftakt am 22. August zwischen Rekordmeister Bayern München und dem VfL Wolfsburg zum Einsatz kommen sollen. Doch die Unparteiischen reklamieren für sich mehr Zeit zur Vorbereitung. Der Ligaverband hatte am Montag die Einführung des Sprays zum frühestmöglichen Zeitpunkt beschlossen und den Saisonstart im Oberhaus als Wunschdatum benannt. Davon fühlten sich die Entscheidungsträger der Schiedsrichterzunft beim DFB offenbar überrumpelt.

Reuters/Arnd Wiegmann
Die WM-Schiedsrichter übten den richtigen Umgang mit dem Freistoßspray
Die deutschen Referees mauern. „Eine Einführung bereits zu Beginn der Bundesliga-Saison wäre zu kurzfristig, zumal der Einsatz des Freistoßsprays beim Vorbereitungslehrgang der Schiedsrichter vor wenigen Wochen in Grassau am Chiemsee noch keine Rolle spielte“, teilte der DFB mit. Die Vorbehalte sind nicht ganz unbegründet, gibt es doch einige Details wie den Einsatz auf Schneeboden zu klären.
Ein Spray alleine reicht nicht
„Nicht zuletzt der im WM-Turnier nicht immer optimale Einsatz des Freistoßsprays legt nahe, die Schiedsrichter sorgfältig und professionell auf diese Neuerung vorzubereiten und wichtige Fragen rund um die Anwendung des Sprays im Vorfeld zu klären“, teilte der DFB mit. Deutschlands Schiedsrichterboss Herbert Fandel hält den Freistoßspray ohnehin für verzichtbar, auch wenn er sich dem Hilfsmittel nicht verschließen wird. Um eine Mauer richtig zu stellen, „gehört auch immer die nötige Autorität des Schiedsrichters dazu“, hatte er bereits Mitte Juli beim Schiedsrichterlehrgang erklärt.
Nun legte er noch einmal nach. „Im Zusammenhang mit der aktuellen Thematik Freistoßspray weist die Kommission noch einmal darauf hin, dass es für die Schiedsrichter wichtigere und wesentlich entscheidungsrelevantere Hilfsmittel gibt“, grantelte Fandel und forderte: "In diesem Kontext gehen wir davon aus, dass die Einführung der Torlinientechnologie in der Bundesliga ebenfalls zeitnah vorangetrieben wird.
„Schaumgeschichte total positiv“
Die WM in Brasilien verhalf dem Spray, der schon in einigen südamerikanischen Ligen und in der Major League Soccer verwendet wurde, zum Durchbruch auch in Europa. „Die Schaumgeschichte sehe ich total positiv“, hatte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bereits während der WM gesagt. „Die elende Schieberei, wo der Freistoß ausgeführt wird und wo die Mauer steht, ist damit zu Ende. Das ist eine Erleichterung für die Schiedsrichter.“
Auch in der deutschen Bundesliga wird die Einführung begrüßt. „Das Spray gibt es in Brasilien bereits seit drei Jahren. Ich verstehe nicht, wieso wir das nicht direkt eingeführt haben. Ich spendiere gerne auch 20 Kisten von dem Schaum“, sagte etwa Jörg Schmadtke, Manager vom Stöger-Club Köln.
Spiel wird dynamischer
Mit ihren Spraydosen, mit denen sie bei Freistößen die 9,15 Meter Abstand der Mauer markieren, hatten die WM-Schiedsrichter in Brasilien die Blicke auf sich gezogen. Bald wich die anfängliche Skepsis der Erkenntnis, dass dieser Spray seine Vorteile hat. Denn er löst ein altes Problem. Nach Angaben des Brasilianers Heine Allemagne, der das Produkt mitentwickelte, verringert es die Zeit zum Aufbau der Mauer von 48 auf 20 Sekunden. „Das Spiel wird damit dynamischer“, sagte der Brasilianer, der früher als Grafiker arbeitete.

Reuters/David Gray
„Die Spieler respektieren die Linie“, meint der Erfinder. Kolumbiens Jungstar James Rodriguez ist offensichtlich die Ausnahme von der Regel.
Außerdem gebe es weniger Gelbe und Rote Karten. Es seien auch mehr Tore aus Freistößen gefallen, rechnet Allemagne vor - und vor allem: „Die Spieler respektieren die Linie.“ Damit gibt es kein zeitraubendes Feilschen mehr um die korrekte Position der Mauer. Der Schiedsrichter markiert damit die Stelle, an der der Freistoß ausgeführt wird, und die Linie, die die Spieler in der Mauer nicht übertreten dürfen. Bei der WM in Brasilien wurde damit auch von ganz exakten Referees schon öfter über die Schuhe der Spieler gesprüht.
Schiedsrichterglück aus der Dose um 3,50 Euro
320 Sprühdosen - fünf pro Spiel - im Wert von je fünf US-Dollar (rund 3,50 Euro) hatte Allemagne von seinem Produkt „9,15 Fair Play“ der milliardenschweren FIFA für die WM unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Die investierten 1.600 US-Dollar könnten sich jedoch bei der Vielzahl an Ligen, die die Absicht haben, einen Freistoßspray zu verwenden, bald rechnen.
Allemagne hat auf den sich selbst auflösenden, weißen Schaum nach eigenen Angaben seit dem Jahr 2000 ein Patent. Als begeisterter Amateurfußballer war ihm die Zeitverschwendung rund um Freistöße schon lange ein Dorn im Auge. 2002 wurde der Spray vom brasilianischen Verband erstmals auf höchster Ebene eingesetzt. 2006 schloss sich Allemagne mit dem Argentinier Pablo Silva, der unabhängig an einem ähnlichen Projekt arbeitete, zusammen und gründete die Firma 9,15 Fair Play.
Wasser und Butangas
Der Spray „9,15 Fair Play“ besteht aus rund 20 Prozent Butangas, der Rest ist großteils Wasser. Das Butan expandiert beim Sprühen, und es entsteht ein weißer Schaum. Sobald der Wasseranteil verdunstet, platzen die Schaumbläschen, und der Schaum löst sich wieder auf. Die Zeit, bis der auf den Rasen gesprühte Schaum verschwindet, liegt zwischen 20 Sekunden und zwei Minuten.
Die Verwendung des Freistoßsprays wurde bereits bei der 126. Jahrestagung des International Football Association Board (IFAB) im März 2012 von allen Mitgliedern nach 18.000 Einsätzen in Spielen gebilligt. Das IFAB fasste den Beschluss, dass jede Konföderation, jede Liga und jeder Mitgliedsverband den Spray auf Wunsch in Zukunft einsetzen kann.
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